Duisburg: Handbuch zur Musikkultur der Region

Duisburg : Handbuch zur Musikkultur der Region

Der Duisburger Liedermacher und Autor Frank Baier hat zusammen mit Jochen Wiegandt ein "Liederbuch Ruhr – Glück auf!" herausgegeben, das zugleich ein Lexikon ist. Helge Schneider und Rudolf Schock sind auch dabei.

Vor 70 Jahren bei Braunschweig geboren, ist der Duisburger Sänger, Musiker, Liedermacher und -sammler der wohl bekannteste Vertreter seiner Zunft im Ruhrgebiet. Jetzt veröffentlichte er zusammen mit Jochen Wiegandt das Liederbuch "Glück auf", das zugleich ein Lexikon ist.

Welche Lieder aus dem Ruhrgebiet kennt man - außer eben "Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt?" Darüber hinaus sieht es rabenschwarz aus wie im tiefsten Flöz. Dabei blickt das Ruhrgebiet auf eine vielfältige Anzahl verschiedenster Lieder zurück. Dieses Stück Musik-Kulturgut soll mit dem neuen Buch wieder erleb- und singbar gewacht werden. Im Vorwort schreibt Frank Baier, was er mit seinem Buch bezweckt: "Neue Lieder zu lernen, die alten Lieder aber zumindest nicht zu vergessen oder neu zu entdecken und durch die Lieder über das Ruhrgebiet und seine Menschen Geschichten zu hören und dadurch Geschichte zu erfahren, die uns kein Fernsehen liefern kann."

Ende 2009 begannen Baier und Wiegandt, die 100 bekanntesten und beliebtesten Lieder aus dem Ruhrgebiet mit Noten und Texten zusammenzutragen. Die Liedauswahl erstreckt sich vom Mittelalter bis zur Jetztzeit, die wichtigsten Kenner der jeweiligen Lieder konnten als Autoren gewonnen werden. Baier: "Der kulturelle Liederschatz der Region hatte förmlich darauf gewartet, aus der Tiefe gehoben zu werden." Den Notensatz besorgte der Duisburger Musiklehrer Jörg Falk. Ein alphabetisch geordneter Lexikonteil, in dem amüsante, wissenswerte und zu Herzen gehende Geschichten aller Art vorkommen, runden das neue und umfangreiche Liederbuch-Lexikon ab.

Viele der Lieder sind parodistische Texte auf bekannte Melodien. Zum Beispiel "Als die Mieter frech geworden" von Frank Baier nach "Als die Römer frech geworden", das "Arbeiter-Stille-Nacht" von Boleslaw Strzelewicz oder "Bottroper Bier" von Jürgen von Manger (Bühnenfigur Adolf Tegtmeier) nach "Griechischer Wein". Viele sind kämpferisch; manche einfach nur erfrischend albern wie "Currywurst" von Horst Herbert Krause und Dieter Krebs (Text) sowie Jürgen Triebel (Musik) oder "Katzenklo" von Helge Schneider, manche todtragisch wie "Bei Duisburg sind viele gefallen" (nach "In Frankreich sind viele gefallen") über die blutig niedergeschlagene Ruhr-Revolution von 1920.

Sechs der 100 Lieder haben einen direkten Bezug zu Duisburg: neben dem bereits erwähnten "Bei Duisburg sind viele gefallen" auch der "Bruckhausen-Walzer" von Frank Baier, "Dat is Duisburg" von Marcel Wojnarowicz (mit dem Refrain "Ja, dat is' Duisburg, hier will einfach keiner hin, / ja, dat is Duisburg, und dat macht auch keinen Sinn. / Du musst schon hier geboren sein, um dat zu ertragen, / allen Zugezogenen schlägt Duisburg auf'n Magen"), das volkstümliche "Hau man drop (Duisburger Jungen)", "Rhein-Ruhr-Hafen Duisburg" von Günter Raabe (Text) und Michael Jung (Musik) sowie "Rheinpreußen ruft Alarm" von Richard Limpert nach "Ein Bomben ist gefallen". Das Ganze wird noch sinnfälliger durch zahlreiche, bis zu 100 Jahre alte Fotos, unter anderem von den Duisburger Arbeitskämpfen um Rheinpreußen in Homberg und Krupp in Rheinhausen.

Der Lexikonteil enthält viele spannende Hintergründe, zum Beispiel über den in Duisburg geborenen Tenor Rudolf Schock, er sang einst "Ein Bergmann, der nahm Abschied".

(hod)
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