Hamborner Orgel mit neuer Stärke

Hamborner Orgelkonzert : Orgel mit neu gewonnener Stärke

In der Abteikirche Hamborn gastierte der renommierte französische Konzertorganist und Komponist Thierry Escaich, ein wahrer Feuerkopf. Der Erfolg der langwierigen Restaurierung ist hörbar.

Die Orgelkonzerte in der Abtei Hamborn gehören neben denen in der Salvatorkirche zu den musikalischen Höhepunkten in unserer Stadt. Das ist vor allem das Verdienst von Abteikantor Peter Bartetzky, dem es immer wieder gelingt, erstklassige Gäste an die 1986 erbaute Mönch-Orgel der Abtei zu holen. Während der vergangenen Saison 2017/2018 musste das seinerseits hochkarätige Instrument aufwendig restauriert werden. Unter anderem hat die Orgel jetzt endlich einen Setzer, mit dem Registerkombinationen vorprogrammiert werden können, und einen hinreichenden Motor für die Windversorgung. Die Restaurierung hatte Orgelbaumeister Christoph Neuhaus durchgeführt, der die Orgel schon seit dem Baubeginn 1986 kennt. Das war gewiss, trotz der ungewöhnlich langen Konzertpause, ein Glücksfall für die Hamborner Orgelreihe.

Jetzt kam als einer der ersten musikalischen Gäste der neuen Saison 2018/2019 der 1965 geborene, renommierte französische Konzertorganist und Komponist Thierry Escaich. Sein Programm blieb ganz im Rahmen der französischen Spät(est)romantik, einschließlich der eigenen Werke, reichte von dem rhythmisch komplexen „Le Monde dans l‘attente du Sauveur“  („Die Welt in Erwartung des Erlösers“, das ist der erste Satz aus der „Symphonie-Passion“ op. 28) von Marcel Dupré (1886-1971) bis zu der abschließenden großartigen Improvisation einer viersätzigen Sinfonie über drei kurz zuvor von Bartetzky gegebene Themen, nämlich die jeweiligen Kopfthemen der Sinfonien Nr. 40 g-Moll KV 550 von Wolfgang Amadeus Mozart und Nr. 5 c-Moll op. 67 von Ludwig van Beethoven sowie das gleichfalls allgemein bekannte „Halleluja“ aus dem Oratorium „Der Messias“ von Georg Friedrich Händel.

Thierry Escaich ist ein großartiger Improvisator. Foto: Guy Vivien

Und schnell zeigte sich, warum gerade Escaich - der für seinen Hamborner Auftritt eigens einen Arbeitsaufenhalt in St. Petersburg unterbrach - der richtige Mann dafür war. Zum einen natürlich, weil diese Orgel besonders gut für diese Musik geeignet ist, hier konzertierten schon frühere Größen dieser Richtung wie Gaston Litaize. Zum anderen, weil Escaich ein Meister der kraftvollen Registrierung ist und somit vorzüglich die neu gewonnene Stärke des Hamborner Instruments demonstrieren konnte - auch wenn leider zwischendurch mal der eine oder andere Ton hängenblieb (also länger klang, als er eigentlich sollte). Von anderen Komponisten spielte er überwiegend Werke, an denen er sich selbst auch als Komponist orientiert, also so verschärft tonal wie in Paris um 1930 für die Orgel geschrieben wurde. Thierry Escaich ist eben ein wahrhaft kreativer Feuerkopf - sein allzu freizügiger Umgang vor allem mit dem hyper-wagnerianischen Choral Nr. 1 E-Dur von César Franck (1822-1890) wirkte weit weniger überzeugend als seine klaren eigenen Werke, vor allem die bereits erwähnte Improvisation, die mit ihrem enormen Einfallsreichtum und mit ihren glühenden Klangfarben der legendären französischen Orgelschule alle Ehre machte.

Leider besuchte dieses Duisburger Konzert eines Weltklassemusikers nur ein eher überschaubares Publikum. Das wird wahrscheinlich anders beim nächsten Orgelkonzert in der Abtei am Sonntag, 9. Dezember, um 16.30 Uhr. Dann gestalten Knabenchor und Mädchenkurrende Rheydt ein weihnachtliches Programm als „Konzertanter Evensong“. Die Leitung hat und das Orgelcontinuo spielt Udo Witt, er war viele Jahre lang Kantor der Friedenskirche Hamborn. Dazu kommen Laura Zeiger (Sopran) und Peter Bartetzky (große Orgel). Der Eintritt ist frei, es wird aber um eine Spende gebeten.

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