Duisburg: "Guten Tag" kann so einfach sein

Duisburg : "Guten Tag" kann so einfach sein

Wenn es mit der Sprache nicht so gut klappt, kommen bei den Caritas Wohn- und Werkstätten Niederrhein (CWWN) Gebärden und neuerdings auch elektronische Hilfsmittel wie der Talker zum Einsatz.

Siggi Zindler hat große Freude am Umgang mit dem Talker. Er drückt auf ein Symbol des Bildschirms, und der Talker wandelt den Befehl in Sprache. "Ich möchte", ertönt aus dem Lautsprecher. Marie Novak guckt Zindler aufmunternd an, der findet ein anderes Symbol. "Süßigkeiten", sagt der Talker. Zindler lächelt. Und entdeckt ein weiteres passendes Symbol. "Noch mehr", ist zu hören. Zindler strahlt. Klar, wer möchte nicht auch noch mehr Süßigkeiten? Aber der Talker ist nicht nur dazu da, den Wunsch nach noch mehr Süßigkeiten nach außen zu tragen, sondern er ist ein Kommunikationsinstrument, für dessen Gebrauch die Menschen in der Obhut der Caritas-Wohn- und -Werkstätten Niederrhein (CWWN) unterrichtet werden - und auch die Betreuer bei den CWWN.

"Unterstützte Kommunikation" heißt das Projekt, das sich derzeit mit Unterstützung der Aktion Mensch darum kümmert. "Bei unterstützter Kommunikation geht es um alle Hilfsmittel - sowohl körpereigene wie zum Beispiel Gebärde als auch elektronische - für Menschen, die nicht über genügend Lautsprache verfügen, um sich im Alltag verständlich zu machen", erklärt Projektleiterin Andrea Liehs. Und der Talker ist eins dieser Hilfsmittel. Unterstützte Kommunikation ist etwas, was in Amerika in Schulen für Menschen mit geistiger und/oder körperlicher Behinderung üblich ist und mittlerweile hierhin herübergeschwappt ist. Liehs: "In den vergangenen zehn Jahren wird sie auch in Deutschland verstärkt eingesetzt." Und das passiert in allen Bereichen, sowohl vor der Schule, in der Schule und jetzt auch im nachschulischen Bereich. Mit dem Projekt, das den Einsatz von Symbolen, Gebärden und elektronischen Hilfen vereinheitlichen soll, hat man bei den CWWN "Vorreiterfunktion", so Liehs. Etwa 1200 Menschen mit körperlicher und/oder geistiger Behinderung arbeiten bei den CWWN, 400 von ihnen in der Werkstatt an der Rheinhauser Hochstraße. Nicht jeder von ihnen kann sich mit Sprache so ausdrücken, dass er verstanden wird. Hilfsmittel wie zum Beispiel Gebärdensprache, aber auch der Einsatz von Symbolen sind leider nicht standardisiert. Das soll jetzt anders werden. In dem dreijährigen Projekt bei den CWWN "wollen wir eine Netzwerk-Kommunikation schaffen, um eine einheitliche Ausdrucksform zu haben", erzählt Barbara Telgen, Bereichsleiterin Wohnen und Freizeit. "Es gibt ganz viele verschiedene Symbole, ganz viele verschiedene Gebärden", weiß Projektleiterin Andrea Liehs. "Die Kinder sollen von Geburt an mit einem System durchs Leben kommen."

Um das zu schaffen, arbeitet man mit dem Zentrum für unterstützte Kommunikation in Moers zusammen. "Die kommen zu uns in die Einrichtungen und führen die Diagnostik durch", so Telgen. Bei den CWWN hofft man, dass die Mitarbeiter nach Ablauf des Projekts selbst erkennen, welche Unterstützung die betreuten Menschen benötigen. "Aber bestimmte Dinge müssen therapeutisch begleitet werden." Das Lernen der Symbole führt über das Einüben. Liehs: "Wen jemand erkennt, dass er Wurst bekommt, wenn er das Symbol nutzt, dann geht das." Und dann klappt's auch mit den Süßigkeiten...

(RP)