Duisburg "Gut gedeutet" bei der Filmwoche

Duisburg · Morgen Abend möchte die Auswahlkommission der 38. Duisburger Filmwoche jene 25 Filme bestimmt haben, die vom 3. bis 9. November im Filmforum von morgens bis nachts vorgestellt, diskutiert und am Schluss womöglich preisgekrönt werden.

 Die Auswahlkommission der Filmwoche (v.l.): Jessica Manstetten, Peter Ott, Werner Ruzicka, Joachim Schätz, Till Brockmann und Pary El-Qalqili.

Die Auswahlkommission der Filmwoche (v.l.): Jessica Manstetten, Peter Ott, Werner Ruzicka, Joachim Schätz, Till Brockmann und Pary El-Qalqili.

Foto: Reichwein

Und wie immer haben die Filmexperten aus Deutschland, der Schweiz und Österreich die Qual der Wahl. Werner Ruzicka, seit vielen Jahren Leiter der Duisburger Filmwoche und damit die Konstante des Festivals, sagte gestern im Pressegespräch, dass die Mitglieder der Auswahlkommission insgesamt rund 800 Dokumentationen im Blick hatten. Etwa 300 wurden zumindest teilweise von der fünfköpfigen Kommission gemeinsam gesichtet. Allerdings werden nicht alle Filme zu Ende gesehen; oft werden Filme nach wenigen Minuten gestoppt. Wenn jedoch ein Mitglied der Auswahlkommission glaubt, dass es sich lohnt, länger zu gucken, dann wird das gemeinsam getan. Gestern waren noch 40 Filme im Rennen.

Die Duisburger Filmwoche ist DAS Festival für den deutschsprachigen Dokumentarfilm. In Duisburg werden Produktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht nur präsentiert, sondern im Anschluss an die Vorführung auch diskutiert. Diese Diskussionen sind das Markenzeichen der Duisburger Filmwoche. In der Filmemacher-Szene steht die Duisburger Filmwoche hoch im Kurs. Wenn es Filmstudenten gelingt, ihre Abschlussarbeit in Duisburg zeigen zu dürfen, dann gilt das als Riesenerfolg und wird nicht zuletzt auch von den Fernsehsendern beachtet. In diesem Jahr seien ungewöhnlich gute Arbeiten von Filmstudenten eingereicht worden, hieß es gestern. Insgesamt gebe es bei den eingereichten Filmen eine gute Mischung von etablierten Filmemachern und Neulingen. Die Duisburger Filmwoche hat zwar mit "Gut gedeutet" ein interessantes Motto, aber eine thematische Eingrenzung gibt es nicht. Zum Reglement gehört nur, dass die Produzenten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kommen, dass die Filme mindestens 45 Minuten lang sind (bei Fernsehproduktionen und Hochschulfilmen mindestens 30 Minuten) und dass die Filme nicht vor dem 1. September 2013 uraufgeführt wurden. Ansonsten ist das Festival für "alles" offen. Die Globalisierung, Krankheit, Altwerden und Tod, Familienstrukturen und neue Heimatgefühle sind Themen, die diesmal häufig behandelt wurden. Die "großen Welterklärer" gab es bei der Sichtung im Gegensatz zu den Vorjahren selten.

Werner Ruzicka geht davon aus, dass trotz aller Sparvorgaben die Filmwoche nicht gefährdet ist. Jedenfalls wird die Unterstützung von Land, Filmstiftung und Stadt bislang nicht in Frage gestellt. Auch die Kultursender arte und 3Sat stehen nach wie vor zur Filmwoche.

Gewidmet ist das Festival drei bedeutenden Dokumentarfilmern, die jahrelang ihre Filme in Duisburg gezeigt haben und die in den vergangenen Monaten gestorben sind: Peter Liechti, Harun Farocki und Michael Glawogger.

(RP)
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