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Duisburg: Günstige Prognose für psychisch Kranken

Duisburg : Günstige Prognose für psychisch Kranken

Es war ein Schock für eine junge Frau, als sie in Marxloh plötzlich von einem fremden Mann unsittlich berührt wurde. Im Oktober vergangenen Jahres hatte der Fremde ihr den Mantel aufgerissen und gesagt, er wolle Sex mit ihr. Dann klammerte er sich von hinten an sie und hielt sie fest. Unfassbar auch, dass er dies im Beisein vieler Passanten wagte. Die Frau war mit einer Gruppe von mindestens zehn Leuten unterwegs, als sie belästigt wurde. Einer ihrer Begleiter griff ein und kassierte dafür sofort einen Faustschlag ins Gesicht. Jetzt wurde der Fall vor dem Duisburger Landgericht verhandelt. Der 32-Jährige sagte, er könne sich an nichts derartiges erinnern. Er glaube aber nicht, dass die Vorwürfe zutreffen. Die Zeugen hatten allerdings allesamt die Tat ähnlich geschildert. Der Mann habe die Frau verbal sexuell belästigt und versucht ihr an den Busen und in den Schritt zu fassen, berichteten sie.

Vermindert schuldfähig

Auch den Faustschlag hatten mehrere Personen beobachtet. Das Gericht war deshalb davon überzeugt, der Beschuldigte habe im Zustand verminderter Schuldfähigkeit versucht, die Frau sexuell zu belästigen. Auch die Körperverletzung habe er begangen. Bestraft werden kann er dafür aber nicht. Schon in der Vergangenheit hatte sich der unter Betreuung stehende Mann mehrfach in der Psychiatrie aufgehalten. Nun musste geprüft werden, ob er so gefährlich ist, dass er dauerhaft untergebracht wird. Mit Hilfe eines medizinischen Sachverständigen wägte das Gericht das Für und Wider ab. Der Sachverständige bestätigte dem psychisch kranken Mann eine günstige Prognose.

Die Gefahr reduziere sich bei zuverlässiger Einnahme der Medikamente. Von der Unterbringung sei unter diesen Umständen abzusehen. Wenn er die Medikamente nicht nähme, gäbe es Warnzeichen, darauf könne man immer noch reagierten. Der Beschuldigte hatte zur Tatzeit seine Medikamente nicht regelmäßig eingenommen. Nach dem Vorfall sei er medikamentös neu eingestellt worden.

Vertretbares Maß

Die Staatsanwältin ließ sich dadurch überzeugen. "Bei guter Kontrolle wird die Gefahr auf ein vertretbares Maß reduziert.", folgerte sie. Sein Zustand sei jetzt stabil. Das glaubte auch die Kammer. Die Unterbringung des Mannes wurde zur Bewährung ausgesetzt.

(RP)