Duisburg: Grüne wollen Delfinhaltung im Zoo verbieten

Duisburg: Grüne wollen Delfinhaltung im Zoo verbieten

Die Bundestagsfraktion der Grünen will die Delfinhaltung in Deutschland beenden. Die Vorsitzenden Renate Künast und Jürgen Trittin stellten am Donnerstag einen entsprechenden Antrag im Bundestag.

Die Forderung nach dem Verbot von Delfinarien bezieht sich unter anderem auf eine wissenschaftliche Untersuchung eines Biologen der Ruhr-Uni Bochum. In dem Bericht heißt es, dass Delfine in Zoos nicht artgerecht gehalten werden können. "In kleinen Wasserbecken wie etwa im Duisburger Zoo haben die intelligenten Meeressäuger nichts zu suchen", erklärte der Wissenschaftler. "Die Becken müssen mindestens über eine Bahnlänge von 850 bis 900 Metern verfügen, damit die Tiere wenigstens eine Minute geradeaus schwimmen können. Das ist in Duisburg nicht der Fall."

Neben Duisburg halten in Deutschland derzeit noch die Zoos in Münster und Nürnberg Delfine hinter dicken Glasscheiben. Während es in Nürnberg Vorführungen in der neuen "Delfin-Lagune" gibt, wurde das Delfinarium in Münster für Besucher geschlossen. Die Tiere sind nach Harderwijk in den Niederlanden gebracht worden. In der Schweiz ist bereits die Einfuhr von Delfinen verboten.

Tierschützer fordern schon seit Jahren ein Ende der Aufführungen mit den Säugern in Duisburg. "Das ist reinste Tierquälerei und gehört verboten", sagte Jürgen Ortmüller vom Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF). "Statt um Artenschutz und Aufklärung geht es den meisten Betreibern nur ums Geld. Delfine sind weltweit ein Milliardengeschäft." Auch das nordrhein-westfälische Umweltministerium stufte die Delfinhaltung in Duisburg bereits mehrfach als bedenklich ein. Der Duisburger Zoo weist die Vorwürfe zurück. "Wir halten die Delfine, weil wir vor allem auf den weltweit bedrohten Bestand der Tiere hinweisen wollen", sagte der zoologische Leiter. "Wir tun alles, damit es den Tieren bei uns gutgeht." So kümmern sich mehrere Pfleger, Tiertrainer und Ärzte 24 Stunden am Tag um die Delfine.

Derzeit neun Delfine in Duisburg

  • Fotos : Delfin-Nachwuchs im Duisburger Zoo

Im Tierpark am Duisburger Kaiserberg leben derzeit neun Delfine (große Tümmler). Die Tiere werden dort seit 1965 gezüchtet. Dreimal am Tag finden Vorführungen statt. Die Delfine sind das Aushängeschild des Zoos. Mit den Säugern lockt der Tierpark Besucher aus ganz Deutschland an. Sollte die Delfinhaltung tatsächlich verboten werden, bricht dem ohnehin schon finanziell angeschlagene Zoo eine der wichtigsten Einnahmequellen weg. Der Zoo ist auf finanzielle Unterstützung der Stadt Duisburg in Millionenhöhe angewiesen.

Der Bundestag muss dem Antrag der Grünen aber erst noch zustimmen. "Wenn das nicht passiert, wäre das eine Zustimmung zur Tierquälerei", sagte Ortmüller.

Der Vorstoß der Bundestagsfraktion kam auch bei den Grünen in Duisburg gut an. Claudia Leiße, Fraktionssprecherin lobt die richtige Stoßrichtung. Das neue Gutachten der Ruhr-Uni Bochum zeige, "dass die bisherige Situation für die Delfine unerträglich ist." Folgerichtig müsse die Haltung der Großen Tümmler untersagt werden. Da ein Auswildern nicht möglich sei, sollte die Fortpflanzung der Delfine unterbunden werden und sie das restliche Leben in Duisburg betreut werden, sagt Leiße.

Birgit Beisheim, Landtagsabgeordnete der Grünen, denkt schon einen Schritt weiter. Sie glaubt, dass der Zoo eine neue, artgerechte Attraktion brauche, um Besucher anziehen und überleben zu können. "Der Zoo muss ein mittelfristiges Konzept erarbeiten, mit dem er dauerhaft bestehen kann. Darin muss dann auch das Auslaufen der Delfinhaltung beachtet werden."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Welt der Duisburger Delfine

(RP/felt/das)