Golf lernen in Duisburg: Der lange Weg zur Platzreife

Golf lernen : Der lange Weg zur Platzreife

Unsere Autorin und ihren Mann hat das Golffieber gepackt. Doch bis man alleine auf dem Golfplatz unterwegs sein darf, ist es ein langer Weg. Eine Geschichte von Schwüngen, Motorik und unendlicher Geduld.

Was steht heute auf dem Programm? „Bunker, putten, trouble shots und kurzes Spiel“, sagt Thilo Fassbender knapp. Wir stehen auf der Golf-Übungsanlage hinter dem XXL-Sportcenter. In den nächsten 60 Minuten werden wir die passende Haltung einnehmen, den Rücken gerade halten, in die Knie gehen, nur mit dem Rücken und den Hüften rotieren, den Arm beim Schlagen ausgestreckt halten, nicht am Handgelenk abknicken, den Schläger mit ineinander verschränkten Händen und übereinandergelegten Daumen halten und versuchen, den kleinen weißen oder gelben Ball, der vor uns liegt, so zu treffen, dass er fliegt. Wir beginnen mit den langen Schlägen, die viele Hundert Meter weit fliegen – im besten Fall, wenn wir sie denn getroffen haben.

Auf 40.000 Quadratmetern erstreckt sich vor uns ein herrlicher Platz, der für alle, die eine Platzreife anstreben, keine Wünsche offen lässt. Seit Jahren bringt Fassbender allen, die es ausprobieren möchten, Golf bei. Dabei zählt Golf neben Stabhochsprung erwiesenermaßen zu den schwierigsten Sportarten. Das glauben die Leute nicht, bis sie eines Tages einen Schläger in der Hand halten und versuchen, einen Ball auf der Driving Range abzuschlagen.

Bis zu 14 Schläger darf der Golfspieler, wenn er denn eine anerkannte Platzreife erworben hat, mit auf die Anlage nehmen. Entweder in einem offiziellen Golfclub als Mitglied oder als Gast, der „green fee“ zahlt, das ist die fällig werdende Gebühr für die Nutzung des Rasens.

Fassbender selbst hat mit Mitte 20 eine Ausbildung zum Golflehrer absolviert. Mittlerweile ist er 55 und fit wie ein Turnschuh. Und was noch wichtiger ist: Er hat Geduld ohne Ende und kann bestens motivieren. Jeden Sonntag finden hier auf der Golf-Übungsanlage Schnupperkurse für Anfänger statt. Von zehn bis 17 Uhr erfahren die Teilnehmer sehr viel über den Sport. In Theorie und vor allem Praxis vermittelt Fassbender Knowhow, persönliche Tipps, Schlagtechniken. Diese Schnupperkurse kosten 20 Euro pro Person. Eine Privatstunde ist nicht viel teurer, sie kostet 38 Euro. Die Ausrüstung – Schläger und Bälle, Tees (kleine Holzstifte, die in den Boden gesteckt werden, damit der Ball beim Abschlag etwas erhöht liegt und somit leichter zu spielen ist) – stellt Thilo zur Verfügung.

Dass er für gute Stimmung sorgt, immer hochmotiviert ist und auch Tipps für einen geraden Rücken, die richtige Haltung und Empfehlungen für den gezielten Muskulaturaufbau gibt, ist ein schönes Extra, das die ohnehin gute Stimmung beim Training noch hebt.

Als Ziel der ganzen Plackerei winkt die Platzreife. Die nimmt Fassbender im Golfclub Oberhausen ab, der auf der alten Zeche Jacobi errichtet wurde. Schön an dem Club ist die ungezwungene Atmosphäre. Statt Filet gibt es Currywurst, statt Prosecco ein Bier vom Fass. Die Leute, die dort spielen, kennen sich. Fassbender schätzt ihren Ruhrgebietscharme und die offene Tonart.

Beide Qualitäten bringt auch der Golflehrer selbst mit. Er stammt aus Dortmund, lebt nun aber schon lange im Düsseldorfer Norden. Es sieht sehr leicht aus, wenn der Trainer den Schläger schwingt – die weiten Schläge, das Putten, das Einlochen. Es selbst zu versuchen, ernüchtert dann zunächst. Ausdauer zählt, häufiges Üben, Geduld. Dafür entschädigt der Blick in die grüne Umgebung. Und noch bevor aus den Anfängern dann Spieler mit Platzreife werden, können sie auf dieser Golf-Übungsanlage ganz ohne Schnickschnack und Kleiderordnung einfach durchatmen.

„Wie war das noch mit den trouble shots? Was ist das überhaupt?“, frage ich mich. „Das sind Schläge, die uns vor Herausforderungen stellen. Zum Beispiel, wenn ein Ball mitten in einer Astgabel landet“, erklärt Fassbender.

Auch die Theorie hat es in sich. Der Deutsche Golf-Verband hat ein umfangreiches Regelwerk erarbeitet, an das sich alle Golfspieler halten müssen. Vieles erklärt sich mit gesundem Menschenverstand von selbst, anderes ist Auslegungssache. Deshalb haben Golfspieler neben den Schlägern und Bällen häufig auch noch ein Handbuch in der Tasche, in dem sie nachlesen können.

Wann ein Ball im Aus ist, ob ein mit Gras bewachsener Bunker in der Mitte überhaupt bespielbar ist, das alles gilt es, zu lernen. Aber es hält den Kopf auch frisch und den Körper sowieso. Wer Golf spielt, bewegt sich viel. Das sollte niemand unterschätzen.

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