Duisburg : Getanztes Kino

Am Donnerstagabend wurden die 23. Duisburger Tanztage eröffnet. Den Anfang machten die Tanzstile "Jazz" und "Modern". Überraschend war die Zusammenstellung der Musik. Der Tanz bleibt weiterhin in Frauenhand.

Rheinhausen Keine Spur vom Klischee belasteten Tutu oder dem Tanzen "auf Spitze" — die Eröffnung der 23. Duisburger Tanztage wurde durch kreative Teilnehmer und innovative Choreographien zu einem Erlebnis für die Zuschauer. Dieses Jahr findet das große Amateurtanzfestival erstmalig in der Rheinhausen-Halle statt, da der ursprüngliche Veranstaltungsort, das Theater am Marientor, seit Anfang des Jahres nicht mehr vermietet wird.

Den Anfang machte der erste von zwei "Jazz & Modern"-Vorentscheiden. Nach einer kurzen Darbietung der Vorjahres-Gesamtsieger "Creationz" kämpften Solo-, Duo- und Gruppentänzer um die Gunst des Publikums und den Einzug in das Vorfinale am 24. März.

Wer beim ersten Programmbaustein "Jazzdance" Hüftschwünge zu Musik von Glenn Miller, Benny Goodman und Co. erwartete, wurde eines Besseren belehrt. Zum Discoklassiker "Relight my Fire" aus den 1970er Jahren stellten die vorwiegend weiblichen Mitglieder ihr Können ebenso unter Beweis wie zu Liedern, die erst in den vergangenen Jahren die Chartspitzen erklommen haben. Dass tanzbare Musik nicht immer einen beständig hämmernden Rhythmus braucht, bewiesen die "Dancing Devils", die die James-Bond-Titelmelodie fast schauspielerisch interpretierten.

Interpretation des 11. September

Über den Abend verteilt waren Rock 'n' Roll-Bewegungen zu Christina Aguileras "Candy Man" ebenso zu bewundern wie Tanzschritte, die direkt aus Musikvideos entnommen zu sein schienen.

Merklich komplexer wurde es bei den mit "Modern Dance" betitelten Darbietungen. So traten synchron getanzte Elemente zugunsten von impulsiven, ruckartigen Bewegungen in den Hintergrund, die an Ausdruckstanz erinnerten. Der Tanzstil, der auch mit Soloeinlagen und Requisiten bestach, hatte erst kürzlich einen Popularitätsschub erhalten, als Wim Wenders' Dokumentarfilm "Pina" über Pina Bausch, die Koryphäe des modernen Tanzes, für einen Oscar nominiert wurde. Geradezu abstrakt wurde es, als das Duo "Step-In" die Titelmusik des Horrorfilms "Saw" tänzerisch interpretierte und Solotänzerin Maria Giovanna delle Donne den "11. September 2001" tanzte. Letztere jedoch wurde in die Wertung der Kategorie "High Level" übertragen, deren Entscheid am 10. März gefällt wird.

Trotz der hohen Teilnehmerzahl trauten sich am ersten Tag der Duisburger Tanztage lediglich zwei Männer auf die Bühne, einer davon war Reiner Kraft. Der 53-Jährige ist Mitglied der Gruppe "Escapellas" aus Mülheim, die bereits zum 23. Mal, also seit Beginn der Tanztage, dabei ist. "Ich habe schon Kinderballett an der Folkwang-Grundschule in Essen getanzt, da war ich schon immer das schwarze Schaf", erklärte Kraft. Ihn begeistert vor allem die Vielfalt seiner Tanzgruppe. "Was wir an Bewegungen wegen unseres Alters nicht mehr leisten können, gleichen wir durch unser Lächeln aus", scherzte er.

(RP)