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Duisburg: Gespaltene Meinung zum Thema Inklusion

Duisburg : Gespaltene Meinung zum Thema Inklusion

Der Landtag hat gestern das Gesetz zur schulischen Inklusion verabschiedet. Was das für die Förderschulen bedeutet, ist noch unklar. Ein Besuch an der Kranichschule, die so lange erhalten bleiben soll, wie Interesse seitens der Eltern besteht.

Der Landtag hat gestern das umstrittene Gesetz zum gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Schülern verabschiedet. Der Entwurf der rot-grünen Regierung zur Inklusion verankert ab dem Schuljahr 2014/2015 einen schrittweisen Rechtsanspruch behinderter Kinder auf Unterricht in einer Regelschule. Das bedeutet eine Bedrohung für die städtischen Förderschulen, deren Existenz mit dieser Gesetzesänderung in Frage gestellt wird. Die Kranichschule ist eine dieser bedrohten Schulen.

Der Förderschwerpunkt der Schule liegt auf Sprachbehinderungen, und Schulleiter Werner Fischbach hat sich noch bis vor wenigen Wochen ernsthafte Sorgen gemacht: "Wir wussten ja lange nicht, wie sich die Situation für uns darstellt", sagt Fischbach. "In einigen Städten sollen beinahe alle Förderschulen plattgemacht werden. Uns konnte erst einmal niemand sagen, wie es weitergehen soll." Mittlerweile sei aber zumindest in Duisburg alles in Ordnung. "Wir haben eine, im Vergleich, äußerst intelligente Lösung mit der Stadt gefunden", so der Direktor. "Die Förderschulen wurden aufgefordert, ihre Fachgebiete darzustellen und daraufhin wurde uns zugesichert, dass unsere Schulen so lange erhalten bleiben, wie noch Interesse vonseiten der Eltern besteht."

Die Kranichschule bleibt also bis auf Weiteres erhalten. Unabhängig davon hat Fischbach dennoch ernste Zweifel am Sinn der Gesetzesänderung: "Normale Grundschulen können die Arbeit, die wir machen, überhaupt nicht leisten", glaubt der Schulleiter. "Diese Kinder haben ganz besondere Ansprüche. Man braucht Sonderpädagogen mit der fachlichen Ausbildung für die jeweilige Behinderung und Einzelunterricht, um Erfolge zu erzielen." Mit den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln sei eine gute Beschulung behinderter Kinder in Regelschulen nur schwer umzusetzen.

Die Eltern, die jetzt in die Kranichschule kamen, um sich über das Angebot der Schule zu informieren, waren geteilter Meinung. Ingmar Derte beispielsweise würde seinen Sohn lieber an einer normalen Grundschule anmelden, wenn dort eine entsprechende Förderung gewährleistet wäre. "Ich glaube, dass für ein Kind Stetigkeit wichtig ist", so der junge Vater. "Zwar könnte unser Sohn, nachdem seine Sprachschwäche behoben ist, wieder auf eine Gemeinschaftsgrundschule wechseln, doch alle seine Freunde wären dann hier." Außerdem sähe es für ein Gymnasium einfach besser aus, wenn ein Kind von einer normalen Grundschule komme. "Ich glaube, mein Junge hat dann einfach bessere Chancen", sagte Derte.

Vater Thomas Erkionic sieht das ganz anders: "Ich finde den Erhalt der Förderschulen wichtig und richtig", sagte er. "Sie wissen doch, wie gemein Kinder sein können. Ich will nicht, dass meine Tochter gehänselt wird. Hier erfährt sie die bestmögliche Ausbildung, und hinterher stehen ihr immer noch alle Bildungswege offen. Was will man mehr?"

(th)