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Duisburg: Geschenkte Ausstellungen fürs Museum

Duisburg : Geschenkte Ausstellungen fürs Museum

Zwei bemerkenswerte Ausstellungen werden heute Abend im Lehmbruck-Museum eröffnet: Auf einem langen Tisch werden 981 von Menschen gescannte Figurinen gezeigt. In der Straßengalerie stehen Skulpturen von Tony Cragg.

Zurzeit wird das Lehmbruck-Museum von der Diskussion über dessen Finanzsituation und die Position seines Direktors überschattet. Dabei darf man aber nicht aus den Augen verlieren, dass heute Abend, 19 Uhr, zwei bemerkenswerte Ausstellungen eröffnet werden.

 Blick in die riesige Gruppe der Miniaturfiguren, die von Museumsbesuchern mit Hilfe eines 3D-Boddyscanners entstanden sind. Gut zu erkennen ist in der Bildmitte der Noch-Kulturdezernent Karl Janssen.
Blick in die riesige Gruppe der Miniaturfiguren, die von Museumsbesuchern mit Hilfe eines 3D-Boddyscanners entstanden sind. Gut zu erkennen ist in der Bildmitte der Noch-Kulturdezernent Karl Janssen. Foto: andreas probst

Zum einen werden in der sogenannten Straßengalerie des Hauses erstmals fünf große Skulpturen und eine Wand-Installation des britischen Bildhauers Tony Cragg (Jahrgang 1949) gezeigt, die ein wohlhabender Frankfurter Sammler, der nicht genannt werden möchte, dem Museum als Dauerleihgaben zur Verfügung gestellt hat. Tony Cragg, Rektor der Kunstakademie in Düsseldorf, hat den Ausstellungsort im Museum selber gewählt, weil er zum einen von außen einsehbar ist, zum anderen aber auch, weil die Werke mit den Bäumen und Sträuchern des Kant-Parks, die man durch die großen Fenster sehen kann, korrespondieren. Tony Cragg gehört zu den bedeutendsten Gegenwarts-Bildhauern weltweit. Sein Werk passt vorzüglich ins Duisburger Museum, auch deshalb, weil es Cragg gelungen ist, sich neben dem "Übervater" Henry Moore zu behaupten. Cragg spielt mit den Formen, die lebendig und technisch zugleich wirken. Das älteste Werk stammt aus dem Jahr 1984, das jüngste entstand von gut zwei Jahren. Immer wieder faszinierend, wie "leicht" die zum Teil tonnenschweren Bronze- und Stahlskulpturen wirken. "Gegossene Blicke" und "Gemischte Gefühle" sind die schönsten Titel der Arbeiten, die die Grenzen von abstrakter und figürlicher Kunst mit den Mitteln der Fantasie souverän ignorieren.

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Die zweite Ausstellung, die ebenfalls heute Abend eröffnet wird, dürfte für viele Museumsbesucher ein Wiedersehen mit ihrer eigenen Person sein. "Visitors on Display" heißt die spektakuläre, ungemein fesselnde, durchaus auch unterhaltsame Schau von Karin Sander (Jahrgang 1957). 2008 war sie zum ersten Mal zu Gast im Lehmbruck-Museum, wo sie zahlreiche Menschen auf eine ganz besondere Weise "fotografierte". Mit einer ziemlich neuen Technik wurden die Museumsbesucher in einer Kabine zehn Sekunden lang gescannt. Anschließend wurden mit den Daten des 3D-Bodyscanners "dreidimensionale Fotografien" erstellt, die unterschiedlich eingefärbt wurden. Das Größenverhältnis zwischen den lebendigen "Modellen" und ihren abbildhaften Figurinen entspricht dem Idealmaß der Renaissance, wie Museumsdirektor Raimund Stecker erklärte. Der Maßstab eins zu acht soll nach der Kunstauffassung der alten Meister der Kopfgröße zur Körpergröße entsprechen.

Die international bekannte Künstlerin, die seit 18 Jahren mit künstlerischen und technischen Mitteln experimentiert, hat nicht nur im Lehmbruck-Museum, sondern später auch in der K20-Kunstsammlung in Düsseldorf Besucher mittels des 3D-Bodyscanners vermessen und sie dann Schicht für Schicht als originalgetreue Miniaturfiguren reproduziert. Nun stellt das Lehmbruck-Museum die so entstandenen "Replikate" zum ersten Mal gesammelt aus: 981 Personen und drei Hunde.

Die Menschen, die sich scannen ließen, durften (und mussten) ihre Posen selber aussuchen. Auch die Farbe "ihrer" Figur war eine Entscheidung der Abgebildeten. Die Figurinen stehen im Lehmbruck-Museum nun farblich geordnet auf einem 37,7 Meter langen und einem Meter breiten Tisch. Es macht Spaß, langsam an diesem Tisch vorbeizugehen und die Figurinen zu betrachten, zumal man auf viele Bekannte treffen kann, etwa auf den Noch-Kulturdezernenten Karl Janssen, den ehemaligen Museumsdirektor Christoph Brockhaus, aber auch auf viele "normale" Museumsbesucher. Interessant, welche Posen die einzelnen einnehmen. Einige nutzten die Aktion auch für ihre eigene Performance. Ein junges Männerpaar wollte sich beispielsweise in Düsseldorf nackt präsentieren. Andere ließen sich in der Kniebeuge scannen, andere in einer staatstragenden Geste.

Auch die Schau von Karin Sander wurde durch den diskreten Frankfurter Sammler ermöglicht. Er hat die Figurinen erworben und stellt sie sowohl dem Lehmbruck-Museum als auch dem K20 in Düsseldorf als Dauerleihgaben zur Verfügung. Die beiden Museen können die Werke im Wechsel zeigen oder auch – nach Rücksprache mit dem Sammler – an andere Museen befristet verleihen.

Karin-Sander-Ausstellung bis 23. Juni. Tony Cragg bis 25. August.

(RP/rl)