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Duisburg: Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde als Sauerland-Nachfolger?

Duisburg : Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde als Sauerland-Nachfolger?

Michael Rubinstein, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde, gilt als Oberbürgermeister-Kandidat. Er würde zur Wahl antreten, wenn er die Rückendeckung des OB-Wahl-Bündnisses bekommt.

Michael Rubinstein (39), seit rund acht Jahren hauptamtlicher Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Duisburg, Mülheim, Oberhausen, ist der erste namentliche bekannte Kandidat für die Duisburger Oberbürgermeisterwahl am 17. Juni. Redakteur Peter Klucken befragte ihn gestern zu seiner möglichen Kandidatur.

Unter welchen Umständen sind Sie bereit, als Oberbürgermeister zu kandidieren? Können Sie mit der Unterstützung des Wahl-Bündnisses rechnen?

Rubinstein Für mich ist hier in der Tat die Willensbildung und der Entscheidungsprozess in der (damaligen) Abwahlinitiative, jetzt: OB-Wahl-Bündnis, von entscheidender Bedeutung. Sollten sich die dort versammelten Parteien, Gewerkschaften und anderen Gruppen nicht auf mich, sondern auf einen anderen geeigneten Kandidaten oder eine Kandidatin einigen können, würde ich dies ohne jede Bitterkeit akzeptieren.

Zum Bündnis OB-Wahl gehören auch die Linken, die als Israel-kritisch gelten. Sie sind Geschäftsführer der jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen. Ist da ein Konflikt nicht programmiert?

Rubinstein Bekanntlich gehört die Bewertung des Nahostkonflikts nicht zu den Kernaufgaben eines Oberbürgermeisters in Deutschland. Übrigens meines Erachtens auch nicht zu den vordringlichen Themen einer Ratsfraktion. Wir haben uns hier um Duisburg zu kümmern. Es war der Vorsitzende der Linksfraktion, der kürzlich öffentlich gemahnt hatte, das vom Rat der Stadt Duisburg beschlossene NS-Dokumentationszentrum im Stadtfenster dürfe nicht dem — zweifellos vorhandenen — Sparzwang zum Opfer fallen. Da kann ich ihm nur beipflichten.

Glauben Sie, dass Sie mit den Duisburgern, die eine islamisch-geprägte Einwanderungsgeschichte haben, gut klarkommen?

Rubinstein Ich glaube nicht nur, ich weiß, dass es zwischen den Duisburger Muslimen und mir gut funktioniert. Im Rahmen der Interkulturellen Wochen, deren Federführer ich in den vergangenen sieben Jahren war, gab es eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den verschiedenen Vertretern der islamischen Gemeinden. Und was antisemitische Vorurteile betrifft: Ich habe sie in diesem Zusammenhang nie persönlich erlebt. Aber ja, es gibt freilich auch unter Muslimen judenfeindliche Stimmungen — wie auch bei anderen Teilen unserer Bevölkerung, wie eine aktuelle Studie belegt. Ich erfahre gerade insbesondere von muslimischer Seite eine große Zustimmung zu einer möglichen Kandidatur.

Der Oberbürgermeister ist Repräsentant der Stadt und Chef der Verwaltung mit rund 6000 Mitarbeitern hier in Duisburg. Was bringen Sie mit, um einer solchen Aufgabe gewachsen zu sein?

Rubinstein Nun, ich arbeite hier seit acht Jahren als Verwaltungschef einer recht großen und schnell gewachsenen Gemeinde, die mittlerweile die viertgrößte in Nordrhein-Westfalen ist. Vorher war ich als Bereichsleiter eines Tochterunternehmens der Landesbank Hessen-Thüringen tätig. Gewiss ist die Duisburger Stadtverwaltung mit etwa 6000 Mitarbeitern noch einmal ein ganz anderes Kaliber. Dennoch bringe ich sicherlich ein gewisses Maß an Erfahrung mit —möglicherweise mehr als bisherige Oberbürgermeister, die einen anderen beruflichen Werdegang hatten. Gegenwärtig arbeitet der Verwaltungsvorstand der Stadt Duisburg, wie Sie wissen, unter der Leitung des Stadtdirektors ganz ohne OB. Wenn es wirklich so kommen sollte, dass mir am 17. Juni das Amt des Oberbürgermeisters anvertraut würde, können Sie sich darauf verlassen, dass ich diese Aufgabe mit dem erforderlichen Verwaltungssachverstand an meiner Seite antreten würde. Es wird nur im Team funktionieren können.

Hier geht es zur Bilderstrecke: OB-Kandidaten in Duisburg 2017

(RP/rl/jco/top)