Duisburg: Gelungener Abend über den blondesten Hans der Welt

Duisburg: Gelungener Abend über den blondesten Hans der Welt

Er fuhr niemals zur See, und er kam nicht aus St. Pauli, sondern aus St. Georg: Im Theater gastierte jetzt der Abend "Hans Albers - sein Leben, seine Lieder" über den Schauspieler und Schlagersänger, der von 1891 bis 1960 lebte. Das Publikum saß dabei mit auf der Bühne.

Im Anfang dieses Abends war schon fast alles enthalten: Der Rum spielte auf Albers' Alkoholsucht an, das Lied "Hoppla, jetzt komm' ich" stand für sein Image und die Aussage "Ich saß als Maharadscha von Whiskypur vor meiner Villa am Starnberger See und lauschte einem Tonband mit Hamburger Hafengeräuschen" für sein Lebensende. Im UFA-Jenseits müssten er und sein Pianist jeden Abend auftreten, sagte der Bühnen-Albers zum Publikum, "aber bislang hatten wir dabei keinen sitzen".

Das ist eine sinnvolle und einleuchtende Mischung, erklärt Albers' faszinierenden Lebenslauf vom prügelnden Metzgermeister-Vater, genannt "Schöner Wilhelm", bis zum arroganten König des deutschen Films, der sich sogar gegenüber den Nazis einiges herausnehmen konnte. Den Durchbruch verdankte er einem Ratschlag seiner Lebensgefährtin Hansi Burg: "Du musst so rotzig spielen, wie du mir immer den Schönen Wilhelm vorspielst!" Dann aber machte er es für ihren Geschmack zu sehr wie sein Vater, der sich die hübschen Kundinnen über die Theke zog.

Ob das in allen Einzelheiten so stimmt, sei dahingestellt. Jedenfalls gelingt Dirk Witthuhn der schmale Grat zwischen einer Imitation von Hans Albers und einem eigenständigen Spiel. Auch die schlunzige Singweise seines Helden trifft er gut. Zwischendurch wird er zu den Kollegen Heinz Rühmann ("dieser spießige Pinscher, mit dem ich ein paar Filme gemacht habe"), Theo Lingen und Hans Moser und zu Joseph Goebbels ("Albers ist der arischste Darsteller - selbst seine Glatze ist blond"). Wolfgang Völkl ist der Musiker des Abends, wobei sich die Rollen auch wechseln und vermischen, mit diversen Instrumenten bis hin zur Tröte. Diese "Theaterreise" macht einfach Spaß, auch bei einem nicht ganz politisch korrekten Lied wie "Nic ist braun wie eine Kaffeebohne", das hier per Trommel auf die Spitze getrieben wird. Natürlich fehlt keines der ganz bekannten Hans-Albers-Lieder von "Flieger, grüß mir die Sonne" bis "La Paloma". Bei "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins" wurde sogar hier mitgeklatscht, mitgesungen und sogar mitgeschunkelt.

Die zweite Zugabe kitzelte als Duett mit zwei Ukulelen endgültig das Blödel-Potenzial aus den Liedern, es war "In Arizona und Arkansas, dort wo einst der rote Mann saß".

(hod)