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Duisburg: Geglückter Kaltstart

Duisburg : Geglückter Kaltstart

Viel Zeit zur Eingewöhnung hatte Oberbürgermeister Sören Link nicht. Die Rheinische Post nutzte die Chance zu einem ausführlichen Gespräch mit Link über seinen Start, über erste Erfahrungen und über Veränderungen.

Azubis bekommen häufig eine Einführungswoche, politische Funktionsträger die berühmten ersten 100 Tage im Amt. So viel Zeit hatte Oberbürgermeister Sören Link nicht. Am 4. Juli wurde er vereidigt — sein Dienstbeginn wurde zum Kaltstart. "Von Anfang an war mir wichtig, dass die Stadt wieder ein gutes Verhältnis zu den Hinterbliebenen der Opfer der Loveparade-Katastrophe findet", sagt Link.

Dieses Unterfangen gelang: Offenbar unter seiner Federführung wurde für die Gedenkstätte auf dem Krieger-Areal eine Lösung gefunden, mit der die Angehörigen und der Investor gleichermaßen leben können. Zudem erwies sich Links Rede zum Gedenktag als goldrichtig.

Rückhalt in der Familie

"Ich war am Vorabend der Gedenkfeier bei den Angehörigen im Hotel. Als ich die Hinterbliebenen im Stuhlkreis sah, wurde mir meine Verantwortung erst so richtig bewusst. Nach den Gesprächen, die in einer sehr guten Atmosphäre stattfanden, wurde das Manuskript meiner Rede am Tag drauf noch einmal geändert", erinnert sich der 36-Jährige.

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Der Abend und die Gedenkfeier seien für ihn mit "die emotionalsten Momente meines Lebens" gewesen. In solchen Augenblicken sei der Rückhalt durch die Familie und seine Freundin besonders wichtig. Das helfe auch, Nervosität gar nicht erst aufkommen zu lassen: "In der Nacht vor der Gedenkfeier habe ich tief und fest geschlafen."

Das Thema Loveparade wird im Rathaus spätestens dann wieder aktuell, wenn gegen einen oder mehrere städtische Mitarbeiter Anklage erhoben werden sollte. Werden die Betroffenen dann vom Dienst suspendiert oder beurlaubt? Link weiß es nicht: "Das wäre eine ganz neue Situation. Ehrlich gesagt wüsste ich im Moment noch gar nicht genau, wie in einem solchen Fall verfahren wird. Wahrscheinlich müsste die Personalabteilung erst einmal die Rechtslage prüfen."

Links Alltag hat sich seit dem Amtsantritt gewaltig geändert. "Das liegt nicht an der Menge der Arbeit, sondern an ihrer Verdichtung und in der Taktung." Morgens um 7 Uhr holt sein Fahrer ihn in Walsum ab. "Bis wir im Rathaus sind, kann ich schon E-Mails checken, die Presse durchgehen oder Akten studieren", erklärt Link.

Um 8 Uhr soll eigentlich eine tägliche Besprechung mit den Mitarbeitern des OB-Büros folgen. "Das klappt vielleicht in 70 Prozent aller Fälle. Das muss aber noch besser und zur absoluten Regel werden", gesteht er ein. Dann folgt Termin auf Termin, bevor ihn sein Fahrer am Abend wieder nach Hause bringt. Das ist meist zwischen 21 und 23 Uhr.

Weil Sören Links Charakterkopf unschwer zu verwechseln ist, wird er auch im Alltag häufig von den Duisburger erkannt und angesprochen. "Wenn ich beim Bäcker bin und Berliner kaufe, werde ich sofort etwas gefragt, und wenn ich auf der Straße bin, kommen die Menschen oft mit Anliegen oder Bitten." Das nerve ihn überhaupt nicht. "Natürlich kann ich nicht aus dem Stegreif gleich eine Lösung anbieten. Aber ich kann zuhören und im Bedarfsfall die entsprechenden Stellen in der Verwaltung informieren."

Auf die Bediensteten des Rathauses lässt er ohnehin nichts kommen: "Die leisten alle eine super Arbeit."

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(RP/rl)