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Duisburg: Gegen großes Heimweh hilft das Foto aus Granada

Duisburg : Gegen großes Heimweh hilft das Foto aus Granada

Wenn das Heimweh zu groß wird, hilft der Blick aufs Foto der Alhambra in Granada ein wenig. "Das ist mein kleines Fenster nach Hause", sagt Luis López Fortis (28) und schmunzelt. López Fortis ist Bauingenieur aus dem spanischen Granada und arbeitet seit knapp einem Jahr im Ingenieurbüro Domke an der Mannesmannstraße in Hüttenheim.

Als Erinnerung an das Zuhause hat er sich das Bild der bekannten Stadtburg aus seiner Heimatstadt über den Schreibtisch gehängt. Ein Souvenir an die Heimat, die der 28-Jährige verlassen hat, weil die dortige Jobmisere ihn zum Umzug ins Ausland gezwungen hatte. So wie ihm geht es auch anderen Bauingenieuren aus Süd- oder Osteuropa - immer mehr Ingenieurbüros in Nordrhein-Westfalen verzeichnen eine steigende Nachfrage aus dem Ausland.

López Fortis hatte in seiner Heimatstadt Bauingenieurwesen studiert, seine Visitenkarte weist ihn als "Ingeniero de Caminos, Canales y Puertos" (Ingenieur für Straßen, Kanäle und Häfen) aus. Nach seinem Hochschulabschluss hatte er zunächst für kurze Zeit in einem Büro in Sevilla gearbeitet. Da ihm der Job dort aber nicht zusagte, kam er auf die Idee, es einmal im Ausland zu versuchen. "Ich habe mich für Deutschland entschieden, weil ich den Eindruck hatte, dass die Situation für Bauingenieure dort besser ist", erzählt er. In Spanien sei die Arbeitslosigkeit gerade unter jungen Leuten besonders hoch. "Da sind mehr als 50 Prozent ohne Job, viele gehen ins Ausland - oft nach Südamerika, weil sie dort die Sprache sprechen."

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Dass López Fortis nach Deutschland umzog, obwohl er erst noch die Sprache lernen musste, liegt an seinem Großonkel. Der hatte aus der Assistentenzeit Beziehungen zu dem Beratenden Ingenieur Prof. Dr. Michael Fastabend, der Partner in dem Duisburger Ingenieurbüro ist. "Luis hat sich dann bei uns beworben, ohne seinen Großonkel zu erwähnen. Er wollte als eigene Persönlichkeit anerkannt werden", erzählt Fastabend, der auch Vorstandsmitglied der Ingenieurkammer-Bau NRW ist. Erst bei dem Vorstellungsgespräch wurde bekannt, dass sein Großonkel mit dem Chef in spe gemeinsam als Assistent an der Uni Essen gearbeitet hatte.

Seit dem 1. Juni 2013 arbeitet der 28-Jährige jetzt in Duisburg - zuvor hatte er noch Sprachkurse in Spanien und Deutschland absolviert und einen Deutsch-Test für Zuwanderer mit 160 von 165 möglichen Punkten abgelegt. In dem Ingenieurbüro ist er vor allem für die Berechnung der Tragwerke und die Analyse der Standsicherheit am Computer zuständig. Er betreut unter anderem Projekte zum Bau eines Bürogebäudes in Mönchengladbach und von Shopping-Centern in Rheine und Neumünster. Bei Kontakten zu Auftraggebern aus Spanien wird seine Sprachkompetenz genutzt. Michael Fastabend ist von der Arbeit des jungen Spaniers sehr angetan. "Luis hat sich sehr schnell integriert", erzählt er. Das Studium in Spanien sei zwar breiter ausgerichtet als in Deutschland, grundsätzlich biete es aber "eine gute Basis, um auch hierzulande als Bauingenieur zu arbeiten. Der Sprung in die Praxis kann aber schwierig sein", erklärt Fastabend. Vornehmliches Betätigungsfeld für López Fortis war und ist deshalb zunächst die Berechnung der Standsicherheit am Computer. Die Kontakte zu deutschen Kunden können dann später intensiviert werden.

Die Anwerbung ausländischer Ingenieure ist mittlerweile ein Weg, um dem Ingenieurmangel zumindest etwas entgegenzuwirken. Laut dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie fehlen pro Jahr etwa 1000 bis 2000 Ingenieure im Bauwesen, da die Zahl der Hochschulabsolventen den Bedarf nicht mehr deckt.

(RP)