Duisburg: Gabriel findet offene Worte beim Bürger-Dialog

Duisburg : Gabriel findet offene Worte beim Bürger-Dialog

Den größten Applaus bekommt Sigmar Gabriel, als er eine Duisburger Rentnerin einlädt, ihn eine Woche zu begleiten. Zuvor hatte die resolute Dame die ihrer Meinung nach zu hohen Gehälter von Beamten und Politikern gerügt.

"Die Flotte mit den riesendicken Autos dahinten — die gehört doch den Politikern. Muss das denn wirklich sein?", fragt sie. Der Bundesvorsitzende der SPD zeigt, dass er den Dialog mit dem Publikum beherrscht. Bei seinem Besuch in Duisburg im Rahmen der "Sigmar Gabriel im Gespräch"- Tour haben sich einige Hundert Menschen auf dem König-Heinrich-Platz versammelt — viele Sozialdemokraten aus den Duisburger Ortsvereinen, aber auch Neugierige. Sie erleben mit, dass der Abend dann am spannendsten ist, wenn das politische Schwergewicht aus Niedersachsen in den direkten Dialog treten kann. Und es sind die offenen Worte, die am besten ankommen — auch wenn die Antwort vielen vielleicht gar nicht gefällt. So verteidigt Gabriel die Höhe seines Gehalts. "Ein Teil davon ist Dreckszulage", meint er. Und auch den Dienstwagen, den brauche er so und nicht anders. "Das ist mein Büro", sagt er. Das gilt im Moment sicher ganz besonders, denn der SPD-Chef tingelt im Rahmen seiner Dialog-Tour zurzeit durch ganz Deutschland. "Begleiten Sie mich eine Woche lang — und dann werden sie nach 70, 80 Stunden Arbeit merken, dass es ohne so ein Auto gar nicht geht."

Auch die Probleme mit der Zuwanderung aus Südosteuropa spricht er offen an, nachdem ihn Duisburgs SPD-Chef Ralf Jäger schon dafür gelobt hatte, dass Gabriel sich in Duisburg darüber schon vor Ort umgesehen hatte. Natürlich klatschen die Zuhörer, als der SPD-Boss die Rotlichtgröße kritisiert, der das Haus in Bergheim gehört: "Hier wird mit dem Elend der Menschen noch Geschäft gemacht." Man müsse darauf achten, dass "die Nachbarschaften nicht auseinanderfliegen", so Gabriel. Er moniert aber auch, wenn Zuwanderer wie in Duisburg nicht mehr "mit mitteleuropäischen Umgangsformen" lebten. "Das muss man offen ansprechen dürfen. Das hat auch nichts mit Ausländerfeindlichkeit zu tun", so Gabriel wörtlich. Schulbildung für die Kinder und Unterstützung von Bund und EU stünden oben an, wenn man hier nach Lösungen suche. Es wird auch über Themen wie Mindestlohn, Bildung, Pflege, U3-Betreuung, Sicherheitspolitik und Wirtschaft gesprochen. So recht will der Funke dabei aber nicht überspringen.

Einen guten Rat hat am Dienstagabend noch der scheidende Bundestagsabgeordnete Johannes Pflug für seinen möglichen Nachfolger Mahmut Özdemir parat: "Du solltest nicht alles glauben, was die Bundesregierung sagt — selbst wenn wir sie demnächst stellen sollten."

(mtm)
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