1. NRW
  2. Städte
  3. Duisburg

Kinder aus Problemhaus in Duisburg: Für jedes Kind gibt es einen Schulplatz

Kinder aus Problemhaus in Duisburg : Für jedes Kind gibt es einen Schulplatz

Die Situation für Kinder von Zuwanderern aus Südosteuropa hat sich deutlich verbessert: Für ihren Schulbesuch gibt es keine Wartelisten mehr.

Gute Nachrichten hatte am Dienstag Thomas Krützberg für die Sitzung des Schulausschusses mitgebracht. "Wir haben für alle Kinder einen Platz und auch genügend Lehrer für sie", sagte der Dezernent für Schule, Jugend und Kultur. Dank eines "gewaltigen Schulterschlusses" von Land, Bezirksregierung, Stadt und Schulaufsicht sei dies möglich geworden, so Krützberg. Noch vor einigen Monaten hatten rund 300 Kinder aus Rumänien und Bulgarien auf einer Warteliste gestanden. Sogar rund 1000 Kinder warteten zu Jahresbeginn auf ihre Schuleingangsuntersuchungen. Hier gibt es noch immer eine Warteschleife, allerdings ist die Liste deutlich kürzer geworden. Die Stellenzahl der Lehrer in den Vorbereitungsklassen für Zuwandererkinder wurde von 128 auf 179 erhöht. "Der unerträgliche Zustand mit der Warteliste ist abgebaut, weil wir die nötigen Unterstützungsmaßnahmen bekommen haben. Das ist auch dem politischen Druck der Stadtspitze in Duisburg zu verdanken", so der Dezernent.

Kinder aus Problemhaus in Duisburg: Für jedes Kind gibt es einen Schulplatz
Foto: hohl

Krützberg fand lobende Worte dafür, dass sich immer mehr Schulen stadtweit bereitfänden, entsprechende Klassen bei sich einzurichten. "Natürlich werden einige Eltern von Zuwanderern, die wir angeschrieben haben, die Schreiben nicht verstanden, gelesen oder Ernst genommen haben", sagte der Dezernent. Hier werde nachgearbeitet. Auf Dauer sollen Kinder von Zuwanderern, die nicht zur Schule gehen, genau so behandelt werden wie alle anderen Kinder, die nicht zur Schule gehen. Ob die vorhandenen Kapazitäten an Klassen und Lehrern noch ausreichen, wenn die volle Freizügigkeit für Rumänen und Bulgaren zum Jahresbeginn 2014 in Kraft tritt, bleibe abzuwarten. "Dann kann es noch mal eng werden. Da sind sicher noch ganz gewaltige Aufgaben zu stemmen", meinte Krützberg.

  • Problemhaus in Duisburg : Nachbarn bezweifeln Sinn der Kontrolle
  • Kundgebung am "Problemhaus" : Bündnis ruft zu Widerstand gegen Rechtspopulisten auf
  • Fotos : Das Ordnungsamt im Einsatz am Problemhaus

Die Arbeit der Lehrer in den Vorbereitungsklassen sei nicht einfach. Als "spannend, aber auch anstrengend" schilderte Barbara Laakmann, frühere Schulleiterin der Alfred-Hitz-Schule in Bergheim, den Unterricht. Krützberg verwies darauf, dass viele Kinder Analphabeten seien beziehungsweise unser Buchstabensystem überhaupt nicht kennen. Zum Teil werde mit 15 Kindern in einer Klasse gearbeitet, von denen jedes einen eigenen Lehrplan bekommen habe.

Elisabeth Pater, Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums Duisburg erklärte, dass nicht alle Mittel für Integrationsmaßnahmen ausgeschöpft worden seien, die die Stadt zusätzlich im Haushalt zur Verfügung gestellt hatte. Die Restmittel würden schnellstmöglich in neue Maßnahmen gesteckt. Dabei ging es unter anderem auch um sogenannte "Schulersatzlösungen". 100 Zuwandererkinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren erhielten dort im vergangenen Schuljahr täglich drei Unterrichtsstunden.

Außerdem zählten zu den Projekten Gesundheitsvorsorge wie Impfungen, Sprachkurse oder berufsvorbereitende Maßnahmen. Rund 400 Kinder und Jugendliche aus Zuwandererfamilien bekamen durch das Gesundheitsamt eine Grundimmunisierung.

Mustafa Arslan (Grüne) forderte eine bessere "Willkommenskultur" in Duisburg und forderte ein Bildungs- und Begrüßungspaket für neu gekommene Zuwanderer. Auch die Schulmaterialkammern müssten darauf eingerichtet sein. Heiko Blumenthal, schulpolitischer Sprecher der SPD, sagte: "Wir ziehen uns hier am eigenen Schopf aus dem Sumpf. Wir hätten eigentlich mehr Hilfe vom Bund erwartet." In diesem Zusammenhang erinnerte Ercan Idik (SPD) daran, dass die Stadt Dortmund aus genau diesem Grund den Bund verklagt habe.

(RP)