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Duisburg: Für den Handel lohnt sich der WSV

Duisburg : Für den Handel lohnt sich der WSV

Offiziell gibt es den Winterschlussverkauf gar nicht mehr. Dennoch reduzieren die Händler im Januar noch einmal deutlich ihre Preise. Der einstige Ansturm der Kunden zum Beginn des WSV bleibt allerdings aus.

Denkt man an den Winterschlussverkauf (WSV), hat man volle Läden, Wühltische und Preisnachlässe bis zu 70 Prozent vor Augen. Am vergangenen Montag haben die Textil- und Einzelhandelsverbände den diesjährigen Preiskampf offiziell eingeläutet. Die RP hat sich am Wochenende in der Innenstadt umgesehen, wie es in diesem Jahr um den Andrang bestellt ist, und ob man wirklich so große Schnäppchen machen kann, wie die roten Sale-Schilder versprechen.

Am Samstagmittag hielt sich das Kaufinteresse in Grenzen. Die Geschäfte im Forum waren zwar nicht leer, aber auch nicht voller, als an "normalen" Samstagen. Selbst rund um die Angebotstische, meist in Sichtweite des Geschäftseinganges gelegen, war kein erhöhtes Kundenaufkommen festzustellen. Auf Nachfrage bei der Kundschaft, woran das liegen könnte, bekam man recht eindeutige Antworten. Sabrina Rakers zum Beispiel war sich sicher, dass es zu diesem Zeitpunkt schon keine wirklichen Schnäppchen mehr gibt. "Wenn die Geschäfte den Winterschlussverkauf offiziell ankündigen, ist doch sowieso schon alles gelaufen und die wollen nur noch ihre Reste loswerden", so die 23-Jährige. "Schnäppchen in normalen Größen gibt es kaum. Alles was um 70 Prozent reduziert ist, ist entweder viel zu groß, oder viel zu klein. Wenn doch einmal etwas Passendes dabei ist, sieht es so schrecklich aus, dass es keiner anziehen will. Ich glaube nicht mehr an den WSV."

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"Ich kaufe sowieso nur, wenn ich etwas brauche"

Auch Judith Müller konnte die Aufregung um die Schnäppchenjagd nicht nachvollziehen. "Ich kaufe sowieso nur, wenn ich etwas brauche", sagte sie. "Wieso sollte ich mir jetzt noch Winterkleidung kaufen, wo doch jetzt der Frühling vor der Tür steht? Dieser Schlussverkauf ist doch sowieso nur Augenwischerei. Um da was Vernünftiges zu finden, braucht man jede Menge Glück."

Dass aber nicht jeder Kunde so negativ über die Rabattaktion denkt, wird an der Bilanz des Einzelhandels- und Dienstleistungsverbandes Nordrhein deutlich. "Nach einer Woche offiziellem WSV sind wir sehr zufrieden", so Wilhelm Bommann, Geschäftsführer der Vereinigung. Natürlich müsse man gewisse Abstriche machen, weil es den staatlich vorgegebenen Schlussverkauf schon seit 2004 nicht mehr gebe, aber lohnenswert sei die Aktion für den Handel trotzdem. "Der Unterschied zu früher besteht darin, dass die Geschäfte jetzt selbst entscheiden können, wann sie ihre Rabattaktion beginnen möchten", erklärte er, "deshalb hat es in diesem Jahr schon vor Weihnachten erste Reduzierungen gegeben. Da ist es kein Wunder, dass die Kunden nicht mehr so geballt die Läden stürmen wie früher, vor allem, weil es die Kleidung zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr in allen Größen und Farben gibt."

Der offizielle WSV-Starttermin werde mittlerweile von den Textilverbänden ausgeben, die den Geschäften damit deutlich machen wollen, dass die Frühjahrskollektion kurz vor der Vollendung steht. Dass es ab diesem Zeitpunkt weitere Reduzierungen gibt, läge bloß daran, dass sie ihre Lagerflächen für die neue Kollektion räumen müssen.

(RP/jco)