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Duisburg: Für 70 000 Euro schneller ins Internet

Duisburg : Für 70 000 Euro schneller ins Internet

Vertreter der Telekom kamen zu einer Infoveranstaltung zur Breitbandversorgung im Angerbogen. Eine schnelle Lösung aber wird es wohl nicht geben. Die etwa 200 Anwohner müssten sich mit 70 000 Euro beteiligen.

Die Unzufriedenheit der Internetnutzer des Neubaugebietes am Angerbogen war spürbar. Patrick Staczan und Martin Rippberger, selbst Betroffene, hatten die Huckinger Neu-Bürger eingeladen, um sich von Telekom-Vertriebsleiter Frank Neiling und seinem Kollegen Hans-Willi Baumanns, Fachmann für die technische Infrastruktur, über den Stand der Dinge in Sachen zeitgemäßer Breitbandversorgung für ihr Wohngebiet aufklären zu lassen.

Im Vergleich zu dem älteren, sich nördlich anschließenden Wohngebiet, das flächendeckend mit "VDSL 50" gut angebunden ist, ist laut Telekom der Neue Angerbogen nur mit "DSL 16" versorgt. Aber auch die damit verbundene bedeutend langsamere Übertragungsgeschwindigkeit wird nach Aussage Staczans, der die Rückmeldungen aus der Nachbarschaft ausgewertet hat, bei weitem nicht erreicht.

Telekom-Mitarbeiter Frank Neiling erläuterte den Anwesenden den netztechnischen Ist-Zustand des Neubaugebiets. Zwei Verteilerschränke in Höhe des südlichen und nördlichen Verteilerkreises der benachbarten Düsseldorfer Landstraße sorgen für die Netzanbindung der Siedlung mit rund 200 Haushalten. Der Vertriebsleiter machte deutlich, dass die Netz-Geschwindigkeit von der Art der Verkabelung ("es gibt keinen Glasfaserkabel-Anschluss") und vom Abstand der einzelnen Haushalte zum jeweiligen Verteilerkasten abhängig ist, so dass es in Abhängigkeit von der Entfernung durchaus zu unterschiedlichen Datengeschwindigkeiten kommt.

Abhilfe könnte die Umrüstung des Kabelnetzes bringen. Frank Neiling hat entsprechende Wirtschaftlichkeitsberechnungen vorgenommen und festgestellt, dass unter Berücksichtigung aller relevanten Komponenten eine Deckungslücke von 70 000 Euro bleibt. Aus diesem Grund rechne sich die Umrüstungsmaßnahme für die Telekom einfach nicht, so Neiling, das sei "einfach unwirtschaftlich".

Im Klartext bedeutet das nun für die an einer schnelleren Versorgung Interessierten, diesen Betrag selbst aufzubringen, um in den Genuss des "schnellen Internets" zu kommen. Auch wenn Patrick Staczan bereits Kontakt zum Bürgerverein aufgenommen hat, der auch seine Bereitschaft signalisiert hat, die Neu-Huckinger in dieser Richtung zu unterstützen, scheint dieses auch bei derzeit 70 Interessenten noch ein Unterfangen mit vielen Unbekannten zu sein. Hoffnung auf eine Lösung wie in Serm, als Anwohner selbst eine ausreichende Anzahl von Verträgen zusammenbrachten und dort "VDSL" realisiert werden konnte, musste Neiling eine Absage erteilen. "Dort hatten wir eine ganz andere Netz-Infrastruktur." Die Organisatoren des Informationsabends hatten auch die Landtagsabgeordnete Sarah Philipp eingeladen, um Auskunft über etwaige Fördermittel zu erhalten, aber auch, um auf politischer Ebene Unterstützung für ihr Anliegen zu bekommen.

Die Duisburger Landtagsabgeordnete informierte die Anwesenden über das von der Landesregierung beabsichtigte Ziel, bis zum Jahre 2018 flächendeckend den "50 Mbit"-Ausbau zum Standard zu machen. Damit seien Wirtschafts- und Finanzministerium sowie die Netzanbieter seit einiger Zeit im Gespräch. Auch wenn die bekannten Fördertöpfe bezüglich der Breitbandversorgung nicht "greifen", da der Angerbogen aus landesplanerischer Sicht nicht zum "ländlichen Raum" gehört, sagte die SPD-Landtagsabgeordnete zu, sich in der Frage weiter zu informieren.

Konkret war ihr Angebot, sich darum zu kümmern, die Stadt als "Treuhand-Stelle" für die an einem schnellen Internet interessierten zahlungswilligen Angerbogen-Anwohner einzubinden. Auch wenn man keine andere befriedigende Lösung "aus dem Hut zaubern könne", sei das eine Möglichkeit, die "die Sache bedeutend vereinfachen könnte".

(pol)