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Duisburg: Fünf Bände zu Gerhard Mercator

Duisburg : Fünf Bände zu Gerhard Mercator

Friedrich Wilhelm Krücken, langjähriger Oberstudiendirektor des Duisburger Mercator-Gymnasiums, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Gerhard Mercator, dessen 500. Geburtstag am 5. März 2012 gefeiert wird. Jetzt bringt Krücken seine wichtigsten Publikationen als Buchpaket heraus.

Von 1957 bis 1993 war Friedrich-Wilhelm Krücken Philosophie-, Mathematik- und Physiklehrer am Duisburger Mercator-Gymnasium, dessen Oberstudiendirektor er schließlich wurde. Und seit 1957 beschäftigt sich Krücken mit Gerhard Mercator (1512 bis 1594), über den er im Laufe der Jahre zahlreiche Aufsätze schrieb, die in der Fachwelt auf große Beachtung stießen, weil sie die Mercator-Forschung vorantrieben. Jetzt hat Krücken (82), nach wie vor überaus vital, seine wichtigsten Publikationen als Buchpaket mit fünf Bänden herausgebracht. Anlass für die Herausgabe der Bände ist das bevorstehende Mercator-Jahr: Am 5. März 2012 jährt sich der Geburtstag Mercators zum 500. Mal. Hier ein Überblick über die Bände:

 F. W. Krücken forscht seit 54 Jahren zu Mercator.
F. W. Krücken forscht seit 54 Jahren zu Mercator. Foto: privat

Band I ist der kartografischen Großtat Mercators und ihrer methodischen Rekonstruktion gewidmet: der Karte Ad usum navigantium aus dem Jahre 1569. Mit der "abschließenden" Erörterung der Sonnenkompasdeckelkarten des Erhard Etzlaub legt der Autor den Nachweis vor, dass diese keinesfalls als "Karten Vergrößerter Breiten" im Sinne der Karte Ad usum navigantium beurteilt werden können. In der Diskussion mit der "Loxodromie" von Raymond D'Hollander (2005) werden – bislang unbekannte – Beziehungen zwischen den Fakten der Karte Ad usum navigantium (Baseler Exemplar) und der 130 Jahre späteren Theorie der Loxodromie beleuchtet.

Rätsel Mercator-Karte gelöst

Krücken möchte gleichzeitig nachweisen, dass die von R. D'Hollander in der "Loxodromie" geübte Kritik an seinem Rekonstruktionsvorschlag fehlgeht, sodass der Autor weiterhin die Auffassung vertritt, dass mit seinem Rekonstruktionsvorschlag das "Rätsel der Mercator-Karte" mit hoher Wahrscheinlichkeit als aufgelöst betrachtet werden kann.

Im II. Band bespricht der Autor zum ersten Mal die Editionsgeschichte der Doppelhemisphären-Weltkarte des Rumold Mercator aus dem Jahre 1587 und untersucht ihre wissenschaftstheoretischen wie -historischen Bezüge zur winkel- und kreistreuen (stereografischen) Hipparch-Projektion: Gerhard Mercator erweist sich dabei als der einzige "wereldbeschrijver" des 16. Jahrhunderts, der - entgegen der desavouierenden Auffassung des "Kartografie-Gurus" John Parr Snyder aus dem Jahre 1997 - die konstruktive Praxis beider konformen Abbildungsarten, der stereo–grafischen wie der loxodromischen nicht nur vollkommen be–herrschte, sondern auch vollendet praktiziert hat.

Band III erörtert das astronomisch-astrologischen Wissen Mercators, rekonstruiert seine "mathematischen" Gerätschaften anhand der "declaratio"– adressiert an Kaiser Karl V. – aus dem Jahre 1554 und widerlegt die These Joseph Needhams, die Astronomie des 10./11. Jahrhunderts in China habe die Methode der Karte der Vergrößerten Breiten aus dem Jahre 1569 vorweggenommen.

Band IV widmet sich ganz den theologisch-kosmografischen Meditationen Gerhard Mercators. Der Autor bespricht die Auffassung Mercators von der Unsterblichkeit der menschlichen Seele, Mercators These von der Evolution aus dem IM ANFANG (schuf Gott Himmel und Erde) und überträgt u. a. die Briefe der Dres Solenander und Sinstedius "zum Lobe des Atlas" tomus I = cosmographicae meditationes aus dem ATLAS 1595 ins Deutsche.

Band V hat Friedrich Wilhelm als Begleitbuch zum Faksimile der Karte "Ad usum navigantium" konzipiert. Der Band enthält u. a. eine kurze Lebensbeschreibung Gerhard Mercators sowie die Legenden der Karte auf Lateinisch und Deutsch.

(RP)