Duisburg: Frust auf die Parteien ist groß

Duisburg: Frust auf die Parteien ist groß

Für Sören Link (SPD) und Benno Lensdorf (CDU) geht der Wahlkampf weiter. Wen werden die ausgeschiedenen Bewerber und anderen Parteien nun unterstützen?

Als "Neuanfang in Fortführung des Alten" bezeichnete Holger Ellerbrock, FDP-Landtagsabgeordneter und Kreisvorsitzender der Liberalen in Duisburg, das Wahlergebnis vom Sonntag. Ob sich die FDP nun eher für den Sozialdemokraten Link oder den Kandidaten der CDU ausspricht, ist noch offen.

"Das werden wir im Kreisvorstand diskutieren. Ich habe da noch keine Tendenz", sagte FDP-Fraktionschef Wilhelm Bies gestern. Mit einer Einschränkung: "Allerdings hätte ich schon Schwierigkeiten zu erklären, warum die Leute nun Lensdorf wählen sollten." Schließlich gehörte Bies mit zum Abwahl-Bündnis, und Lensdorf wird von vielen eine zu große Nähe zu Adolf Sauerland unterstellt.

Das sieht auch Theo Steegmann von der Bürgerinitiative so. "Lensdorf ist für uns nicht wählbar. Er ist ein treuer Vasall Sauerlands und hat keine Distanz zu Sauerlands Verhalten nach der Loveparade erkennen lassen." Der propagierte "Neuanfang" sei noch zu retten, so Steegmann. "Wenn Sören Link den von ihm angekündigten neuen Stil einhält, wird er den kritisch-konstruktiven Dialog mit uns suchen." Die Menschen kämen mit ihren Problemen eher zu Vertretern der Bürgerinitiative als zu denen der etablierten Parteien. "Der Frust auf die Parteien ist groß, das zeigt auch die niedrige Wahlbeteiligung. Viele Duisburger sind gegen das Factory Outlet Center und gegen das Krieger-Möbelhaus. Das Thema Dezernentenbesetzung ist uns in Gesprächen ganz oft genannt worden. Diese Stellen sollten nach Kompetenz besetzt werden und nicht nach Parteibuch." Mit einem neuen Oberbürgermeister Sören Link werde man über all diese Themen sprechen.

Angesichts der rot-rot-grünen Ratskooperation ist es naheliegend, dass Linke und Grüne ebenfalls eine Wahlempfehlung für Link aussprechen. Heute wollen die Grünen in Partei und Fraktion darüber beraten. "Das machen wir in aller Ruhr. Es gibt jedenfalls keinen Automatismus für Sören Link", sagte Ingrid Fitzek. Die grüne OB-Kandidatin, mit 5,7 Prozent der Stimmen Vierte bei der Wahl, wollte sich noch nicht endgültig festlegen. Alles andere als eine Festlegung ihrer Partei auf Sören Link wäre aber eine große Überraschung.

Anders ist es mit den vielen unabhängigen Kandidaten. Sie haben ihre Parteilosigkeit und Bürgernähe zum Prinzip gemacht und wären daher unglaubwürdig, wenn sie sich nun für einen der beiden Bewerber zur Stichwahl aussprechen würden.

(RP/rl)
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