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Duisburg: Früher Lehrerin, jetzt Autorin

Duisburg : Früher Lehrerin, jetzt Autorin

36 Jahre lang war Renate Habets Lehrerin. 1945 wurde sie im Westerwald geboren, studierte in Köln Germanistik und Geschichte und lebt seit 1970, mit Beginn ihrer Referendarzeit, in Duisburg. Zuletzt war Renate Habets stellvertretende Schulleiterin am Marxloher Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium. 2006 wurde sie pensioniert. Ein Jahr darauf veröffentlichte sie ihren ersten autobiografischen Roman "Ich will Erzbischof werden". Nun legt sie ihren zweiten Roman vor: "Thea". Mit Renate Habets sprach Redakteur Peter Klucken.

Ihren ersten autobiografischen Roman "Ich will Erzbischof werden" veröffentlichten Sie im Jahr 2007, ein Jahr nach Ihrer Pensionierung. Bestimmt haben Sie aber schon viel früher mit dem Schreiben begonnen.

Renate Habets Nein, habe ich nicht. Zumindest nicht mit dem fiktionalen Schreiben, Gutachten habe ich natürlich aus beruflichen Gründen schreiben müssen.

Das ist höchst ungewöhnlich. Normalerweise ist vor einer Erstveröffentlichung eines nicht mehr ganz jungen Autors die Schublade voll. Wie kamen Sie erst – pardon – so spät zum Schreiben?

Renate Habets Schule war mein Leben. Da gab es außerhalb des beruflichen Umfeldes keinen Raum für Kreativität. Ich hatte während meiner Zeit am Gymnasium und in der Referendarausbildung auch nicht das Gefühl, dass ich diesen Raum besaß und brauchte.

Kamen Sie zum Romane-Schreiben durch das Schock-Erlebnis der Pensionierung?

Renate Habets (Lacht.) In gewisser Weise ja. Allerdings war die Pensionierung auch eine Befreiung. Ich war so eine, von der die anderen sagten: "Wenn die pensioniert wird, ist es aus." Die Pensionierung war ein Umbruch. Der aber auch Chancen bot. Ich bin immer gerne Lehrerin gewesen, aber mit meiner Pensionierung habe ich dieses Kapitel bewusst abgeschlossen und gewissermaßen ein neues Leben begonnen.

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Sie müssen schnell mit diesem neuen Leben begonnen haben, denn der erste Roman kam schon ein Jahr nach der Pensionierung heraus ...

Renate Habets Anderthalb Jahre. Ist aber auch egal. Ich habe übrigens einen Tag nach meiner Pensionierung aus meinem Arbeitszimmer ein Atelier zum Malen gemacht. Das Schreiben kam kurze Zeit später. Der Umschlag des "Thea"-Romans zeigt übrigens eines meiner Gemälde.

In Ihrem ersten Roman "Ich will Erzbischof werden" verarbeiten Sie autobiografisch, aber doch in der dritten Person, Ihr eigenes Leben. Der Titel Ihres neuen Romans ist nur der Name "Thea". Wie könnte der Untertitel heißen?

Renate Habets Es könnte zwei Untertitel geben, weil es in "Thea" zwei Erzählebenen gibt: Der erste wäre "Die Kraft der Erinnerung"; der andere: "Geschichte eines Mädchens, das sich für die Familie opfern musste".

In Ihrem Roman schaut sich Thea an ihrem 88. Geburtstag Familienfotos an. Aus dieser Gegenwart, genau genommen aus dem Jahr 2007, blenden Sie in Theas Geburtsjahr zurück und dann noch einmal ins Jahr 1905, als sich Theas Eltern zum ersten Mal begegneten. Im weiteren Verlauf schildern Sie die wachsende Familie, die aus fünf Söhnen und eben Thea besteht. Der Roman endet mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Die Nachkriegszeit schildern Sie in einer Art Epilog. Wie kamen Sie zu diesem Stoff und dieser Romanstruktur?

Renate Habets Die Widmung im Roman heißt: "Für Tante Hanni, die mir ihre Geschichte schenkte". Diese Tante, die im vergangenen Jahr im Alter von 90 Jahren starb, hatte noch das Manuskript gekannt. Ich wollte ihre und die Geschichte ihrer fünf Brüder zunächst chronologisch erzählen; entschied mich dann aber spontan, mit dem 88. Geburtstag, der Gegenwart im Roman, zu beginnen. So konnte ich die Schilderung der Zeit von 1905 bis 1938 mit den Reflexionen der 88-jährigen Titelfigur verbinden.

"Thea" ist nicht im Selbstverlag erschienen, vielmehr mussten Sie einen Verleger überzeugen, das Buch zu veröffentlichen. Auch ich habe mich gerne in Ihren Roman vertieft. Wie wichtig war beim Schreiben Ihr Studium und Ihr Beruf als Lehrerin?

Renate Habets Das Geschichtsstudium war sicher wichtig; die Zeit, in der der Roman spielt, habe ich sorgfältig und mit Freude recherchiert. Und wenn zum Lehrerdasein gehört, gerne Geschichte zu erzählen, dann passt auch das.

(RP)