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Duisburg: Friedrich Schiller als "echt cooler Typ" im Kom'ma-Theater

Duisburg : Friedrich Schiller als "echt cooler Typ" im Kom'ma-Theater

Alle dramatischen Werke Schillers hintereinander in etwas mehr als zwei Stunden – das gab's jetzt in einer sehenswerten Boulevard-Komödie.

Über 40 Stunden würde es dauern, das knappe Dutzend aller von Friedrich Schiller geschriebenen dramatischen Werke hintereinander aufzuführen. Hilmi Sözer, Uwe Frisch-Niewöhner sowie die Gebrüder Beckmann, Till und Nils, brauchen im "Komma"-Theater in Rheinhausen dafür aber nur etwas mehr als zwei Stunden. Und "das spart Zeit, das spart Geld", heißt es gleich zu Beginn der Aufführung das Publikum richtungsweisend auf Amüsement einstellend. Seit der Premiere am Freitagabend steht die rasante Boulevardkomödie "Schillers sämtliche Werke... leicht gekürzt" von Michael Ehnert auf dem Programm der neuen Theaterreihe "Kom'ma am Abend" (die RP berichtete vorab).

Nach "Shakespears sämtlichen Werken" und der "Bibel leicht gekürzt", gibt es nun auch eine Zeitrafferversion (fast) aller Schiller-Dramen. Hilmi Sözer, vielen bekannt aus den Kinofilmen "Voll Normal" und "Ballermann 6", aber auch aus der Zeit seines Engagements unter Karin Beier im Kölner Schauspiel, hat bereits in der Uraufführung 2009 anlässlich des 250. Geburtstages des Dichters am Hamburger Altonaer Theater mitgespielt. Nun hat er das Stück nach Rheinhausen zu seinen (ehemaligen) Kollegen vom "ReibeKuchenTheater" mitgebracht – und mit der Textvorlage zugleich auch das Bühnenbild der Hamburger Inszenierung: Ein großer Tisch, der an einer Seite aufgeklappt, ein elektrisches Piano freigibt, an dem sich im Verlauf der Aufführung Frisch-Niewöhner musikalisch zu schaffen macht. Seine Interpretation von "Freude schöner Götterfunken" im Kontext zum starken Hitler-Auftritt Sözers, war eine große Hör-Freude.

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Schon der erste Auftritt der "Schillerbande" macht aber klar, was Sache und Ausdruck des Stückes ist: "Friedrich Schiller war ein cooler Typ. Der geht einfach hin und macht Aufklärung." Schiller als ein junger Wilder, stürmender Aufklärer und furchtloser Revolutionär, doch arm wie eine Kirchenmaus. Till Beckmann mimt den Weltenbürger überwiegend, manchmal aber auch Frisch-Niewöhner. Seine Inhaltswiedergabe des Trauerspiels "Die Verschwörung des Fiesco zu Genua" auf schwäbisch – Schiller war nämlich 1759 in Marbach am Neckar geboren und 1805 in Weimar gestorben – wird zu einem kleinen Kabinettstückchen. Bei der Vorstellung der Personage des Stückes kommt Sözer mit dem Zählen der Figuren nicht mehr mit. Und so war es nicht verwunderlich, dass Schillers " Fiesco" zu dessen Lebzeiten zu einem Fiasko wurde – wenn auch aus anderen Gründen.

Doch nicht nur die auf Personenzetteln der Stücke stehenden Figuren, ob Amalia und Karl Moor aus den "Räubern" oder Luise und Ferdinand aus "Kabale und Liebe" oder aus Don Carlos, Maria Stuart, Wallenstein und Wilhelm Tell traten werkerzählend auf, sondern auch Karl Moik, Walter Ulbricht, der Pate aus dem gleichnamigen Kinofilm und Adolf Hitler.

Wichtigstes Requisit der Inszenierung sind die Reclam-Ausgaben der Stücke. Das könnte vielleicht bei Lehrern und deren Schülern Interesse an der kurzweiligen, rasant vorgebrachten Boulevardkomödie hervorrufen, als willkommene Abwechslung zum pädagogisch sinnentnehmenden Lesen der Schillerschen Werke.

(or)