Duisburg: Friedliche Proteste am Problemhaus

Duisburg : Friedliche Proteste am Problemhaus

20 Rechtsextremen traten am Donnerstag am Hochhaus In den Peschen in Bergheim rund 900 Gegendemonstranten entgegen. 400 Polizisten waren im Einsatz. Oberbürgermeister Sören Link forderte Unterstützung von Land, Bund und EU.

Etwa 900 Menschen haben Donnerstagnachmittag In den Peschen in Bergheim gegen einen Auftritt der rechtspopulistischen Bewegung "Pro Deutschland" demonstriert und sich mit den Sinti und Roma aus dem Hochhaus solidarisiert. Die Polizei war mit rund 400 Einsatzkräften vor Ort, um die gegnerischen Gruppen voneinander zu trennen und eine mögliche Eskalation zu verhindern.

Aufgerufen zu der Gegendemonstration hatten das Bündnis für Toleranz und Zivilcourage sowie der Deutsche Gewerkschaftsbund. Dessen Vorsitzende Angelika Wagner forderte die Gegendemonstranten auf, "laut zu sein, damit die Rechten kein Gehör finden". Und das war dann auch der Fall: Die Parolen der mit einem Kleinbus angereisten Rechtsextremisten, für die ein kleines Areal 150 Meter vom Hochhaus entfernt abgesteckt worden war, gingen in lauten "Nazis raus"-Rufen und Pfeifkonzerten unter.

Viel politische Prominenz war in Bergheim vertreten, unter anderem Alt-Oberbürgermeister Josef Krings, Rheinhausens Bezirksbürgermeister Winfried Boeckhorst, Landtagsabgeordneter Rainer Bischoff, Bundestagsabgeordnete Bärbel Bas, Staatssekretärin Zülfiye Kaykin und NRW-Innenminister Ralf Jäger. Der betonte allerdings, dass er als Privatperson und Duisburger Bürger an der Veranstaltung teilnehme.

Und so lief er mit seinen Personenschützern auch durch die Menge und unterhielt sich mit Anwohnern und Gegendemonstranten. Jäger versicherte wiederholt, dass er per Gesetz gegen die Überbelegung vermieteter Wohnungen aktiv werden wolle. Man müsse dagegen vorgehen, dass ein Vermieter wie der des Hochhauses In den Peschen eine Wohnung an mehrere Dutzend Bewohner vermiete und sich "daran eine goldene Nase verdient".

Auch Oberbürgermeister Sören Link war vor Ort. Auf dem Weg zur DGB-Bühne musste er sich den Fragen einiger frustrierter Anwohner stellen, die ihn mit Vorwürfen konfrontierten. Tenor: Die Stadt unternehme nicht genug gegen die Probleme rund um das Hochhaus. "Ich kann Ihre Frustration verstehen", sagte Link, betonte aber auch: "Das Problem ist, dass es keine einfache und schnelle Lösung gibt." Es seien ständig Sozialarbeiter vor Ort, man habe das Personal beim Ordnungsamt aufgestockt, die Wirtschaftsbetriebe kümmerten sich fast täglich um den Müll. "Wir tun hier in Duisburg alles, was wir können", sagte Link.

In seiner Rede forderte er wenig später Hilfe von außen. Das Land NRW müsse Geld für Sprachförderung und Integrationsarbeit geben. "Vom Bund brauchen wir endlich Taten statt Worte", so Link. Damit meine er unter anderem einen "Einreisestopp für Menschen, die hier kriminell geworden sind". Und die EU müsste sicherstellen, "dass die Menschen in Rumänien und Bulgarien eine Perspektive haben".

Während die Menschen auf der Straße demonstrierten, standen viele Nachbarn in ihren Hauseingängen und verfolgten das Geschehen. Etwa Lothar Hunzelder, der direkt gegenüber wohnt. "Niemand von uns hier ist rechts, und wir sind weit davon weg, Nazis zu sein. Wir können bloß einfach nicht mehr", stellte er klar. Der Krach bringe ihn und seine Familie um den Schlaf, ständig gebe es Ärger. Anwohnerin Agathe Meiste beklagte: "Das Schlimme ist, dass unsere Häuser hier nichts mehr wert sind. Ich versuche seit Monaten, mein Haus zu verkaufen. Meinen Sie, das will jemand haben?

Ich weiß einfach nicht, was ich tun soll." Von den Rechten vor ihrer Haustür hält sie dennoch wenig. "Die haben hier überhaupt nichts verloren. Die versuchen unsere Notlage auszunutzen und für ihren Wahlkampf zu missbrauchen. Das finde ich verachtenswert." Der Meinung ist auch Marlon Bilker: "Nazis braucht und will hier niemand. Natürlich gibt es hier Probleme. Aber darauf, sich von solchen Menschen benutzten zu lassen, hat hier niemand Lust."

(RP)
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