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Duisburger Akzente: Fragezeichen wie eine Bombe

Duisburger Akzente : Fragezeichen wie eine Bombe

"Nie wieder Krieg?" ist das Motto der Duisburger Akzente vom 3. bis 18. März. 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs greifen die Kulturwochen eine alte pazifistische Losung auf, die mit einem unfriedlichen Fragezeichen versehen wird.

Erich Maria Remarque (1898-1970) konzipierte Grundzüge seines Antikriegsromans, der ihn weltbekannt machen sollte, im Duisburger St. Vincenz-Hospital. Dort wurde 1917 der damals 19-jährige Erich Remark (so hieß er damals) nach einer Verwundung behandelt. Es liegt auf der Hand, dass mit der Bühnenversion von "Im Westen nichts Neues" die Duisburger Akzente eröffnet werden. "Nie wieder Krieg?" ist das Motto der Kulturwochen vom 3. bis 18. März, wobei das Fragezeichen auf dem Akzente-Plakat wie eine Bombe aussieht. Ein Zeichen, dass man der alten pazifistischen Losung mit Skepsis begegnet. Gestern wurde die Broschüre mit dem Gesamtprogramm der 39. Duisburger Akzente vorgestellt.

Am 11. November 1918 endete mit dem Waffenstillstand der Erste Weltkrieg, der als erster Massenvernichtungskrieg ins Schwarzbuch der Geschichte einging. Schätzungsweise 17 Millionen Menschen hatten in den vier Jahren des Krieges, bei dem zum ersten Mal auch Giftgas eingesetzt worden war, ihr Leben verloren. Den Jahrestag des Kriegsendes greifen die Akzente unter zahlreichen Gesichtspunkten auf. Es geht dabei um die Widerspiegelungen des Themas im Theater, in der Literatur, in der bildenden Kunst, im Film und in den Grenzbereichen von Wissenschaft und Performance-Kunst.

Im Mittelpunkt der traditionsreichen Kulturwochen steht in diesem Jahr wieder das Theatertreffen, das neben dem Remarque-Schauspiel vom Theater Hannover u.a. auch Gastspiele des Wiener Burgtheaters ("Die Perser" von Aischylos) und des Thalia Theaters Hamburg (Shakespeares "Richard III) im Theater der Stadt Duisburg beschert (die RP berichtete).

Wie in den vergangenen Jahren so gibt es auch in diesem Jahr ein Festivalzentrum. Es ist die Kulturkirche Liebfrauen gegenüber dem Stadttheater. Dort wird eigens für die Akzente eine kleine Bühne eingerichtet, und es wird ein facettenreiches Programm aus Figuren- und Objekttheater, Musik, Tanz und Literatur geboten. Dort wird zum Beispiel Neville Tranter, ein international renommierter Akteur des Figurentheaters, zwei Stücke seines "Stuffed Puppet Theatres" aufführen.

In "Babylon" wartet ein Boot an einem einsamen Strand in Nordafrika auf seine letzten Passagiere, darunter auch das Böse; gemeint ist der Teufel höchstpersönlich. "Babylon" ist ein Stück für Erwachsene. Dagegen richtet sich Tranters zweites Akzente-Stück an Familien: "Punch & Judy in Afghanistan" könne auch von älteren Kindern verstanden werden, versicherte Clemens Richert, Projektmanager beim Festivalbüro.

Dabei ist der Hintergrund ernst: Der Puppenspieler Nigel soll die Truppen in Afghanistan unterhalten, doch sein Assistent Emile ist verschwunden. Bei der Suche trifft Nigel auf Mr. Punch und seine Frau Judy. Beim Stück arbeitet Tranter mit den Elementen des Kasperle-Theaters, wodurch das Anschauen des kriegerischen Hintergrunds gemildert wird. Kinder und Erwachsene werden das Stück auf ganz unterschiedliche Weise wahrnehmen und zu schätzen wissen.

In der Liebfrauenkirche wird auch der in Duisburg wohlbekannte Tom Liwa gastieren - und zwar gekoppelt mit einer Butoh-Tanz-Performance von Harald Schulte. Liwa hat für das Programm "Hibakusha Dreaming" Songs geschrieben, die von Lyrik und Prosa von Überlebenden des Atombombenabwurfs auf Hiroshima inspiriert wurden. Jeweils nach Einbruch der Dunkelheit wird während der Akzente-Wochen die Liebfrauenkirche von außen angestrahlt.

Der Videokünstler Kai Fobbe hat das Projekt "Raster" entwickelt, bei dem 100 Orte in Bildern und mit einer eigentümlichen Tanz- und Gebärdensprache vorgestellt werden. Das Raster-Projekt soll von Stadt zu Stadt wandern. Bei einer der nächsten Stationen soll auch Duisburg im "Raster" erfasst werden. Die Beschreibung in der Programmbroschüre wirkt etwas vage, macht aber neugierig. Wie bei fast allen Akzenten beteiligen sich auch wieder die Zentralbibliothek, das Filmforum, die Volkshochschule und die freie Duisburger Kunstszene. Über das Literaturprogramm wird noch eigens zu berichten sein.

Das 100-seitige Programmheft, das erfreulich übersichtlich gestaltet ist, liegt ab sofort in zahlreichen Einrichtungen zum Mitnehmen aus.

Infos im Internet unter www.duisburger-akzente.de

(pk)