Duisburg: Fragen nach Migration und Integration

Duisburg : Fragen nach Migration und Integration

Im Landesarchiv NRW am Innenhafen beginnt am Donnerstag, 9. März, eine neue Ausstellung und Vortragsreihe, diesmal unter dem Titel "Gekommen, um zu bleiben?" Es geht sowohl um Geschichte als auch um Gegenwart.

Migration ist auch und gerade in Nordrhein-Westfalen nichts Neues: Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen hier viele Flüchtlinge und Vertriebene an, ab 1955 die "Gastarbeiter" aus Südeuropa, zuletzt 2015 viele Flüchtlinge aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie Afrika. Da lag es nahe, dass das Landesarchiv NRW am Innenhafen der jüngsten seiner längst bewährten und beliebten Ausstellungen und Vortragsreihen den Titel gab ",Gekommen, um zu bleiben?' Migration und Integration in Nordrhein-Westfalen von 1946 bis zur Gegenwart".

Die Ausstellung zeigt Fotos und andere Quellen über verschiedene Etappen der Einwanderung von "Gastarbeitern" und ihrer Familien, ihr Leben in der Fabrik, im Wohnheim oder während der Freizeit. Die Quellen kommen von DOMID, dem Kölner Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland, und aus dem Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Rheinland.

Am Eröffnungsabend, Donnerstag, 9. März, hält Prof. Dr. Christoph Rass (Universität Osnabrück) den Vortrag "Migration wird gemacht. Politik, Erfahrung, Wissenschaft in historischer Perspektive". Das ist zugleich der öffentliche Auftakt zur Jahrestagung des Brauweiler Kreises für Landes- und Zeitgeschichte zum Thema "Migration - Kulturtransfer - Erinnerungskultur".

An der eigentlichen Tagung am Freitag, 10. März, ab 9 Uhr, kann man gegen eine Gebühr von 20 Euro teilnehmen. Frei ist der Eintritt dagegen zum Eröffnungsabend und den weiteren Vorträgen, jeweils um 18 Uhr, sowie zur Führung durch das Haus, jeweils um 17.30 Uhr. Los geht es am 30. März mit dem Podiumsgespräch "Migration und Integration in NRW in Geschichte und Gegenwart". Da diskutieren Menschen, die selbst Migration und Integration erlebt haben, mit Vertretern aus Politik und Verwaltung sowie Kirchen und Wohlfahrtsverbänden. Zugesagt haben unter anderem der Staatssekretär im NRW-Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales, Thorsten Klute, sowie der Leiter des Kommunalen Kompetenzzentrums für Integration in Duisburg, Marijo Terzic. Am 5. April behandelt Prof. Dr. Ottfried Dascher (Ltd. Staatsarchivdirektor a.D.) "Die ,Polen' im Ruhrgebiet vor 1914 - ,Gastarbeiter vor den Gastarbeitern'". Dr. Jan-Pieter Barbian, Direktor der Stadtbibliothek Duisburg, erzählt am 16. Mai "Eine Geschichte mit Zukunft. Die interkulturelle Bibliotheksarbeit der Stadtbibliothek Duisburg seit 1974". Dr. Martin Schlemmer (Landesarchiv NRW) nennt seinen Vortrag am 30. Mai "Gerufen, und doch hinausgewünscht? Die ,Gastarbeiter-Frage' und die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen zwischen 1946 und 1980". Natürlich sind unter den Vortragenden auch solche mit Migrationshintergrund. Bei Prof. Dr. Haci-Halil Uslucan (Universität Duisburg-Essen/Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung) lautet das Thema am 13. Juni "Die psychologische Perspektive aus Migration und Integration: Was brauchen Zuwanderer für die Beheimatung in einem neuen Land?"

Bei Leyla Özmal (Interkulturbeauftragte der Stadt Duisburg/Zentrum für Erinnerungskultur, Menschenrechte und Demokratie) geht es am 27. Juni um "Duisburg-Marxloh: Ein Stadtteil zwischen ,No-Go und Let's-Go Area'". Außerdem wird das Landesarchiv NRW selbst zum Schöpfer von Quellen. Flüchtlinge und ehrenamtliche Betreuer werden eingeladen zum Workshop "Geschichte(n) bewahren" am Dienstag, 9. Mai, um 16 Uhr. Mit Unterstützung von Dolmetschern (Arabisch, Kurdisch, Dari) werden Erzählungen, Fotos und Handyfilme zur Fluchtgeschichte gesammelt.

(hod)
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