Flauschiger Nachwuchs für den Duisburger Zoo

Tierpark am Kaiserberg : Flauschiger Nachwuchs für den Zoo

Das Schleiereulen-Paar der Kaiserberg-Arche zieht wieder zwei Jungtiere auf. Die müssen beringt werden, um sie später auseinanderhalten zu können. Gut ein Jahr werden die Vögel in Duisburg bleiben.

(U.S.) Das kleine Federknäuel will vermutlich ein Drache werden, wenn es groß ist. Zumindest lässt das sein unwirsches Fauchen vermuten, mit dem der kleine Vogel dagegen prostestiert, dass man ihn Mutters wärmenden Fittichen entzogen hat. Sein jüngeres und erheblich kleineres Geschwisterchen piept nur kläglich und zittert zum Gotterbarmen, was angesichts des sehr spärlichen Flaums auf seinem noch recht nackten Körperchen kein Wunder ist. Doch als Dr. Kerstin Ternes, Tierärztin im Zoo Duisburg, das zarte Geschöpf behutsam in ihre Hände nimmt, hört das jämmerliche Bibbern schlagartig auf.

Mit nur drei Tagen Abstand sind die beiden Schleiereulen-Küken am 4. und 7. März geschlüpft. Der erste Nesthocker sieht aber viel älter aus als der Nachzügler: Die kleine Flauschkugel ist größer, dicker und hat bereits ein dichtes Daunenkleid. „Kein Wunder“, meint Revierleiter Maik Elbers. „Der Ältere drängelt den anderen immer zur Seite, wenn die Mutter das Futter verteilt.“ Aber auch der jüngste Nachwuchs der Familie wird nicht zu kurz kommen. Denn das Schleiereulen-Paar, das 2010 aus einem Wildtierpark in Niedersachsen in den Duisburger Zoo kam, ist sehr erfahren im Umgang mit der eigenen Brut. „Die kriegen das gut auf die Reihe, ihre Jungen großzuziehen“, weiß Elbers. Und um die allgemeine Gesundheit der Eulenkinder kümmert sich Kerstin Ternes.

Weil die ausgewachsenen Vögel kaum voneinander zu unterscheiden sind, und auch Männchen und Weibchen sich sehr stark ähneln, mussten die Kleinen nun beringt werden. „Durch die Ringe können wir erkennen, um welches der Tiere es sich handelt, und wer was hat“, erklärt die Tierärztin während sie dicke Daunenkugel in Positur bringt, damit Maik Elbers den Ring über die Kralle schieben kann. Was nicht so einfach ist. Erst passt der Ring nicht über die Kralle, dann muss er geweitet werden, dabei rutscht er Elbers aus der Hand und fällt zu Boden. „Siehste, so war das bei meiner Hochzeit auch“, meint Elbers und amüsiert sich über seine eigene Ungeschicklichkeit.

Die kleine Eule findet das gar nicht lustig. Sie faucht wieder. Auch die netten Worte von Kerstin Ternes sind ihr schnuppe: „Du hast schon richtig schöne Schleiereulenaugen, Flauschi. Du kriegst jetzt die Nummer 17, mein Schatz.“ Erst als der Ring am Fuß ist, faucht Flauschi nicht mehr. Aber damit ist die Prozedur noch nicht vorbei.

Der Zoo will auch wissen, welches Geschlecht die beiden Jungvögel haben. Dafür müssen sie einige Federchen lassen. Die zupft Kerstin Ternes geschickt aus den zarten Daunen heraus, ohne dass Flauschi wieder faucht, und schiebt sie in ein Röhrchen. Die gehen jetzt in ein Labor zur genetischen Untersuchung, um das jeweilige Geschlecht von Nr. 17 und Nr. 18 zu bestimmen. „Beim Menschen haben Frauen zwei X-Chromosomen, Männer ein X- und ein Y-Chromosom. Bei Vögeln ist das genau umgekehrt“, erklärt die Tierärztin. In gut einer Woche wissen die Pfleger, ob nun zwei Männchen oder zwei Weibchen, oder ein gemischtes Pärchen im Nest hocken.

Ein Federchen musste der Nachwuchs der Schleiereulen auch noch lassen. Die Untersuchung der Daunen dient zu Bestimmung des Geschlechts. Foto: FUNKE Foto Services/Jörg Schimmel
Revierleiter Maik Elbers und Tierärztin Kerstin Ternes beringen den Nachwuchs der Schleiereulen. Foto: FUNKE Foto Services/Jörg Schimmel

Mehr als zwei junge Schleiereulen in einem Jahr wurden im Zoo noch nie aufgezogen. Während die Mutter den Nachwuchs unter die Fittiche nimmt, beschafft der Vater die Nahrung. Im Alter von 30 Tagen beginnen die Jungvögel sich außerhalb des Nestes umzusehen, mit 40 bis 50 Tagen beginnen sie ihr eigenes Jagdverhalten zu entwickeln. Gut ein Jahr können die Jungtiere bleiben, dann werden sie geschlechtsreif. Dann gibt der Zoo Duisburg sie an andere Tierparks oder Wildgehege ab. Gefährdet ist der Bestand der Schleiereulen nicht. „Die gibt es in ganz Europa“, sagt Kerstin Ternes Aber der Mensch macht es diesem schönen Raubvogel nicht leicht, wie Maik Elbers erklärt: „Schleiereulen sind Kulturvögel, die die Nähe des Menschen suchen, weil das Nahrungsangebot etwa in Scheunen recht gut war. Da gab es viele junge Ratten und Mäuse, also wenig Arbeit für viel Erfolg.“ Doch heute seien Scheunen, wie auch Kirchtürme hermetisch abgeriegelt, so dass es für die Schleiereulen immer schwieriger werde, Nistplätze zu finden.

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