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Duisburgs OB-Kandidaten: Finger in die Wunden legen

Duisburgs OB-Kandidaten : Finger in die Wunden legen

Michael Rubinstein geht am 17. Juni als parteiloser Kandidat ins Rennen und sieht genau darin seine Chance. Er ist überzeugt, dass die Bürger an der Spitze der Stadt jemanden wollen, der unbelastet sein Amt antreten kann.

Nach dem CDU-Kandidaten Benno Lensdorf ist Michael Rubinstein an der Reihe der OB-Bewerber, die beim "Monopoly Duisburg"-Spiel Duisburgs schöne Seiten, aber auch die Probleme thematisieren.

Bildung Als Spielfigur wählt er einen Fingerhut, "weil der ein gutes Symbol für Handwerk ist. Und zupacken können, das muss der neue OB", sagt er und zieht weiter auf das Feld "Bertaallee", das ein spielendes Kind zeigt: "Mein Thema", sagt Rubinstein: "Bildung fängt bei den Kleinen an und zieht sich durch alle Bevölkerungsgruppen." Doch investiert werde hier viel zu wenig. Aus seiner Tätigkeit als Geschäftsführer der jüdischen Gemeinde (mit 98 Prozent Anteil Zuwanderer vor allem aus Russland) wisse er, wie wichtig Sprachförderung, ein gut funktionierendes Schulsystem, qualifizierte Ausbildung und Studium seien. "Wir haben hier Potenzial, das allerdings viel besser ausgeschöpft werden muss."

Finanzen Bei Bildung, Kultur und Sozialem dürfe nicht gespart werden, fordert der freundlich wirkende Kandidat, der sich selbst für einen Teamplayer hält. "Ich bin noch nicht so tief drin, dass ich alle Zahlen des städtischen Haushalts kenne", gibt er zu. Dennoch ist er überzeugt, dass Duisburg auf dem falschen Sparweg ist. "Ich lege den Finger in die Wunde und frage, wieso Duisburg überhaupt in diese Not geraten konnte." Für ihn sei die Vorstellung unerträglich, dass nachfolgende Generation mit diesen Schulden belastet werden könnten. Aber die Sparliste, die derzeit beraten wird, findet nicht seine Zustimmung, weil man nicht ernsthaft so etwas Wichtiges innerhalb von sechs Wochen bis zur Beschlussfassung durchpeitschen könne. Vielleicht sei es sinnvoll, beispielsweise die Zahl der Stadtbezirke/Bezirksvertretungen zu verringern. "Aber es muss erst sicher sein, dass die Bürger dadurch nicht benachteiligt werden." Sparen lasse sich vor allem durch andere Strukturen innerhalb des Geflechtes von Stadtverwaltung und städtischen Unternehmen, ist er überzeugt.

Wirtschaft Zur Haushaltsverbesserung trage weiterhin eine Steigerung der Einnahmen hin, aber nicht über die beabsichtigten Steuererhöhungen. "Die Gewerbesteuer erhöhen kann man, wenn man blühende Landschaften hat, die haben wir aber nicht." Und eine höhere Grundsteuer werde zu Problemen in Stadtteilen führen, in denen Hausbesitzer schon heute kein Geld aufwenden, um ihre Immobilien in Ordnung zu halten. Mehr Geld in die Kasse (und neue Arbeitsplätze) käme durch Neuansiedlungen von Unternehmen. Zum Beispiel im Umfeld des Hafens, dem man mehr Fläche geben müsse, "weil er ein Pfund ist, mit dem wir wirklich wuchern können."

Stadtentwicklung Weiter geht es auf dem Monopoly-Feld zur "Emscherstraße" und damit zum Landschaftspark. Der besonnen wirkende 40-Jährige gerät ins Schwärmen: "Der beste Beweis dafür, was Duisburg wirklich ist und wie sich die Stadt fühlt", sagt er. Der illuminierte Park "und auch der beleuchtete Stadtwerketurm" - darauf könne man in Duisburg mit Stolz blicken. Als Oberbürgermeister werde er für die Stadt werben. Das gehöre zu den Aufgaben eines OB, ebenso wie Bürgernähe und Verwaltungsführung. Überhaupt müsse viel mehr als bisher die Stadt vermarktet werden, weniger durch die Duisburger Marketing Agentur als durch das Stadtoberhaupt selbst. "Denn der Oberbürgermeister ist der Türöffner für Investoren."

Stadtteile Beim Monopoly ist Rubinstein auf ein Gemeinschaftsfeld geraten und soll nun für Straßensanierung bezahlen. Schlaglöcher, die kennen die Duisburger zur Genüge. "Aber aber mir ist lieber, man holpert über eine Straße und gibt stattdessen das Geld für Bildung und Soziales aus", so der parteilose OB-Kandidat. Wenn in die Infrastruktur investiert werde, dann in eine Stärkung der Stadtteile, speziell die im Norden. Wenig Verständnis kann der 40-Jährige dafür aufbringen, dass in Bruckhausen Häuser für einen Grüngürtel abgerissen werden, obwohl die Bürger dort wohnen bleiben wollen. Wütend machen ihn die Planungen für das Factory Outlet Center in Marxloh, "weil auch hier Menschen zum Wegzug gezwungen werden".

In der Stadt hätten sich sicherlich alternative Standorte finden lassen, zum Beispiel im Süden. Dass sich Duisburg wegen der sinkenden Einwohnerzahl verkleinere, "ist nachvollziehbar. Aber die Rechnung geht nur auf, wenn die Stadt dabei für die Bürger lebenswert bleibt". Statt Flächensanierung könnte man den Stadtnorden für junge Familien attraktiver machen "oder für Studenten."

Rubinstein kann sich sogar vorstellen, im Norden ein Hotel zu bauen, weil über die Standorte in der Innenstadt ja immer nur geredet werde. Die City selbst ist für Rubinstein kein Ort zum Schwärmen. Das Citypalais sieht er kritisch, das Einkaufzentrum Forum sei in Ordnung. Aber in der Königsgalerie stünden immer noch viel zu viel Ladenlokale leer, und von der Münzstraße müsse man ja wohl gar nicht reden. "Ich treffe mich gleich mit einem Investor aus Solingen, der sich die Straße anschauen will", erzählt er. Ihn wird Rubinstein mit Sicherheit darauf hinweisen, dass am Straßenende der Innenhafen liegt, der erweitert werden müsse. Dass seine Idee schon in Plänen ausgearbeitet ist, weiß er. "Aber hier bei uns wird zu viel geplant und zu wenig umgesetzt."

Politik Der 40-Jährige rechnet sich gute Chancen aus, in eine eventuelle Stichwahl zu kommen. Wenn dann sein Gegner Lensdorf (CDU) hieße, wäre es ihm ganz recht. Sollte es aber Sören Link sein, dann baut Rubinstein darauf, "dass die Bürger von dem Parteienklüngel die Nase voll haben und ihnen nicht mehr vertrauen. Unterschätzen sie nicht das Wutpotenzial!" Bedauerlich sei es schon, dass die auseinandergebrochene Bürgerinitiative "Neuanfang" mit zwei Bewerbern in die Wahl gehe, neben ihm auch Dr. Wittsiepe.

Dass die FDP und die "Piraten" ihn unterstützen, will Rubinstein nicht als Hinweis auf seine Parteipräferenzen verstanden wissen. "Wenn ich OB werde, dann rede ich mit allen." Hauptgewinn Das Spiel endet auf "Los" und damit mit viel Geld. Was würde er tun, wenn er als OB nicht sparen müsste, sondern aus dem Vollen schöpfen könnte? "Dem Hafen mehr Fläche geben, den Nahverkehr attraktiver machen, für mehr Naherholung sorgen, mit denen man auch Tagestouristen nach Duisburg locken kann, in Bildungsangebote, speziell in die für Kinder investieren und sie zum Beispiel mit einer Art Kindermuseum dafür entschädigen, dass Legoland aus dem Werhahnspeicher auszieht."

(jco)