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Filmwoche: Duisburg bleibt Dokumentarfilmstadt – dank Alexander Scholz

45. Auflage der Filmwoche : Duisburg bleibt Dokumentarfilmstadt – dank ihm

Alexander Scholz wurde von dem Angebot überrascht, die 45. Ausgabe der Duisburger Filmwoche zu leiten. Dabei ist er einer der besten Kenner des Traditions-Festivals. Gerade vertrat er die Filmwoche beim Goethe-Institut in Brüssel.

In der Filmbranche war es ein Mischung aus Schock und Überraschung, als Christian Koch und Gudrun Sommer im Frühjahr erklärten, ihre am 31. März auslaufenden Verträge als gemeinsame Leitung der Duisburger Filmwoche nicht zu verlängern. Während Christian Koch außerhalb des Films eine neue Tätigkeit im Kulturbereich anstrebt, wird sich Gudrun Sommer auf die Jugendsparte der Filmwoche, doxs! genannt, konzentrieren. Schließlich hatte sie vor zwei Jahrzehnten dieses Jugenddokumentarfilmfestival initiiert und inzwischen international verankert. In diesem Jahr wird doxs! noch weiter ausgebaut. Während in den vergangenen Jahren die Jugendreihe zeitlich parallel zur Filmwoche lief, wird doxs! diesmal wesentlich länger laufen als die Filmwoche. Und zwar vom 8. November bis zum 21. November. Dagegen läuft die 45. Filmwoche nur vom 10. bis 14. November.

Einig war man sich bei der Stadt und insbesondere bei der Duisburger Volkshochschule, die eng mit der Filmwoche verknüpft ist, dass Duisburg Dokumentarfilmstadt bleiben soll. Durch die Absage von Christian Koch und Gudrun Sommer, die als Duo zwei Jahre lang die Filmwoche in einer zuletzt sehr schwierigen Situation durchaus souverän geleitet hatten, musste eine neue Leitung ziemlich schnell gefunden werden. Und zur Freude von „Mister Filmwoche“ Werner Ruzicka, der 34 Jahre lang das Duisburger Festival geleitet und sich viele Meriten erworben hatte, wurde Alexander Scholz (35) als Kurator der 45. Filmwoche ernannt. Scholz selber, der vom Ausscheiden des Duos Sommer/Koch ebenfalls überrascht wurde, wurde vom Duisburger Kulturdezernat aufgefordert, sich zu bewerben. Und er bekam die begehrte Stelle.

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Dass man sich für den freischaffenden Cineasten entschied, hat mehrere Gründe. Zum einen hat Scholz bereits seit 2013 in verschiedenen Funktionen für die Duisburger Filmwoche gearbeitet: als Protokollant der Filmdiskussionen, als Pressereferent und Redakteur des 2017 erschienenen Bandes „AusSichten. Öffentliches Reden über Dokumentarfilm.“. Außerdem arbeitete Scholz als Autor und Redakteur für verschiedene Kultureinrichtungen in Nordrhein-Westfalen, beispielsweise auch für die international angesehenen Oberhausener Kurzfilmtage.

Nicht zuletzt kennt er die Duisburger Filmwoche so gut wie neben ihm vielleicht nur noch Werner Ruzicka. Scholz hat nämlich in einer Mammutaufgabe sämtliche Filmwochen-Protokolle, die seit 1979 geschrieben wurden, gelesen und verschlagwortet. Scholz hat über diese Protokolle Kenntnisse von sämtlichen, rund 900 Filmen, die jemals auf Duisburger Filmwochen gezeigt wurden. Dank des von Scholz erstellten Registers kann man unter allen möglichen Suchbegriffen nach Filmwochen-Beiträgen fahnden: Filmautor, Produzent, Kameraleute, Ort, Filmlänge, Jahr oder Thema. Bei seiner Arbeit fiel Scholz u.a. auf, dass viele Produktionen, die auf Filmwochen gezeigt wurden, mit dem Ruhrgebiet auf irgendeine Weise zu tun haben. Wie wäre es, so ein Vorschlag von Alexander Scholz, wenn man daraus eine historische Reihe zusammenstellt? Überhaupt, so ein weiterer Vorschlag des neuen Kurators, sollte man die Duisburger Filmwoche nicht nur eine Woche lang, sondern das ganze Jahr über in Duisburg und auch überregional präsent halten.

Wie so etwas konkret aussehen könnte, hat Alexander Scholz gerade in Brüssel gezeigt. Dort hatte das Goethe-Institut vom 3. bis 6. Juli die Filmreihe „Perspektiven“ veranstaltet. Scholz stellte dort als Vertreter der Duisburger Filmwoche die Dokumentation „Fonja“ vor, die bei der Filmwoche 2020 zu sehen war (wegen der Pandemie leider nur online). Sein Besuch im Brüsseler Goethe-Institut sei eine tolle Erfahrung und eine gute Werbung für die Duisburger Filmwoche gewesen, sagt Scholz. Dass das Duisburger Festival die Einladung nach Brüssel bekam, darf man als Auszeichnung verstehen. Viele halten die Duisburger Filmwoche für das wichtigste deutsche Dokumentarfilmfestival, sogar für wichtiger als die Doku-Festivals in Leipzig, Kassel und München. Das liegt nicht an der Zahl der gezeigten Filme, sondern daran, dass jede Dokumentation im Anschluss an die Vorführung im Beisein der Filmemacher mit dem Publikum, in dem viele Fachleute und Filmautoren sitzen, diskutiert wird und dass diese Diskussionen protokolliert werden. So manches Protokoll hat ein Nachspiel in deutschen, österreichischen und schweizerischen Filmhochschulen

Inzwischen hat die Auswahlkommission (es ist dieselbe wie im vergangenen Jahr) ihre erste Sichtung absolviert. Zwei weitere Sichtungsphasen sind noch geplant, bevor das Programm der 45. Duisburger Filmwoche festgelegt wird.

Alexander Scholz hofft, dass es die Pandemie-Entwicklung zulässt, das Festival wieder im Filmforum vor einem real anwesenden Publikum stattfinden zu lassen. Online ist bislang nur Plan B.