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Filmwoche Duisburg 2021: Diese Produktionen wurden ausgezeichnet

Filmwoche : Duisburg punktet erneut als Filmstadt

Am Sonntagmittag endete mit der Verleihung der Preise die 45. Duisburger Filmwoche. Das Festival wurde seinem guten Ruf als Bollwerk des dokumentarischen Films gerecht. Die RP vergab zum 20. Mal den Publikumspreis.

Nach fünf Tagen des gemeinsamen Sehens und Sprechens endete am Sonntagmittag mit der Verleihung von insgesamt fünf Preisen die 45. Duisburger Filmwoche. Für Alexander Scholz war es die erste als Kurator. Zu Recht zog er in seiner Ansprache vor dem Preissegen ein positives Fazit. Duisburg wurde seinem guten Ruf als Bollwerk des dokumentarischen Films aus Deutschland, Österreich und der Schweiz auch in diesem Corona-Jahr gerecht. Bei den verschiedenen Fachjurys, die die Gewinnerfilme ausloben mussten, war die Qual der Wahl groß.

Der 3sat-Dokumentarfilmpreis, dotiert mit 6000 Euro, ging an „Girls/ Museum“ von Shelly Silver; ein Film, der ausschließlich im Leipziger Museum der bildenden Künste gedreht wurde. Fünfzehn jüngere und ältere Schülerinnen stehen vor Gemälden, die zwischen dem 16. und 20. Jahrhundert entstanden sind. Sie erzählen, was ihnen zu den Werken einfällt. Und das ist toll. Die Jury zeigte sich begeistert und schrieb eine schöne Begründung für den Preis. Da heißt es unter anderem: „Grimmige Männer, halbnackte Frauen – Gewalt, Macht, Begehren, Verführung, Unschuld. Die Idee ist simpel: Die Mädchen vermitteln die Kunst und lenken unseren Blick.“ Wer die Kommentare der Mädchen, bei der Kunstgeschichte keine Rolle spielt, hört, wird danach so manches Gemälde mit anderen Augen sehen.

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Über den mit 6000 Euro dotierten Arte-Preis freute sich Maria Petschnig. Ein Jahr lang begleitete die Filmemacherin Marc Thompson in Brooklyn. Marc, der viele Jahre im Gefängnis saß, lebte zum Zeitpunkt des Drehs nicht in einer Wohnung, sondern in seinem Jeep, der mit seinen Habseligkeiten vollgestopft ist. Marc jobbt in einem Lagerhaus, zum Duschen geht er ins Fitnessstudio, und wenn er sich mal mit jemanden verabreden möchte, geht er in die öffentliche Bibliothek. Marc sagt zur Filmemacherin, die nie im Bild erscheint: „Für dich ist es ein Projekt, für mich ist es mein Leben.“ In der Jurybegründung heißt es: „Aus der zufälligen Begegnung wird eine gemeinsame Bewegung, aus dem anfänglichen Filmprojekt eine geteilte Erfahrung, die uns in ihrer Dringlichkeit berührt.“ Am Dienstag fliegt Maria Petschnig wieder nach New York. Dort werde sie Marc, der nun in einer Wohnung lebt, von Duisburg erzählen.

Den Preis der Stadt Duisburg (5000 Euro) bekam Christian Becker für seinen nur 22-minütigen Film „Lydia“. Aus Tagebuchnotizen und alten Super-8-Filmen hat Becker eine private Erinnerungsgeschichte komponiert. „Aus dem Super-8-Archiv eines Ehepaars hat der Regisseur einen Diamanten geschliffen über das Private“, heißt es in der Jurybegründung.

Der Nachwuchspreis, den das Land NRW mit 5000 Euro und einem Mentorat durch einen erfahrenen Filmregisseur ausstattet, geht an Valérie Pelet. In „Augusts Orte“ rekapituliert sie filmisch die verschlungene Fluchtroute ihres Schwagers, der von Marokko über Italien nach Österreich kam und dabei Gefährliches und Unverständliches erleben musste. Der Sommermonat August ist bei dem Film eine Art Leitmotiv.

Zum 20. Mal vergab in diesem Jahr die Rheinische Post den Publikumspreis, dotiert mit 1000 Euro. Anders als bei den anderen Jurys wird der Siegerfilm nicht durch Diskussionen, sondern über eine geheime Wahl ermittelt. Wobei jedes Jurymitglied aus dem gesamten Programm drei favorisierte Filme auswählt, die mit ein, zwei oder drei Punkten bewertet werden. Noch niemals zuvor hatte ein Film die maximal mögliche Punktzahl erreicht – bis jetzt. Alle vier Jurymitglieder kürten „Nicht verRecken“ von Martin Gressmann zum ersten Siegerfilm. Gressmann porträtiert die letzten Zeugen der letzten Todesmärsche 1945 von Sachsenhausen und Ravensbrück. Dieser Film ist ein historisches Dokument, das einzigartig bleiben wird, weil die Protagonisten allesamt an der Neige ihres Lebens stehen. Was uns besonders berührt, hat auch der Regisseur gespürt. Er sagt: „Ins Auge fällt die Altersgüte und Freundlichkeit unserer Interviewpartner, dieser so furchtbar geprüften Menschen.“

Vermutlich werden alle Filme, die für die Duisburger Filmwoche ausgewählt wurden, in den nächsten Monaten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt, vorzugsweise auf den Sendern 3sat und Arte. Filmtitel unter www.duisburger-filmwoche.de