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Filmwoche Duisburg 2020: So planen die Organisatoren in der Corona-Krise

Wegen Coronakrise : Duisburger Filmwoche hat einen Plan A und B

Ab sofort sind Filmemacher eingeladen, ihre aktuellen Dokumentarfilme für das renommierte Duisburger Festival, das im November stattfinden soll, einzureichen. Die Corona-Pandemie ist in diesem Jahr eine besondere Herausforderung.

Es sind keine guten Zeiten für die Kultur: Die Akzente mussten, gleich nachdem sie unter dem schönen Motto „Glück” gestartet waren, abgesagt werden. Die Corona-Pandemie führte auch zum Aus für das Kinderkulturfestival und die Traumzeit. Die Frage bleibt, ob das Virus auch die großen Festivals im Spätherbst verhindern kann. Gemeint ist die Internationale Kinder- und Jugendbuchausstellung (IKiBu), bei der bislang noch nichts feststeht, und die Duisburger Filmwoche, einschließlich ihrer Jugendsektion Doxs!. Die Hoffnung ist, dass die 44. Ausgabe der Duisburger Filmwoche, die als das bedeutendste Festival für deutschsprachige Dokumentarfilmproduktionen gilt, stattfinden kann und Planungen dafür sinnvoll sind. Letzteres ist schon entschieden: Jedenfalls arbeitet das Filmwochenteam, das seit dem vergangenen Jahr unter der neuen Leitung von Gudrun Sommer und Christian Koch steht, an der Vorbereitung des Festivals, das vom 2. bis 8. November Duisburg wieder zur international beachteten Filmstadt machen soll.

Ab sofort sind Dokumentarfilmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eingeladen, ihre Produktionen für die Filmwoche, die auch ein Wettbewerb ist, einzureichen. Wie auch in den vergangenen Jahren gibt es keine thematischen Vorgaben. Alle Formate können eingereicht werden. Die Filme müsse eine Mindestlänge von 20 Minuten haben. Nach „oben hin” gibt es keine Beschränkung. In den vergangenen Jahren liefen auch schon Dokumentarfilme mit einer Länge von mehr als drei Stunden. Berücksichtigt werden von der Auswahlkommission nur Filme, die einigermaßen aktuell sind, das heißt: Produktionen, die vor dem 1. September 2019 ihre Uraufführung oder Erstausstrahlung im Fernsehen hatten, werden ausgeschlossen. Das Reglement sagt darüber hinaus, dass die Filmemacherinnen und Filmemacher oder die Filmproduzentinnen oder Filmproduzenten in Deutschland, der Schweiz oder in Österreich leben beziehungsweise Angehörige dieser Staaten sind. Die in den Filmen gesprochene Sprache ist allerdings kein Kriterium; viele Filme, die in den vergangenen Jahren bei einer Duisburger Filmwoche gezeigt wurden, liefen in einer Fremdsprache mit deutschen Untertiteln.

Das Besondere der Duisburger Filmwoche ist ihr Prozedere, das sich auch während der Jahrzehnte bewährt hat, in der das Festival von Werner Ruzicka geleitet wurde: Jeder Film wird im Anschluss an seine Vorführung im Beisein der jeweiligen Filmemacher öffentlich diskutiert. Diese Diskussionen werden protokolliert. So manche Filmwochen-Diskussion wurde in den Filmhochschulen Europas und in den Fernsehsendern fortgesetzt. Zu einer folgenreichen Kontroverse führte in der jüngeren Vergangenheit die Frage, ob ein Dokumentarfilm auch inszenierte Passagen haben darf oder ob die Grenze zum Spielfilm strikt eingehalten werden muss, um „Bilder aus der Wirklichkeit” in Reinform zu vermitteln. Diese Frage ist jetzt ganz klar entschieden. In dem aktuellen Schreiben von Gudrun Sommer und Christian Koch an die Filmemacher heißt es: „Es wird herzlich eingeladen, den Begriff Dokumentarfilm recht offen zu verstehen – Grenzgänger des Genres sind ebenso willkommen wie die ,Mischformen’”.

Eine Auswahlkommission  sichtet die Filme, die bis zum Stichtag 23. August eingereicht werden und stellt dann das Programm zusammen, das im Filmforum öffentlich gezeigt werden soll. Der Auswahlkommission gehören an: Alejandro Bachmann aus Wien, die Kölnerinnen Bettina Braun und Anja Dreschke, Alex Gerbaulet und Jan Künemund aus Berlin sowie Luc Schaedler aus Zürich.

Nach aktuellem Stand sollen auch wieder am Schluss der Filmwoche folgende Preise vergeben werden: Arte-Dokumentarfilmpreis, dotiert mit 6000 Euro; 3sat-Dokumentarfilmpreis, ebenfalls mit 6000 Euro dotiert; Preis der Stadt Duisburg, dotiert mit 5000 Euro; „Carte Blanche” Nachwuchspreis des Landes NRW, dotiert mit 5000 Euro; Publikumspreis der Rheinischen Post für den „beliebtesten Film des Festivals”, dotiert mit 1000 Euro.

Das alles ist der „Plan A” der 44. Duisburger Filmwoche. Doch was ist, wenn die Corona-Pandemie auch noch im November ein Festival nach dem bewährten Filmwochen-Modell verhindert? Das ist eine Frage, auf die man bei den aktuellen Arbeitssitzungen des Filmwochenteams eine Antwort sucht. Gegenüber dieser Zeitung heißt es vom Filmwochen-Team, dass man versuchen werde, einen „Plan B” zu entwickeln, mit dem eine Duisburger Filmwoche in veränderter Form, aber mit Duisburger Anspruch, durchgeführt werden kann. Im Schreiben an die bekannten Filmemacher und die Filmhochschulen heißt es: „Wir arbeiten daran, auch für die kommende Ausgabe (der Filmwoche) Formen des Gemeinsamen zu finden.”

Das wird alles andere als leicht sein. Die Corona-Pandemie bleibt auch für die Filmwoche ein Damoklesschwert.