Kommentar Figuren eines Spiels

Es ist nicht wirklich überraschend, was seit geraumer Zeit vor Gericht in Sachen Gebag verhandelt wird oder noch verhandelt werden soll. Dass es in dem Unternehmen über Jahre Missstände gab, das haben selbst die Blinden in dieser Stadt irgendwann gesehen. Allein die jetzt drei Beklagten dafür verantwortlich zu machen, greift wesentlich zu kurz. Und wenn jeder Einzelne aus diesem Trio nur für sich "betrachtet" wird, wird vieles im Dunklen bleiben. Ob Cremer, Wolf-Kröger, Dressler oder Prüßmann – sie alle waren Figuren in einem Spiel, das über Jahrzehnte in Duisburg blendend funktionierte. Städtische Gesellschaften wurden geleitet von treuen Parteimitgliedern, wegen der vielen "Regierungsjahre" vorzugsweise Sozialdemokraten. In den Aufsichtsräten saßen Mitglieder, die vor allem verlässlich sein mussten. Und alle hielten (parteiübergreifend) irgendwie zusammen in der Hoffnung auf Geld und Macht und Einfluss. Aus den städtischen Gesellschaften waren immer wieder abenteuerlich Gerüchte zu hören: dass der Chef X ein schwerer Alkoholiker sei; dass der Aufsichsratsvorsitzende Y Freunden und Verwandten zu Aufträgen just bei dem Unternehmen verhalf, das er kontrollierte; dass der Geschäftsführer Z viel Geld für Projekte "spendieren" musste, die allein aus parteipolitischen Gründen gesponsert werden mussten. Die, die solche Behauptungen aufstellten, konnten oder wollten in der Regel den Beweis dafür nicht antreten.

Dass die Gebag-Pleiteprojekte jetzt vor Gericht offengelegt werden, ist kein Zeichen von Politikwende, neuer Offenheit oder mehr Bürgernähe. Es ist Folge der Tatsache, dass dem Unternehmen das Wasser bis zum Halse steht und es mit aller Macht versuchen muss, an Geld zu kommen – zum Beispiel auf gerichtlichem Wege.

hch

(RP)
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