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Duisburg: Feinstaub: Stadt versinkt im Ruß

Duisburg : Feinstaub: Stadt versinkt im Ruß

Umweltschützer fordern umfassenden Maßnahmenkatalog und warnen vor Strafen.

Am 1. Juli 2014 wird die Umweltzone Ruhrgebiet auf Grün geschaltet. Soll heißen: Wer an seinem Pkw keine grüne Umweltplakette hat, darf Duisburger Straßen nicht mehr befahren. Umweltschützern des BUND geht diese Maßnahme nicht schnell und vor allem nicht weit genug. Sie forderten gestern in Duisburg einen umfassenden Maßnahmenkatalog, um den weiterhin massiven Schadstoffausstoß wirksam zu bekämpfen. "Es ist ein Skandal, dass das Ruhrgebiet erst im nächsten Jahr mit der Umweltzone Ernst macht", sagte Axel Friedrich, langjähriger Leiter der Abteilung Verkehr und Lärm im Umweltbundesamt und mittlerweile freiberuflicher Verfechter für ein Umdenken in Politik und Wirtschaft.

Duisburg brauche eine Vision, sagte Friedrich: "Ich vermisse eine Idee, wie Duisburg in zehn oder 20 Jahren aussehen soll. Das Beispiel Berlin zeigt, wie auch eine Pleitekommune mit vernünftigen Maßnahmen eine erhebliche Verbesserung bei der Schadstoffbelastung erzielen kann." Bei einer Messung unweit des Kantparks will Friedrich eine fünfmal höhere Feinstaub-Belastung als im heimischen Berlin gemessen haben. Tatsächlich produziert Duisburg mit rund 4300 Tonnen Feinstaub pro Jahr etwa 16 Prozent der jährlichen Belastung in ganz NRW. "Es geht um eine akute Gefahrenabwehr, nicht um ein ehrgeiziges Umweltprojekt. Der Feinstaub setzt sich in Lunge, Herz und Gehirn fest. Die Gefahr, an einem Herzinfarkt zu sterben, ist in Duisburg um ein Vielfaches höher als auf dem platten Land", unterstrich Friedrich.

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Konkret fordert der BUND, die Umweltzone auch auf die Autobahnen auszuweiten. Die Binnenschifffahrt soll zur Nutzung von Rußpartikelfiltern gezwungen werden, die Schiffe nach dem Anlegen vom Land aus mit Strom versorgt werden. "Dass Dieselmotoren laufen, um an Deck für Strom zu sorgen, ist unnötig", sagte Kerstin Ciesla vom BUND NRW. Zudem soll der Öffentliche Personennahverkehr ausgebaut werden. Friedrich fordert für Duisburg ein Parkraum-Management und ein verbindliches Ziel, den Radverkehr auszubauen.

Sonst drohten — trotz Umweltzone — auch mittelfristig Grenzwertüberschreitungen bei den Emissionswerten. "Die EU denkt bereits jetzt über die Verschärfung der Grenzwerte nach. Wir können nicht einmal die geltenden Grenzen einhalten", sagte Kampagnen-Koordinator Jens Hilgenberg. Auf die Kommunen kämen hohe Strafen zu, wenn die Klimaziele der EU wegen mangelhafter Strategien in den Städten nicht erreicht würden. "Die Duisburger Politik ist gefordert, sinnvolle Maßnahmen zeitnah umzusetzen", sagte Friedrich.

(RP)