Duisburg: Fast ganz Duisburg bald Schutzgebiet?

Duisburg : Fast ganz Duisburg bald Schutzgebiet?

Allein die Bodenschutzzone für die Stadtmitte und den Süden des Stadtgebietes umfasst bereits 62 Quadratkilometer. Auch in anderen Teilen Duisburgs wird jetzt die Bodenbelastung ermittelt.

Wegen der Schadstoffbelastung infolge der Schwerindustrie wird bald fast die ganze Stadt zum Bodenschutzgebiet: Das Umweltamt hatte ein entsprechendes Vorgehen vor zwei Jahren angekündigt, jetzt liegt der erste Entwurf einer entsprechenden Rechtsverordnung vor. Damals hieß es noch von Seiten der Umweltexperten, dass sich das belastete Gebiet stadtweit über eine Größe von insgesamt 67 Quadratkilometer erstreckt. Jetzt zeigt sich: Alleine die Schutzzone für Mitte und Süd soll rund 62 Quadratkilometer umfassen.

Erst nach der Schließung von Berzelius offenbarte sich, welche Gifte auf dem Gelände lagerten. Foto: Probst, Andreas (apr)

Wegen der enormen Flächengröße und der unterschiedlichen Belastung soll es jetzt drei getrennte Bodenschutzgebiete geben: zunächst für den Süden und Westen, später dann für den Norden, wo noch weitere Untersuchungen notwendig sind. Schätzungsweise werden am Ende zwei Drittel der 232 Quadratkilometer großen Stadtfläche zum Bodenschutzgebiet.

Die Ausweisung der Zonen ist ein Vollzugsinstrument für die Behörden, um den Umgang mit den Schadstoffen Blei, Cadmium und Arsen im Boden zu regeln. Je nach Höhe der Belastung gelten fortan bestimmte Regeln. Sprich: Bisher hatte die Stadt nur gewisse Empfehlungen ausgesprochen, jetzt werden diese Empfehlungen für bestimmte Bereiche zur rechtsverbindlichen Vorschrift. Bei Verstößen sieht die Verordnung Bußgelder von bis zu 50.000 Euro vor.

Südlich der Ruhr ist wie mehrfach berichtet ein knapp zwei Quadratkilometer großer Bereich um die ehemalige Berzelius-Hütte so stark vom Gift im Boden betroffen, dass in Wanheim-Angerhausen und Hüttenheim das Erdreich der Gärten ausgetauscht werden muss. Der Anbau von Nahrungspflanzen - außer Obstbäume und Beerensträucher - ist grundsätzlich verboten. In einer weiteren, rund 20 Quadratkilometer großen Zone dürfen Nahrungspflanzen maximal nur auf zehn Quadratmetern pro Garten angebaut werden. Ausnahmen soll es nur geben, wenn Eigentümer nachweisen, dass der Boden auf ihrem Grundstück unbelastet ist.

Für die mit 40 Quadratkilometern größte Fläche in Mitte und Süd, die ebenfalls zum Schutzgebiet deklariert wird, gibt es keine Vorschriften, es gelten weiterhin die Empfehlungen: Denn dort gibt es zwar erhöhte Schadstoffgehalte im Boden, die Konzentration ist allerdings nicht so hoch, dass eine Gefahr besteht. Das Thema ist komplex, alleine die geplante Infobroschüre für die betroffenen Anwohner umfasst 52 Seiten. Das Verfahren zur Ausweisung der Schutzgebiete ähnelt dem eines Bebauungsplans: Den Entwurf legt die Stadt öffentlich aus, Bürger können Einwände vorbringen, die ausgewertet werden müssen, am Ende beschließt der Rat.

Für Mitte und Süd soll das Verfahren noch in diesem Jahr durchgeführt werden, die Verordnung für den Stadtwesten soll dann "zeitnah" folgen.

(RP)
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