Duisburg: Fachkräftemangel bietet Chancen

Duisburg : Fachkräftemangel bietet Chancen

Im Bereich der Altenpflege verzeichnet das Arbeitsamt in Duisburg 135 freie Stellen, die Dunkelziffer dürfte noch viel höher sein. Pflegeeinrichtungen geben auch Hauptschülern eine Chance.

Thorsten Hirschel, Geschäftsführer der von ihm mitgegründeten Hirschel-Pflegedienste GmbH, weiß natürlich, dass die Altenpflege keinen guten Ruf genießt. Die Bezahlung gilt als nicht angemessen, der Personalschlüssel in den Altenheimen bekommt von fast allen Seiten das Prädikat schlecht. Gleichwohl wirbt Hirschel für Berufe im Bereich der Pflege.

Ein wichtiges Argument ist dabei die Tatsache, dass der Anteil der älteren Menschen in unserer Gesellschaft stetig ansteigt. Die Zahl der pflegebedürftigen älteren Menschen wird dementsprechend in den kommenden Jahren noch zunehmen. Mit dem damit verbundenen Fachkräftebedarf bieten sich interessierten Arbeitssuchenden gute Chancen, eine Stelle in der Pflege zu bekommen. Auch Quereinsteiger sind gefragt.

Nach der aktuellen Beschäftigungsstatistik von September 2017 üben in Duisburg 3500 Frauen und Männer eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in der Altenpflege aus. Ihre Zahl ist in den vergangenen fünf Jahren um gut ein Drittel gestiegen. Annähernd zwei Drittel der Beschäftigten arbeiten als Fachkraft. Hier hat sich nach der Statistik der Agentur für Arbeit die Beschäftigung gegenüber 2012 sogar um 43,7 Prozent erhöht.

In der Hirschel-Pflegedienste GmbH, die auf die ambulante Intensivpflege spezialisiert ist, arbeiten 143 Fachkräfte und sieben sogenannte Pflegehilfskräfte, deren Ausbildung nur ein Jahr dauert (im Gegensatz zur dreijährigen Fachkräfteausbildung). Hirschel gehört zu den großen ambulanten Pflegeeinrichtungen in Duisburg, deren Zahl bei 150 liegt. Der Anteil der Fachkräfte ist bei Hirschel wegen der Spezialisierung auf die Intensivpflege so hoch; in anderen Pflegeeinrichtungen kommen mehr Hilfskräfte zum Einsatz.

Für seine eigene Einrichtung sagt Hirschel: "Wir haben heute schon einen flächendeckenden Engpass an examinierten Altenpflegekräften. Und der Bedarf nimmt weiter zu." Gegen den Fachkräftemangel möchte Hirschel etwas tun. Dazu gehört, dass die Pflegehilfskräfte die Möglichkeit bekommen, sich weiter zu qualifizieren. Eine Zielgruppe seien dabei auch Erwachsene, die sich in Richtung Pflegeberuf neu orientieren möchten oder auch Berufsrückkehrerinnen - wobei die weibliche Form der Norm entspricht. "Pflege ist weiblich", hieß es beim Pressegespräch.

Ein besonderes Augenmerk richtet Hirschel auf Hauptschul-Absolventen. Denn auch diese bekommen in seiner Einrichtung die Chance auf eine Ausbildung zur Altenpflegefachkraft. "Wer einen Hauptschulabschluss hat und sich für den anspruchsvollen Pflegeberuf interessiert, ist hier bei uns willkommen", so Hirschel.

In seinem Unternehmen würde den Auszubildenden die Möglichkeit gegeben, in einer Art Akademie Nachhilfe zu bekommen, um die theoretischen Anforderungen besser bewältigen zu können und die Prüfung zu bestehen. Das schaffe nicht jeder, gibt Hirschel zu. Immerhin würden von zehn Ausbildungsanfängern meist sechs bis sieben bis zum erfolgreichen Abschluss durchhalten.

Wie lange allerdings den Hauptschulabsolventen noch eine Altenpflegefachausbildung offensteht, ist ungewiss. Für das Jahr 2020 ist vorgesehen, dass die Kranken- und Altenpflegeausbildung vereinheitlicht wird. Bislang reicht für die Krankenpflege der Hauptschulabschluss nicht. Wie die Regelung 2020 aussieht, ist heute noch nicht klar. "Hauptschüler, die jetzt eine Altenpflegeausbildung beginnen, genießen aber Vertrauensschutz", versichert Hirschel.

Der Geschäftsführer gibt zwar zu, dass die Honorierung der Pflegekräfte noch weit von den Standards der skandinavischen Länder entfernt ist, doch weist er darauf hin, dass er den Mitarbeitern zusätzlich zum Gehalt einige Vergünstigungen bietet - etwa ein Dienstauto.

Astrid Neese, die Leiterin der Agentur für Arbeit Duisburg, betonte in den Räumen der Hirsche-GmbH die "hervorragenden Beschäftigungsperspektiven" in den Pflegeberufen. Die Arbeitsagentur helfe bei der Umschulung und Qualifizierung von Arbeitslosen. Zudem gebe es ein Förderprogramm, bei dem bereits Beschäftigte in den Betrieben höherwertig qualifiziert werden können. "Leider machen noch zu wenig Unternehmen gerade von diesem Förderprogramm Gebrauch", klagt Neese.

(pk)
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