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Satudarah-Prozess Duisburg: Ex-Rocker-Chef fordert Auflösung der Satudarah

Satudarah-Prozess Duisburg : Ex-Rocker-Chef fordert Auflösung der Satudarah

Sechs Jahre und sechs Monate muss Yildiray K., der ehemalige Satudarah-Präsident, nach dem gestrigen Urteil des Landgerichts in Haft. Sein umfassendes Geständnis bewahrte ihn vor einer deutlich höheren Strafe.

Der Prozess gegen den ehemaligen Satudarah-Präsident Yildiray K. alias "Ali Osman" und seinen damaligen Stellvertreter Baris T. fand gestern überraschend einen Verhandlungstag früher als geplant vor dem Landgericht Duisburg, das wieder einmal von knapp 100 Polizisten bewacht wurde, sein Ende. Gegenüber dem WDR bestätigte "Ali Osman", dass er seinen ehemaligen Kumpanen die komplette Auflösung der Satudarah in Duisburg nahe lege.

Die sechste große Strafkammer verurteilte Yildiray K. wegen der Beteiligung am unerlaubten Drogen- und Waffenhandel zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten und ordnete darüber hinaus eine Drogentherapie im Rahmen des Maßregelvollzugs an. Damit blieb die Kammer unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die auf sieben Jahre Haft plädiert hatte. Schon nach dem ersten Prozesstag trafen die Verfahrensbeteiligten eine Verständigung über den Strafrahmen für die beiden Angeklagten.

Der Vorsitzende Richter führte in der Urteilsbegründung aus, dass "Ali Osman" gleich mehrere Strafmilderungsgründe zugute kamen. Neben seinen Aussagen bei der Polizei vor der Eröffnung des Hauptverfahrens, bei denen er umfassend gestand und Dritte belastet hatte, wertete das Gericht auch sein Geständnis während des Prozesses zu seinen Gunsten. Darüber hinaus sei Yildiray K. in Bezug auf zwei Taten wegen seiner Drogenabhängigkeit, die von einem Gutachter bestätigt wurde, vermindert schuldfähig.

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"Jemand hat mal über den Angeklagten Yildiray K. gesagt, er nehme Kokain, um stark genug für Satudarah zu sein. Aber er hat besondere Stärke und Mut ohne Kokain bewiesen, als er sich dazu entschlossen hat, der Rockergruppierung den Rücken zu kehren und auszusagen", sagte der Richter.

Auf der anderen Seite habe die Kammer jedoch nicht die große kriminelle Energie außer Acht lassen können, die durch die Taten zum Ausdruck gekommen sei. Nach den Plädoyers nutzte Yildiray K. sein letztes Wort, um sich bei seiner Verlobten zu entschuldigen und andere Satudarah-Mitglieder dazu aufzufordern, seinem Beispiel zu folgen und den Club zu verlassen. Er habe außerdem gegen keinen "Ehrenkodex" verstoßen.

"Ich habe nur die Wahrheit gesagt", sagte er. Nach dem Bekanntwerden seines Geständnisses hatten ihm Satudarah-Mitglieder in einer Facebook-Gruppe mit dem Tod gedroht. Aus diesem Grund steht die Familie von K. seit seiner Aussage unter Polizeischutz und kommt in ein Zeugenschutzprogramm. Baris T. wurde zu einer Gesamthaftstrafe von sechs Jahren und drei Monaten verurteilt. Zwar kam ihm auch sein Geständnis zugute, anders als sein ehemaliger "Chef" lehnte er es jedoch ab, Dritte zu belasten und war kein "Kronzeuge".

(RP)