Europawahl: 40.000 Duisburger wählen per Brief

Europawahl : Das müssen Sie wissen zur Europawahl

Mehr als 325.000 Duisburger sind aufgerufen, bei der Europawahl ihre Stimme abzugeben. Immer mehr scheuen aber den Urnengang: Der Trend zur Briefwahl hält weiter an.

Martin Murrack, Stadtdirektor und stellvertretender Wahlleiter, ist optimistisch: „Wir sind gut vorbereitet. Burkhard Beyersdorff und sein Team haben in den vergangenen Wochen ganze Arbeit geleistet. Von mir aus könnten alle rund 325.000 Wahlberechtigte am Sonntag an die Urnen gehen.“ Dazu wird es sicher nicht kommen. Bei der jüngsten Europawahl 2014 haben deutlich weniger als die Hälfte aller Wahlberechtigten abgestimmt: Die Wahlbeteiligung lag vor fünf Jahren bei 42,6 Prozent. „Die Wahlbeteiligung in Duisburg liegt immer unter dem Landes- oder Bundesdurchschnitt. Diesmal wäre es schön, wenn wenigstens 45 bis 48 Prozent in Duisburg zur Wahl gingen“, meint Wahlamtsleiter Burkhard Beyersdorff. Ähnlich sieht es Martin Murrack: „Eine hohe Wahlbeteiligung ist gut für die Demokratie in Deutschland und Europa. Ich glaube, die aktuelle Situation um den Brexit und in Österreich sind noch einmal ein zusätzlicher Motivationsschub, um an der Wahl teilzunehmen.“

Rund 3000 Wahlhelfer hoffen, dass sie am Sonntag nicht zu lange beschäftigungslos bleiben. Denn bereits bis Dienstag sind bei der Stadt 38.224 Briefwahlanträge eingegangen, davon 19.594 online. Beyersdorff geht davon aus, dass bei dieser Europawahl die Zahl der Briefwähler auf die Rekordmarke von über 40.000 steigen könnte. Ein Hinweis auf ein erhöhtes Interesse oder gar eine höhere Wahlbeteiligung sei dies allerdings nicht, eher auf ein geändertes Wählerverhalten. Das sehen Murrack und Beyersdorff durchaus kritisch. „In Fällen von Verhinderung, Krankheit oder Urlaub ist das nachzuvollziehen. Aber eigentlich haben wir in Deutschland eine Urnenwahl. Wer schon zwei Wochen vor dem Wahltermin seine Stimme abgibt, verpasst möglicherweise Vorgänge in der Politik, die sein Wahlverhalten noch hätte ändern können. Außerdem sind Manipulationen bei der Briefwahl eher möglich als beim Gang an die Urne“, so Beyersdorff.

Aber auch mit 40.000 Wahlbriefen sollten die Helfer keine Probleme bekommen. Die per Briefwahl abgegebenen Stimmen werden wie alle anderen auch ab 18 Uhr ausgezählt, und zwar im Wahlamt in Homberg, In den Haesen, sowie in der Erich-Kästner-Gesamtschule an der Ehrenstraße, ebenfalls in Homberg. Damit dies zügig vonstatten geht, stehen dort insgesamt vier professionelle Brieföffnungsmaschinen zur Verfügung.

Alle Wahllokale – 79 Prozent sind barrierefrei – sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Wer seine Wahlbenachrichtigung nicht mehr hat, kann sich auch mit seinem Personalausweis legitimieren und seine Stimme abgeben, allerdings nur im richtigen Wahllokal. Wer das nicht weiß, kann dies bei Call Duisburg telefonisch unter 0203 94000 erfragen.

Bei der Europawahl 2014 hatte in Duisburg die SPD mit 40,8 Prozent klar vorne gelegen (siehe Grafik). Die CDU kam auf 25,0 Prozent. Der Wahlkampf verlief in den vergangenen Wochen in Duisburg gänzlich unspektakulär. Unter den für Duisburg zuständigen Kandidaten kommt keiner aus unserer Stadt. Kandidaten wie zum Beispiel Jens Geier (SPD, Essen), Dennis Radtke (CDU, Bochum), Terry Reintke (Grüne, Marl) oder Moritz Körner (FDP, Langenfeld) waren aber für Wahlkampfauftritte auch in unserer Stadt.

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