Europawahl 2019 in Duisburg: SPD stürzt ab, Grüne und CDU  gleichauf

Europawahl 2019 in Duisburg : SPD stürzt ab, Grüne und CDU gleichauf

Mehr als 15 Prozentpunkte büßt die Duisburger SPD im Vergleich zur Europawahl 2014 ein. Grüne und CDU liegen fast gleichauf, die AfD legt deutlich zu. Die Wahlbeteiligung lag mit rund 49,8 Prozent deutlich höher als vor fünf Jahren.

Als um 18 Uhr die erste Prognose über den Bildschirm flimmerte, gab es ein ungläubiges Raunen im Duisburger Rathaus: Mit solch gewaltigen Stimmenverlusten hatten SPD und CDU wohl nicht gerechnet. Zufriedene Mienen gab’s dagegen bei den Grünen, die sich, wie Dezernent Ralf Krumpholz und Fraktionschefin Claudia Leiße zuvor erklärt hatten, „so um die 15 Prozent“ erhofft hatten. Am Ende wurden es 19,5 Prozent. Natürlich freue man sich, so Krumpholz, aber: „Das kann sich auch ganz schnell wieder ändern.“

Die SPD in Duisburg stürzte regelrecht ab, verlor rund 15 Prozent und kam nur noch auf 24,6 Prozent. 2014 hatte sie noch 40,8 Prozent der Stimmen von den Duisburgern erhalten. Nicht viel besser erging es der CDU, die 2014 noch 25,0 Prozent bekam, diesmal reichte es noch für rund 20 Prozent. Die Linken mussten leichte Einbußen hinnehmen und kamen auf 5,7 Prozent. Deutlich zulegen konnte dagegen die FDP. Die Liberalen, 2014 mit 2,7 Prozenten noch weit abgeschlagen, verbesserten sich nun auf 5,2 Prozent.

Es habe mit dem Klimaschutz ein alles überragendes Thema gegeben – da waren sich Duisburgs Lokalpolitiker, gleich welcher Couleur, allesamt einig. „Europa scheint bei dieser Wahl nicht so wichtig gewesen zu sein“, meinte SPD-Fraktionschef Bruno Sagurna. In seinem Stadtbezirk Meiderich/Beeck hatte übrigens die AfD mit rund 17 Prozent am besten abgeschnitten. „Platte Plakate an jeder Laterne – das hat mehr gezogen als Argumente“, so Sagurna, der sogleich mit einer Kampfansage aufwartete: „Bei der Kommunalwahl läuft das anders.“

Oberbürgermeister Sören Link (SPD) wollte das Ergebnis nicht beschönigen: „Das geht an die Substanz, das tut weh.“ Unzufrieden zeigte sich das Stadtoberhaupt auch mit dem starken Abschneiden der AfD in seiner Stadt: „Das ist viel zu viel.“ Künftig müssten die Parteien „mehr unterscheidbar“ sein und eine „klarere Positionierung“ vornehmen. Duisburgs SPD-Parteichef Ralf Jäger befand, die Zersplitterung der Parteienlandschaft sei ein Spiegelbild des Auseinanderbrechens der Gesellschaft.

CDU-Fraktionschef Rainer Enzweiler erklärte, seine Partei habe den Klimaschutz durchaus berücksichtigt, sei damit aber beim Wähler nicht durchgedrungen. Neue Baugebiete wie Am Alten Angerbach oder der Campus Wedau setzten Maßstäbe beim energetischen Bauen. Man habe die Erfolge der Lokalpolitik wie die neuen Wohnprojekte oder den Abbau von rund 300 Millionen Euro Schulden nicht ausreichend vermitteln können. Das gelte auch auf Bundesebene: „Der Wahlkampf ist doch in erster Linie im TV gelaufen. Der CDU ist es einfach nicht gelungen, sich medienwirksam besser zu verkaufen“, so Enzweiler.

Für Burkhard Beyersdorff, Leiter der städtischen Stabsstelle Wahlen, war es die letzte Wahl unter seiner Verantwortung. Er geht demnächst in den Ruhestand. Seit 1994, also ein Vierteljahrhundert, hatte er Wahlen in Duisburg mitorganisiert und durchgeführt. Am Sonntag zeigte er sich von Anfang an gelassen. Schließlich hatte es 2014 noch eine Dreifach-Wahl gegeben. Damals fanden „neben“ der Europawahl auch noch die Kommunalwahl und die Wahl des Integrationsrates statt, was die Arbeit der Verantwortlich natürlich deutlich komplexer gemacht hatte.

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