Sängerin aus Duisburg Marie Wegener will zum ESC für San Marino

Duisburg/San Marino · Nur zwei Entscheidungen bleiben abzuwarten, dann könnte die Duisburgerin tatsächlich beim Eurovision Song Contest in Malmö auf der großen Bühne stehen. Mit einem von der KI geschriebenen Lied will die ehemalige DSDS-Siegerin den Kleinstaat vertreten. Wie es dazu kam.

 Marie Wegener, 2022 bei der Premiere von Ralf Siegels Musical „Ein bisschen Frieden“.

Marie Wegener, 2022 bei der Premiere von Ralf Siegels Musical „Ein bisschen Frieden“.

Foto: Christoph Reichwein (crei)

Eigentlich ist sie gar nicht mehr Marie Wegener. Privat vielleicht, aber musikalisch steht das neue Projekt Mary Lane an. Der Beginn eines neuen Kapitels, schrieb die Duisburgerin im November vergangenen Jahres in einem Instagram-Beitrag. Das neue Kapitel bedeutet auch, dass die einst jüngste DSDS-Gewinnerin (damals war Wegener 16 Jahre alt), nun keine deutschsprachigen Schlager mehr singt.

Mary Lanes Texte sind jetzt auf Englisch, der erste Song unter neuem Namen und und neuem Image veröffentlichte die heute 22-Jährige ebenfalls im November. „Home“ heißt der Titel. In die Schlagerszene sei sie nach DSDS reingerutscht, sagte Wegener unserer Redaktion. „Jetzt in der Corona-Zeit habe ich aber viel überlegt und den Schritt gewagt“, sagt sie.

Nun geht die gebürtige Duisburgerin einen weiteren Schritt, der sie vielleicht sogar zum größten Musikwettbewerb der Welt führen könnte. Wegener ist nur zwei Entscheidungen davon entfernt, zum ESC zu fahren. Nicht aber für ihre Heimat Deutschland – die Duisburgerin versucht ihr Glück in San Marino. Der Zwergstaat im Nordosten von Italien ist ESC-historisch betrachtet eher den kurzen Besuch im Halbfinale gewöhnt. Im Finale reichte es bisher nur für’s untere Drittel.

Mit dem Format „Una voce per San Marino“ (Eine Stimme für San Marino) fährt der verantwortliche Sender San Marino RTV (SMRTV) schwere Geschütze für dem diesjährigen Vorentscheid auf. Neben regulären Castings und Halbfinal-Sendungen, schaltete sich das KI-Start-up Casperaki ein. In Kooperation mit dem SMRTV wurden zehn Lieder mit der Künstlichen Intelligenz entwickelt, in einem Songwriting-Camp in England wurde dann mit Sängerinnen und Musikern am Feinschliff gearbeitet. Eine davon ist auch Wegener. Sie sei angefragt worden, berichtet sie, einen freien Platz in dem Camp habe es noch gegeben.

Ein Lied zu singen, das teilweise von der KI produziert wurde, das fand die Sängerin zunächst etwas schwierig: „Eigentlich übermittelt Musik Emotionen, das sollte eigentlich von Menschen kommen“, so die Duisburgerin. Dann habe sie dem Abenteuer San Marino dennoch zugestimmt.

Wer letztendlich im Mai unter San-marinesischer Flagge nach Malmö reisen wird, steht nach dem nationalen Finale am 24. Februar fest. Ob Marie Wegener überhaupt zur finalen Auswahl gehört, ist noch nicht klar, vergangenen Mittwoch hielt sich die Sängerin noch eher bedeckt: „Es steht noch nichts fest, aber ich bin sehr gespannt“, schrieb sie zu einem Video. Darin singt sie das Lied „Dare to Dream“, das ihr potenzieller Beitrag werden könnte.

Das Lied soll eine Ballade werden, der Song sei noch nicht ganz fertig, der letzte Feinschliff müsse noch getan werden, „es war alles sehr spontan“ so Wegener. Am Montag wird öffentlich darüber abgestimmt, welcher der zehn mit der KI produzierten Lieder einen Platz im Finale von „Una voce per San Marino“ bekommt – ob es Marie Wegener wird.

San Marino hatte die Sängerin vorher nicht als typisches ESC-Land vor Augen, gibt sie zu. Sie findet sowieso, dass leider manchmal nicht so sehr auf die Musik beim Eurovision Song Contest geachtet würde. Viel Politik. Manche Gewinner-Lieder würde sie aber sehr schön finden. Das Lied, mit dem sie zum San-marinesischen Vorentscheid möchte, ist jedoch „nicht ihr Baby“, wie sie sagt. Was vielleicht auch daran liegt, dass sie dieses Projekt als Marie Wegener angeht. Mary Lane muss kurz aussetzen.

Trotzdem freut sie sich auf das Abenteuer, sagt die Duisburgerin, „auch wenn es nur eine tolle Performance vor vielen Menschen in San Marino wird, wäre das auch wirklich toll“.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort