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Duisburg: „Es war mein Film“

Duisburg : „Es war mein Film“

Sabina Albrecht aus Duisburg fand über ihre Lieblingssendung „Nur die Liebe zählt“ auf Sat 1 nach fast 30 Jahren wieder zu ihrem Vater. Jetzt beginnt sie langsam die Ereignisse zu begreifen.

„Ein Fremder, den ich trotzdem gut zu kennen schien“, so beschreibt Sabina Albrecht das Gefühl in dem Moment, in dem sie ihren Vater Laszlo kennen gelernt hat. Nach über 27 Jahren konnte sie ihren Vater mit Hilfe ihrer Lieblingssendung „Nur die Liebe zählt“ wieder in die Arme schließen.

Ihr Lebensgefährte Raymond Slaugther hatte sich mit der Adresse und einem Foto an die Redaktion der Sendung gewandt. „Ich wäre niemals auf die Idee gekommen, ins Fernsehen zu gehen“, erwähnte sie. Wobei ihr Freund sich sehr „verdächtig“ machte, als er plötzlich die Wohnung aufräumte. „Und dann stand Kai Pflaume bei uns in der Tür“, erzählt Sabina ganz euphorisch. Mit weichen Knien und rasendem Herzen sah sie den Film, den das Fernsehteam in Ungarn mit ihrem Vater gedreht hatte. „Es war mein Film“, versucht sie das unglaubliche Gefühl in Worte zu fassen, das Gesicht ihres Vaters zum ersten Mal zu sehen. Ihre zerstückelten Erinnerungen fügten sich nun zu einem Mosaik zusammen. Als Kai Pflaume dann ihren Vater anrief, „war ich fast ein wenig überfordert, denn er war auf einmal so nah“, schildert sie den Moment seine Stimme zu hören. Ihre Vorstellungen nahmen immer mehr Konturen an. Als sie dann ihren Vater in die Arme schließen konnte, waren beide unsagbar glücklich.

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Dann begann eine Woche wie in einem Rauschzustand: Mit ihrem Vater, der die deutsche Sprache nicht verlernt hatte, begann eine Entdeckungsreise in die Vergangenheit. „Man verspürt von Herzen eine Verbundenheit“, beschreibt sie die gemeinsame Zeit. Auch ihre Freunde erleben ihren Vater Laszlo wie einen alten Bekannten. Mit ihrem Sohn Niklas spielte er Schach wie Opas es mit ihren Enkeln machen. Durch die Sendung am Sonntag erfuhr Sabina Albrecht viel Mitgefühl.

Die Suche begann bereits Ende der 90er Jahre. Mit der Hilfe einer Freundin hat sie die Adresse ihres Vaters heraus gefunden. Dieser hat als Gastarbeiter in der DDR ihre Mutter kennengelernt. Nach der Trennung von ihr und dem Ablauf seines Arbeitsvertrages ging er zurück nach Héviz am Plattensee. Dort gründete er wieder eine Familie, „um den Verlust zu verkraften“, erklärte Sabina. Auf einen Brief Ende der 90er Jahre erhielt sie keine Antwort. „Aber ich war ihm niemals böse“, versichert sie. Bis jetzt wusste sie nicht, dass ihr Brief angekommen war und auch beantwortet wurde – nur an eine falsche Adresse: Vater und Tochter warteten gleichzeitig auf eine Antwort und stellten sich die gleichen Fragen, suchten nach Gründen.

Der erste Schritt zu einem stetigen Kontakt ist nun getan und auf jeden Fall werden sie im Sommer nach Ungarn reisen, um ihre Halbgeschwister kennen zu lernen. „Ich fühle mich nun ein Stück kompletter“, beschreibt sie das unglaubliche „Geschenk“ voller Dankbarkeit.

(RP)