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Duisburg: "Es gibt gar keine Provinz"

Duisburg : "Es gibt gar keine Provinz"

Das Düsseldorfer "Kom(m)ödchen" bittet morgen in der Stadthalle Rheinberg auf die "Couch". Einer der Darsteller des Stücks ist der gebürtige Rheinhauser Christian Ehring.

Rheinberg Mit der Produktion "Couch. Ein Heimatabend" gastiert das Ensemble des Düsseldorfer "Kom(m)ödchen" am morgigen Samstag in der Rheinberger Stadthalle. Die RP hat sich mit Christian Ehring unterhalten, der an diesem Abend zusammen mit Maike Kühl und Heiko Seidel auf der Bühne steht. Ehring, Jahrgang 1972, stammt aus Rheinhausen, ist in Krefeld aufgewachsen und arbeitet als Darsteller und Autor.

Herr Ehring, Sie sind, abgesehen von einer vierjährigen Unterbrechung, seit 1998 Mitglied des Kom(m)ödchen-Ensembles. Eine lange Zeit.

Christian Ehring Ja, das Kom(m)ödchen ist ein traditionsreiches, gut eingeführtes Haus. Aber als junger Künstler kann man dort auch neue Akzente setzen. Ich war zwischenzeitlich solo unterwegs, habe aber festgestellt, dass mir die Arbeit im Team noch mehr Spaß macht.

In Rheinberg sind Sie mit "Couch. Ein Heimatabend" zu Gast. Mit bisher fast 500 Aufführungen und mehr als 80 000 Besuchern die erfolgreichste Kom(m)ödchen-Produktion in 62 Jahren. Wie kann's?

Ehring Das liegt sicher daran, dass es keine reine Kabarett-Schauspiel-Sache ist. Also: nicht ein Text, der Abend für Abend stoisch wiederholt wird. "Couch" steht und wächst durch Aktualisierungen. Wer das Stück vor einem Dreivierteljahr gesehen hat, wird jetzt feststellen, dass es sich stark verändert hat. Ein anderer Grund ist sicher der einzigartige Autor Dietmar Jacobs, der Drehbücher für "Stromberg", aber auch Programme für viele Kabarettisten geschrieben hat. Er ist für mich einer der besten Autoren in diesem Genre.

Nicht zu vergessen, die drei Akteure auf der Bühne.

Ehring Ja, wobei Heiko Seidel und Maike Kühl, die beide hervorragend und witzig spielen, von der Schauspielerei kommen. Ich komme eher aus der Kabarett-Ecke. Und diese Konstellation haben wir beim Bau des Stückes einfließen lassen: ein relativ "normaler" Kabarettist mit ziemlich exzentrischen Nachbarn.

Maike Kühl ist in Rheinberg noch dabei, hört aber im Juni auf. Warum?

Ehring Sie legt eine Babypause ein, kommt aber 2010 wieder. In der Zwischenzeit wird Melanie Haupt ihre Rollen übernehmen. Sie ist sicher eine Neuentdeckung!

Sie sind auch als Autor von "Couch" aufgeführt. Sehen Sie sich eher als Schreiber oder als Darsteller?

Ehring Das gehört bei mir untrennbar zusammen. In der Schulzeit war ich eher der, der die Programme geschrieben hat, später kam die Bühne dazu. Für mich ist beides wichtig.

Sie sind mit Ihrem Programm viel unterwegs, treten auch in kleinen Städten auf. Erkennen Sie Unterschiede, was das Verhalten des Publikums angeht? Leben die Menschen in der Provinz hinter dem Mond?

Ehring Zunächst einmal: Provinz gibt es gar nicht mehr. Heute sind alle gleich gut vernetzt und informiert. Und meistens macht es sogar mehr Spaß in kleineren Städten zu spielen. Denn in den Metropolen haben die Leute die Wahl zwischen 35 Angeboten. Unterschiede gibt es allerdings, was die Spielorte angeht. Aber die Rheinberger haben ja eine schöne Halle. Dort war ich vor vier, fünf Jahren schon einmal mit meinem Solo-Programm "Anchorman" zu Gast.

Sie kündigen einen "Heimatabend" an, stellen eine Couch in den Mittelpunkt der Bühne. Heimat ist bei uns ein nicht unbelasteter Begriff.

Ehring Bei uns ist "Heimat" im übertragenen Sinne zu sehen. Ironisch. Aber es geht schon um Privates. Deshalb die Couch als Sinnbild.

Was bedeutet Heimat für Sie?

Ehring Ich verbinde den Begriff stark mit Sprache. Ich kann mir nicht vorstellen, woanders zu leben. Bei Heimat denke ich besonders an den Bereich Rheinland/Niederrhein.

Uwe Plien führte das Gespräch mit Christian Ehring.

(RP)