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Kommentar: Unsere Woche: Es darf ruhig auch mal feiner sein

Kommentar: Unsere Woche : Es darf ruhig auch mal feiner sein

Weil Duisburg überschuldet ist, schauen die Ratsmitglieder kritisch hin, wenn Geld ausgegeben werden muss. Bei dem 200-Millionen-Kredit, mit dem das Eigenkapital der Stadtwerke aufgestockt wird, ließen sie sich nicht nur in ihren Fraktionssitzungen informieren, sondern sie nutzten auch die Ratssitzung, um sich zu vergewissern, dass es keine Alternative gibt. Am kommenden Montag gibt es zu dem Thema noch eine Ratssondersitzung. Denn die Stadt muss wegen der 200 Millionen Euro einen Nachtragshaushalt vorlegen.

200 Millionen Euro - das ist so viel Geld, wie unsereins es vermutlich niemals in die Finger bekommt. Bei einer viertel Millionen Euro ist das schon ein bisschen anders. Die hat selbst in einer so armen Stadt wie unserer der eine oder andere auf der hohen Kante oder besitzt sie in Form eines Eigenheims. Das ist immer noch sehr, sehr viel Geld, mit dem man besonders dann achtsam umzugehen hat, wenn es nicht das eigene ist. Verständlich, dass die Mitglieder des Vergabeausschusses besonders hinschauten, als sie mehr als 200 000 Euro für den Kauf von Möbeln für das neue Stadtfenster genehmigen sollten. Wie berichtet stieß ihnen dabei besonders der Preis für zweisitzige Designer-Sofas sauer auf, rund 6000 Euro pro Stück teuer. Das ist kein Pappenstiel. Aber Volkshochschule und Stadtbibliothek, die im Stadtfenster residieren, sind nicht nur dazu da, Wissen, sondern auch Kultur zu vermitteln. Dazu bedarf es einer ansprechenden Umgebung, in der hochwertiges Mobilar kein Fremdkörper ist. Im Gegenteil: Je schicker es aussieht, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Besucher entsprechend anständig benehmen. Also, liebe Politiker, bei aller Anerkennung der Sparbemühungen: Gebt das Geld für die Möbel frei. Denn Duisburg demonstriert doch an vielen Stellen schon hinreichend genug, dass die Stadt pleite ist und ihre Bürger oft bildungsarm sind. hch

(RP)