Duisburg: Erwachsene sollen künftig mehr bezahlen

Duisburg : Erwachsene sollen künftig mehr bezahlen

Trotz zahlreicher kostenfreier Angebote sind die Nutzerzahlen der Stadtbibliothek nicht gerade in die Höhe geschnellt. Rund 9000 Ausweise wurden in Zeiten knapper Kassen in Duisburg verschenkt.

Eine gute Idee hatte vor zwei Jahren der Rat der Stadt auf den Weg gebracht: Um Kinder (besonders die aus weniger begüterten Elternhäusern) ans Lesen heranzuführen und damit ihre Bildung zu verbessern, verschenkte die Stadt vor zwei Jahren an Erstklässler Benutzerausweise für die Stadtbibliothek. Fast 1000 Kinder nahmen sie ein Jahr lang in Anspruch und damit ein Viertel der Beschenkten.

Im vorigen Jahr beschloss der Stadtrat, dieses Angebot zusätzlich Schülern der Klassen 2 bis 6 zu unterbreiten 26 800 Gutscheine gab die Stadt aus, etwa jeder Fünfte machte davon Gebrauch und wurde für ein Jahr Bibliotheksnutzer. Insgesamt können somit fast 6000 Kinder mit ihrem kostenfreien Ausweis Bücher entleihen. In diesen Genuss kommen aber auch Lehrer, ehemaliges Büchereipersonal, Kunden des auswärtigen Leihverkehrs und andere insgesamt 1176 Nutzer. Zudem gab die Stadtbücherei 1818 Ausweise kostenlos für Klassenführungen ab. Das bedeutet: Fast 9000 Kunden konnten "umsonst" lesen und/oder Medien entleihen.

Diese Geschenke gehen ins Geld, und davon hat die Stadt Duisburg bekanntlich zu wenig. Zudem sind die Besucherzahlen der Stadtbibliothek in den vergangenen Jahren trotz der kostenfreien Angebote gesunken und damit auch die Einnahmen. Vor vier Jahren waren noch rund 295000 Ausweise im Umlauf, im vorigen Jahr 251000. Auf der Einnahmenseite stand 2013 ein Betrag von gerundet 568 000 Euro, vier Jahre zuvor waren es noch 636 000.

Für einen Ausweis zahlt der normale Nutzer (älter als 13) pro Jahr 12 Euro, für einen Zusatzausweis (zum Beispiel für einen zweiten Erwachsenen im Haushalt) neun Euro. Wer nur einmal das Angebot der Stadtbibliothek nutzt (ohne Ausleihrecht) und keinen Ausweis hat, muss dafür zwei Euro bezahlen. So preiswert kommen die Nutzer des städtischen Bibliotheksangebots in Nachbarkommunen nicht davon. In Köln beispielsweise kostet der Ausweis 28 Euro, die Essener bezahlen 20 Euro und die Mettmanner 24 Euro. Ein direkter Preisvergleich ist allerdings wegen der unterschiedlichen Strukturen schwer. In Mettmann und Köln beispielsweise können alle Jugendlichen bis zum Alter von 16 beziehungsweise 17 Jahren das Angebot kostenfrei nutzen.

Die Bibliotheksleitung will den Kommunalpolitikern in Kürze einen Vorschlag unterbreiten, wie die Benutzerentgelte moderat angehoben werden können. Sie stellt sich vor, dass künftig die Erwachsenen mehr bezahlen, um so auch die Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren zu entlasten, die bislang für den Ausweis haben bezahlen müssen (zum Beispiel weil sie keine Duisburger Schule besuchen und darum keinen kostenfreien Ausweis bekommen). Vor dem Hintergrund, dass der Stadtkämmerer gerade erst alle freiwilligen Ausgaben quasi untersagt hat, wird das aber möglicherweise nicht ausreichen.

(RP)