Duisburg: Erstklassiger Einstand

Duisburg : Erstklassiger Einstand

Trotz der etwas widrigen Umstände im Theater am Marientor wurde das erste Philharmonische Konzert der neuen Saison 2012/2013 unter dem neuen Generalmusikdirektor Giordano Bellincampi zu einem großen Ereignis.

Da wurden Erinnerungen wach: Fünf Jahre mussten die Duisburger Philharmoniker ihre Konzerte im Theater am Marientor (TaM) spielen, bis vor fünfeinhalb Jahren die neue Mercatorhalle eingeweiht wurde. Wie berichtet, musste diese jetzt wegen Brandschutzmängeln auf unbestimmte Zeit geschlossen werden. Wie gut, dass das TaM noch als Ersatz zur Verfügung steht - auch wenn die Bedingungen in dem ehemaligen Musicaltheater nicht ganz so optimal scheinen wie in der Mercatorhalle, zum Beispiel ist die Akustik dort nur brauchbar.

Giordano Bellincampi machte das Konzert zu einem Ereignis. Foto: probst

Aber zum Glück hat Duisburg als neuen Generalmusikdirektor gerade den unerschütterlichen Optimisten Giordano Bellincampi bekommen. Für ihn ist jeder Konzertsaal wie ein Instrument, auf dem man erst spielen lernen muss. Und so wurde mit Erfolg alles getan, dass das erste Philharmonische Konzert der neuen Saison 2012/2013 zu einem großen Ereignis wurde, zum erstklassigen Einstand für den neuen GMD, dem das Publikum schon jetzt auch unter etwas widrigen Umständen vertraut.

Das schon abgeschriebene Theater am Marientor wurde vom Publikum als Ausweich-Spielstätte, wie schon vor einigen Jahren, akzeptiert. Foto: Probst (archiv)

Für Aufbruchsstimmung sorgte gleich die Tondichtung "Don Juan" nach Nikolaus Lenau op. 29 (1888) von Richard Strauss. Getreu Lenaus Motto "Hinaus und fort nach immer neuen Siegen / So lang der Jugend Feuerpulse fliegen!" gingen der Dirigent und das Orchester bewundernswert an die Grenze dessen, was an Schwung und Präzision, kurz: wahrer Virtuosität möglich ist.

Rosen für die Besucher

Der stilistische Kontrast in der Mitte des Programms war das Konzert für Klavier und Orchester D-Dur KV 537 "Krönungskonzert" von Wolfgang Amadeus Mozart. Solist war der erst vierzehn (!) Jahre junge, aber schon recht versierte brasilianische Pianist Fabio Martino. Es gelang ihm gut, seinen schillernden Anschlag mit dem Orchester zu verzahnen.

Nach der Pause schloss sich der Kreis mit der Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 "Aus der Neuen Welt" (1893) von Antonín Dvorák. Wer die Duisburger Philharmoniker und ihren neuen GMD kennt, der ahnte schon vorher, dass dies eine außergewöhnliche Aufführung werden würde. Zum einen, weil Bellincampi klug disponiert und das Stück ohne Mätzchen einfach zur Geltung bringt.

Die Anzahl der Holzbläser war hier doppelt so hoch wie vom Komponisten vorgeschrieben, wohl aus akustischen Gründen. Zum anderen, weil das berühmte, sehnsüchtige Englischhorn-Solo im langsamen Satz hier berückend von Dalia El Guindi geblasen wird.

Hernach überreichten Mitglieder der Philharmoniker den bereits restlos zufriedenen Besuchern am Ausgang je eine Rose "für Ihre Treue".

Eine schöne Geste.

(hod)
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