Duisburg: Erst studieren, dann zahlen

Duisburg : Erst studieren, dann zahlen

Der Rektor der Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr. Ulrich Radtke, plädiert angesichts der "politischen Kehrtwende" der Landeregierung, die künftig auf Studiengebühren verzichten will, dafür, "nachgelagerte Studienbeiträge" zu erheben. Sorge um die Qualität des Studiums.

Mit einem schriftlich formulierten "Plädoyer" nimmt der Rektor der Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr. Ulrich Radtke, Stellung zum Verzicht der Landesregierung auf Studiengebühren. Die neue Landesregierung löse das populäre Wahlkampfversprechen ein, die erst 2007 eingeführten "Gebühren", die zur Verbesserung der Lehrsituation beitragen sollten, schon nach knapp einer Legislaturperiode wieder abzuschaffen.

Planungsunsicherheit

"Diese politische Kehrtwende und die damit verbundene Unsicherheit in der Planbarkeit der Universitätsfinanzen sind für die Hochschulen nicht unproblematisch, denn die Qualität der Lehre an den NRW-Hochschulen sollte ja nicht von der jeweiligen Zusammensetzung einer Regierung abhängen", schreibt Radtke. Die UDE gehe bislang davon aus, dass ihr auch künftig in etwa die bisher eingenommene Summe zur Verfügung steht und entsprechend einsetzen kann.

Wie in Australien

Angesichts der wachsenden Staatsverschuldung müsse gefragt werden, ob die jetzt gesetzlich festgeschriebenen Kompensationszahlungen auf Dauer durchzuhalten sind. Radtke weist auf die schon jetzt bestehende Deckelung von Betriebswirtschaftskosten und zu erwartende Lohnsteigerungen hin. Nicht berücksichtigt seien zudem die stark steigenden Studierendenzahlen. Radtke kommt zu dem Schluss, dass mittelfristig an nachgelagerten Studienbeiträgen nicht vorbeikomme. Er halte das in Australien praktizierte Modell für fair: Qualifizierte Lehre, mitfinanziert durch jene, die dieses System zuvor erfolgreich durchlaufen haben und aufgrund dessen ein gutes Einkommen erzielten. Der Uni-Rektor schreibt: "In Australien konnten so zum Beispiel deutlich mehr Studienplätze eingerichtet werden, ohne dass der Studierenden-Anteil bildungsferner Schichtangehöriger gesunken wäre. Was ist schlecht daran, diejenigen zur Solidarität verpflichten, die es geschafft haben und es sich leisten können, dem Staat etwas von dem zurück zu geben, was sie zuvor kostenlos in Anspruch genommen haben?"

Es sei wichtig, der Bildungsgerechtigkeit mehr zu ihrem Recht zu verhelfen. Sie sei ein hohes Gut, und es müsse "alles unternommen werden, Selektion aus sozialen Gründen zu verhindern".

Radtke: "Solange Studienbeiträge, wie sie aktuell erhoben werden und wurden, und sei es auch nur "mental" – abschreckend wirken, müssen eben intelligente gerechte Lösungen gefunden werden." Der Staat werde es sich künftig immer weniger leisten können, bestmögliche Lehre komplett auszufinanzieren. Und den Hochschulen sei es auf Dauer auch nicht zuzumuten, "von einer Wahlperiode zur nächsten intelligente Lernarrangements hoch- und dann wieder zurückzufahren – je nach Wählergunst". Das halte das Bildungssystem auf die Dauer nicht aus. Der Uni-Rektor schließt mit einem Appell: "Es ist dringend an der Zeit, Verantwortlichkeiten gerechter zu verteilen und das System zukunftssicher zu gestalten."

(RP)
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