Duisburg: Erst Blitzeinschlag, dann Bildersturm

Duisburg: Erst Blitzeinschlag, dann Bildersturm

Auf den Tag genau vor 400 Jahren schlug in der Salvatorkirche der Blitz ein. Das Naturereignis nahmen einige zum Anlass, die Kirchenschätze im Sinne der Bilderstürmer aus dem beschädigten Kirchbau zu rauben oder zu zerstören.

Vor drei Jahren konnte man in der Salvatorkirche ein schönes Jubiläum feiern: Im Jahr 1610 wurden bei der ersten Reformierten Landessynode in der Salvatorkirche die Grundlagen der heutigen Ordnung der Evangelischen Kirche gelegt. Jetzt, drei Jahre später, gibt es wieder einen Grund, 400 Jahre zurückzublicken: Am 8. Juni 1613 schlug bei einem starken Gewitter der Blitz in den Turm der Salvatorkirche ein. Der Turm geriet in Brand und wurde schwer beschädigt. Das Naturereignis nahmen die Anhänger der damaligen Bildersturm-Bewegung zum Anlass, in der Kirche regelrecht zu wüten: Holzfiguren und das Chorgestühl wurden zerstört oder aus dem Kirchbau geraubt. Sogar der Hauptaltar der Salvatorkirche wurde nicht geschont, ebensowenig der Taufaltar. Heinz Pletziger, Altbürgermeister und Ehrenvorsitzender des bürgerschaftlichen Vereins proDuisburg, erinnert in einem Artikel des Duisburger Jahrbuch 2013 an den 400. Jahrestag dieses besonderen Duisburger Bildersturms.

Zum Hintergrund sollte man wissen, dass der Bildersturm eine Begleiterscheinung der Reformation war. Insbesondere die Darstellung Gottes und Jesu waren den Bilderstürmern ein Gräuel. Sie verwiesen auf das Gebot, dass man sich von Gott kein Bild machen soll. Und die ikonenhafte Verehrung von Heiligen- und Christus-Bildern galt den radikal-reformatorischen Christen als Götzendienst. Menschen mit dieser Überzeugung gewannen mit einiger Verzögerung auch in Duisburg an Einfluss. Einen ersten Bildersturm hatte es bereits 1592 in der Marienkirche gegeben. Damals wurden u.a. die Wandbilder weiß übertüncht. Der Bildersturm in der Salvatorkirche fiel noch verheerender aus. Heinz Pletziger schreibt, dass man damals "von einer gegenseitigen Schonung des religiösen Gefühls noch weit entfernt war". Während die Liga der Bilderstürmer den Blitzeinschlag als einen "Finger Gottes" betrachtete, der mit Zorn auf die bibelfernen Gottesdienste weise und seine "gerechte Strafe" vollziehe, sahen die katholischen Gegner einen "Blitz der Hölle", der zu Freveltaten treibe. Angestiftet wurden die Bilderstürmer vom reformierten Prediger M. Petrus Scriverius, der als Berüchtigter in die Duisburger Stadtgeschichte einging, weil er dazu aufrief, die Marienkirche zu demolieren, um die in Aussicht gestellte Rückkehr des Minoritenordens nach Duisburg zu unterbinden. Pletziger zitiert in seinem Jahrbuch-Artikel die entsprechende Passage aus der Stadtgeschichte von Heinrich Averdunk aus dem Jahr 1927. Der schrieb: "Zeugenaussagen über die Zerstörungen, die auf den 'frommen Wunsch Scriverius' hin bis spätabends in der Marienkirche angerichtet wurden, lauten ganz besonders unerfreulich. Es muss ein abstoßendes Bild gewesen sein, die rohen Gesellen in geraubten weißen Chorröcken und Messgewändern wie Betrunkene durch Kirche und Kloster toben zu sehen. Auch die Nutznießer solcher Tumulte fehlten nicht: Weiber und Kinder trugen in Menge weg, was des Mitnehmens wert schien. Der Lärm soll in der Stille der Nacht bis Ruhrort gehört worden sein."

Erst jetzt soll der Schultheiß eingegriffen haben. Das Minoritenkloster erhielt, so recherchierte es Pletziger, von den Übeltätern eine Entschädigung. 25 Jahre nach dem Duisburger Bildersturm wurde an der Stelle des zerstörten Hauptaltars in der Marienkirche ein neuer Altar aufgestellt, während der Altar in der Salvatorkirche nicht wieder aufgerichtet wurde.

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Viel später, bei den Renovierungsarbeiten im Jahr 1883, wurden in der Salvatorkirche die übertünchten Wand- und Deckenmalereien vom Düsseldorfer Historienmaler Franz Cremer wieder hergestellt. Pletziger: "Auf den Gewölbekappen waren nun wieder, von vielem Rankenwerk umgeben, Salvator, das Schweißtuch der Veronika und zahlreiche Engelsfiguren zu sehen, in der nördlichen Turmkapelle weitere Engel, das Gotteslamm mit der Kreuzesfahne, die Symbole der vier Evangelisten und schließlich Christophorus, überlebensgroß und an sehr sichtbarer Stelle, am nordwestlichen Vierungspfeiler."

Wiederum 60 Jahre später wurde diese kirchliche Farbenpracht bei dem fürchterlichen Bombenangriff am 13. Mai 1943 für immer zerstört.

(RP)
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