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Loveparade und OB-Abwahl in Duisburg: Ernüchterndes Fazit nach einem Jahr

Loveparade und OB-Abwahl in Duisburg : Ernüchterndes Fazit nach einem Jahr

Am 12. Februar 2012 war Abwahlsonntag. Duisburg schrieb (wieder einmal) Geschichte. Zum ersten Mal entschied eine Bürger-Mehrheit, dass ein Großstadt-Oberbürgermeister gehen muss.

Fast 130.000 Duisburger erzwangen, wozu der damalige Amtsinhaber freiwillig nicht bereit gewesen war. Sie jagten Adolf Sauerland wegen seiner Rolle bei der Loveparade-Katastrophe aus dem Amt. Von den 364.910 Wahlberechtigten gingen an diesem Sonntag 151.390 zur Wahl. Die hohe Wahlbeteiligung überraschte. Selbst die Initiative aus Politik und Bürgern, die diesen Entscheid herbeigeführt hatte, war hoch erfreut — über die Resonanz, vor allem aber über das klare Ergebnis. Denn in den Tagen vorher waren bei ihr selbst immer wieder Zweifel aufgekommen, dass die benötigte Stimmenzahl von rund 92.000 erreicht werden könnte.

Der Abgewählte selbst erlebte an diesem Sonntag die für ihn so bittere Niederlage zunächst im Kreis von Freunden und Familie, bevor er sich kurz den Kameras im Rathaus stellte und sich noch einmal auspfeifen ließ. In den Folgetagen betrat er seinen ehemaligen "Amtssitz" nur noch, um sein Büro zu räumen und sich von seinen Mitarbeitern zu verabschieden.

Als das Ergebnis der Abwahl am 12. Februar abends von Stadtdirektor Dr. Peter Greulich verkündet wurde, jubelten die, die ihr Ziel erreicht hatten. Hupend fuhren sie durch die Stadt und feierten ihren Erfolg — viele zusammen mit der SPD im Kantpark-Restaurant, wo traditionell die Wahlpartys der Sozialdemokraten stattfinden. "Endlich kann die Stadt wieder nach vorne blicken", kommentierte Ralf Jäger das Ergebnis. Der Parteichef der Duisburger Sozialdemokraten und NRW-Innenminister mahnte, jetzt menschlich mit Sauerland umzugehen. Denn es sei nicht um Sauerland persönlich, sondern um den Oberbürgermeister gegangen. Jäger ließ keinen Zweifel daran, dass die Chance zum Neuanfang gemeinsam mit der Abwahlinitiative genutzt wird. Am 12. Februar nahmen ihm dies noch viele ab, weil in Duisburg seit der Loveparade-Katastrophe im Juli 2010 nichts mehr richtig gelingen wollte. Adolf Sauerland hatte seine Durchsetzungskraft verloren, von der er bereits nach der Kommunalwahl 2009 eine Menge eingebüßt hatte, weil Rot-Rot-Grün im Ratssaal die Mehrheit bekam.

  • Fotos : Bewegende Gedenkfeier für die Loveparade-Opfer
  • Fotos : Das Jahr 2012 in Duisburg
  • Fotos : Trauermarsch zum 2. Jahrestag der Loveparade

Keine Einigung bei Bündnispartnern

Nach dem Rauswurf von Sauerland aus dem Rathaus suchten SPD, Linke und Grüne zusammen mit der Abwahlinitiative intensiv nach einem gemeinsamen Kandidaten — möglichst einen ohne parteipolitischen Stallgeruch. Es fand sich keiner. Es fanden sich zunächst auch keine aktiven (Kommunal-)Politiker, die den Job haben wollten. Und selbst Politprominenz, die inzwischen von der großen Bühne abgetreten war, winkte dankend ab. Und fiel in der Sondierungsphase mal von einer Seite ein Name, so sagten die anderen "Nein". Die einstigen Bündnispartner konnten sich nicht einigen.

Das Ergebnis war, dass sich im Juni bzw. bei der Stichwahl im Juli vorigen Jahres fast ausschließlich Parteimitglieder zur Wahl stellten, allen voran Sören Link von der SPD, der sein Landtagsmandat gegen das OB-Amt einzutauschen bereit war. Er sei der Kandidat für den vielbeschworenen Neuanfang, hieß es.

Neuanfang geglückt?

Inwieweit dieser Behauptung inzwischen Taten gefolgt sind, wird unterschiedlich bewertet. Fakt ist, dass es um die Wortführer der Bürgerinitiative still geworden ist. Die einen sehen es als ein Zeichen für den Neuanfang, dass Sören Link mit den Loveparade-Opfer-Initiativen ins Gespräch gekommen ist und nun eine Gedenkstätte am Güterbahnhof gebaut werden kann. Als Ergebnis seines neuen Stils wird den Bürgern verkauft, dass sie beispielsweise bei der Gestaltung der Bahnhofsplatte mitreden dürfen.

Den anderen fällt beim Begriff Neuanfang ein, dass die Sozialdemokraten nach der Link-Wahl erst einmal im Rathaus Platz für ihre Getreuen gemacht haben. Sie vermissen angesichts der immer größer werdenden (finanziellen) Lasten und Probleme Antworten und Taten. Bei manchem, der auf den Neuanfang gehofft hat, ist längst Ernüchterung eingezogen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Duisburg: Das ist Oberbürgermeister Sören Link

(RP/ac/jco)