Duisburg: Ernste Herzenssache

Duisburg: Ernste Herzenssache

Täglich werden mehr als fünf Herzoperationen im Herzzentrum Meiderich durchgeführt, viele unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine. Erst wenn das Herz stillsteht beginnt Chefärztin Prof. Dr. Sabine Däbritz mit ihrer Arbeit.

Prof. Dr. Sabine Däbritz, Chefärztin am Herzzentrum Meiderich, beugt sich mit zwei Chirurgen konzentriert über das freigelegte Herz einer 84-jährigen Patientin. Alle drei tragen OP-Kleidung: grüne Schürzen, Kopfhauben und Gesichtsmasken. Schwarze Hornbrillen mit integrierten Lupen lassen ihre Augen riesig wirken. Von der Patientin ist nicht viel zu sehen.

Ein großes grünes Tuch erlaubt nur den Blick auf das klaffende Loch in ihrem Brustkorb. Es sind feucht glänzende Adern und Organe zu erkennen, die nur wenig Gemeinsamkeit mit den anatomischen Zeichnungen aus den Schul-Biologiebüchern haben. Die Luft riecht steril, unterlegt mit dem leichten, feuchten Geruch von Blut. Die Atmosphäre im Operationssaal ist ruhig. Auch wenn es um ein Menschenleben geht, kommt keine Hektik auf.

Nur zwei Stunden Operation

Professionell bewegen sich Ärzte, Änesthesisten und OP-Schwestern in dem sterilen Raum. In den Brustkorb des Patienten ragen Schläuche der Herz-Lungen-Maschine, durch die das Blut in einer faszinierend roten Farbe fließt. Beleuchtet wird die Szenerie von drei großen schwenkbaren Lampen mit grellem Licht.

Vorsichtig schneiden die Ärzte die völlig verkalkten Herzklappensegel der Seniorin aus der Aorta aus. Der Kalk wirkt wie verwachsene Krümel rund um das zarte Gewebe. Während der rund zwei Stunden dauernden Operation steht das Herz der Patientin zeitweise still, ihr Körper wird 50 Minuten lang von der Herz-Lungen-Maschine mit Sauerstoff versorgt.

Zum Stillstand wurde das Organ durch eine lähmende Lösung gebracht. "Da die Herzklappensegel so verkalkt sind, öffnen sie nicht mehr richtig. Bei gesunden Menschen sind die Aortaklappensegel ganz fein, bei dieser Frau sind die Verkalkungen mit bloßem Auge zu sehen", erklärt Prof. Dr. Sabine Däbritz. "Das ist im hohen Alter normal. Ein Symptom ist Herzschwäche mit Luftnot."

Der 84-Jährigen wird vom Operations-Team eine neue Herzklappe eingesetzt. Die Klappe stammt von einem Schwein und wird die Frau für den Rest ihres Lebens begleiten. "Bioklappen haben gegenüber mechanischen Modellen den Vorteil, dass sie keine störenden Geräusche machen und die Patienten keine blutverdünnenden Medikamente einnehmen müssen", sagt die Chefärztin.

Das Einsetzten der neuen Klappe ist eine überraschend unblutige Prozedur, denn während die Chirurgin das Implantat mit feinsten Nadeln und unzähligen Fäden befestigt, fließt das Blut durch die komplizierte Herz-Lungen-Maschine. Die rund um die breite Aorta herausragenden Fäden vermitteln das Bild einer komplizierten Handarbeit. Vorsichtig schiebt Prof. Dr. Sabine Däbritz die neue Herzklappe mit dem Finger in die Aorta. Als sie an der richtigen Stelle sitzt, knotet sie die zahllosen Fäden sorgfältig fünf bis sechs Mal fest.

Nachdem die Aorta verschlossen und an den natürlichen Herz-Kreislauf der Patientin "angeschlossen" ist, fängt das Organ wieder an sich zu regen. Das zur Entlüftung in den Brustkorb fließende Blut wird schnell mit Hilfe der Herz-Lungen-Maschine abgesaugt. Dass Blut aus einem der zahlreichen Schläuche spritzt, die in den Brustkorb ragen, gehört für die Ärzte dabei zur Routine.

Narben vom Infarkt

Sollte das Herz einmal nicht richtig von alleine "anspringen", wird mit einem Löffeldefibrillator nachgeholfen. Der kann direkt im Brustkorb angelegt werden. Damit sich kein Blut im Herzbeutel sammelt, wird abschließend eine Drainage hinein gelegt.

Prof. Dr. Däbritz ist schon auf dem Weg in den nächsten Operationssaal, zum nächsten Patienten. Diesem legt sie einen Bypass und befestigt einen Stützring um die Mitralklappe zwischen linkem Vorhof und Herzkammer. Deutlich ist an der Außenwand des Herzens weißes Narbengewebe zu erkennen. "Dieser Patient hatte schon einige Infarkte, daher die Narben. Da wird deutlich, wie wichtig die schnelle Versorgung nach dem Anfall ist. Denn je vernarbter das Herz ist, desto schlechter arbeitet es auch", erklärt die Chefärztin.

Mehr Bilder von der Operation unter www.rp-online.de/duisburg

(RP)