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Duisburg: "Ermöglicher" wird heute 85

Duisburg : "Ermöglicher" wird heute 85

Dr. Dr. hc. Konrad Schilling, von 1976 bis 1992 Kulturdezernent (und zeitweilig zusätzlich Schuldezernent) der Stadt Duisburg, wird heute 85 Jahre alt. Zurzeit schreibt er an seiner Lebenserinnerung, denkt aber perspektivisch.

Am Dienstag wird Dr. Dr. hc. Konrad Schilling 85 Jahre alt. Da man während der Woche nicht so gut feiern kann, verschiebt er das aufs Wochenende mit geladenen Gästen. Denn noch immer denkt Konrad Schilling wie ein Berufstätiger, der seiner täglichen Arbeit nachgeht und nicht einfach freimachen kann, weil es etwas zu feiern gibt. Ungeachtet seines Pensionsalters geht Schilling, der "Vater" der Duisburger Akzente, nach wie vor jeden Vormittag in sein Büro. Ein normales Ruheständlerleben passt nicht zu ihm.

Viele Impulse gegeben

Auch der Blick aus der Distanz passt nicht so recht zu Schilling. Er steckt noch mittendrin im Kulturleben; versucht, keine Premiere im Stadttheater zu versäumen, besucht alle Philharmonischen Konzerte, man sieht ihn bei den Literaturabenden in der Zentralbibliothek, in den Museen und häufig im Filmforum. Da hat sich nichts gegenüber den Zeiten geändert, als er von 1976 bis 1992 das Kulturleben der Stadt Duisburg durch eine Fülle von Impulsen belebte. In seinem Aufsatz zum 100-jährigen Bestehen des Vereins für Literatur und Kunst (dessen Mitglied Schilling natürlich ist) kann man dies, durchaus staunend, nachlesen.

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"Demokratisierung von Kunst und Kultur" ist der Titel dieses Rückblicks, der auch als perspektivischer Ansporn zu verstehen ist, "gewonnene Positionen und Selbstverständlichkeiten", die in Duisburg erreicht wurden, nicht verloren gehen zu lassen.

Als Duisburger Kulturdezernent (jahrelang zusätzlich auch Schuldezernent) bezeichnet sich Schilling selber stets als "Ermöglicher". Dass ihm seine Pensionierung mit 65 Jahren nicht gepasst hat, sagt er noch heute. Immerhin war Schilling als "Pensionär" eine Zeitlang Intendant der Philharmonia Hungarica. Kulturschaffender ist er bis heute geblieben. Man erinnere sich nur an den gewaltigen Kulturperspektivplan, der unter seiner Moderation entstanden ist und der zum Kulturhauptstadtjahr 2010 herauskam.

Für Ballett in der Rheinoper

Heute engagiert sich Schilling auf kulturellem Feld beispielsweise in der Friedrich-Ebert-Stiftung. Und er ist noch immer glänzend informiert, verfügt offenbar über ein Netz an Informanten. So wusste Schilling kurz nach Ende der Düsseldorfer Kulturausschuss-Sitzung bereits, was die Kommunalpolitiker der Landeshauptstadt über Duisburger Opern-Ausstiegspläne denken... Schillings Argumente für den Erhalt der Opernehe sind knallhart.

Wer hier den Rotstift ansetzt, so Schilling, wird einen Teil des Selbstverständnisses unseres Gemeinwesens zerstören und Duisburg kulturell zur Bedeutungslosigkeit verkümmern lassen! Und von der Idee, das Ballett aus der Rheinoper auszugliedern, hält Schilling überhaupt nichts. Das sei eine Art "kastrierte Lösung" für das Ja der Kommunalpolitiker zur Opernehe. Man müsse vielmehr dafür kämpfen, dass Duisburg von Düsseldorf und den größeren Ruhrgebietsstädten nicht untergebuttert werde. Man müsse schon etwas dafür tun, dass Duisburg überregional nicht aus dem Focus gerate.

Konrad Schilling ist in den vergangenen Jahren als Autor hervorgetreten, er schreibt beispielsweise Gedichte, höchst bemerkenswerte, in vielerlei Hinsicht auch leidenschaftliche. Im Mittelpunkt seines gegenwärtigen Tuns ist jedoch die Wiederbeschäftigung mit dem "Turm", einer schön gedruckten Schreibschrift-Sammlung von 1300 bündischen Liedern, die er als junger Mann herausgegeben hat. Zeitgeschichtliches und persönliche Lebensgeschichte kommen in den bisher erschienenen historisch-biografischen Bänden zusammen, an denen Horst Zeller, ein alter Weggefährte Schillings, mitwirkt.

In einigen Monaten möchte Konrad Schilling seine "Lebenserinnerung" veröffentlichen. Der "schuftende Paradiesvogel", wie Schilling bei seiner Pensionierung genannt wurde, hat viel zu erzählen. Etwa vom Leipzig der Nachkriegszeit oder seinem zeitweiligen Lebensmittelpunkt am Pazifik in Chile.

(RP)