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Serie unser Rhein (Folge 6): Erholungsgebiet für Mensch und Natur

Serie unser Rhein (Folge 6) : Erholungsgebiet für Mensch und Natur

Die Walsumer Rheinaue liegt an einer der wichtigsten Vogelzuglinien Mitteleuropas. Sie ist ein Paradies für Ornithologen.

Im Schatten zweier Kohlekraftwerke - nördlich das in Voerde, südlich das in Walsum - erstreckt sich einer der schönsten Naturräume des Ruhrgebiets: die Rheinaue Walsum. Das Naturschutzgebiet entlang des Rheins ist Ruheoase für Spaziergänger, Treffpunkt für Jogger und Radfahrer und häufig das Motiv vieler Hobbyfotografen. Vor allem ist die Rheinaue mit ihrer typisch niederrheinischen Heckenlandschaft aber die Heimat von Tieren und Pflanzen. Bislang wurden dort rund 400 Pflanzen- und 200 Vogelarten nachgewiesen, davon rund 90 Brutvogelarten.

Es begann alles in den Jahren 1935/36, als zur Hochwassersicherung ein Deich zwischen den Orten Alt-Walsum und Stapp in Dinslaken errichtet wurde. Die Rheinaue war somit in ein weiterhin jährlich überschwemmtes Deichvorland und in ein vor direkten Überflutungen geschütztes Deichbinnenland geteilt. Für die Flussaue ist es typisch und biologisch wertvoll, dass sie vom Rheinhochwasser überflutet wurde und wird, doch nach dem Bau des Deiches wurde das Deichbinnenland für Jahrzehnte nicht mehr überschwemmt. Erst Bergsenkungen, verbunden mit einem hoch stehenden Grundwasserspiegel, ließen neue Wasserflächen entstehen. Diese "aus zweiter Hand" entstandenen Feuchtgebiete machen den besonderen Wert der Rheinaue aus. Sie bietet Wasser- und Watvögeln Brut- und Nahrungsmöglichkeiten sowie geeignete Rastplätze auf ihrem Weg.

Die Rheinaue Walsum umfasst eine Fläche von 558 Hektar, seit 1990 sind davon 94 Prozent als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Von März bis August brüten im Deichvorland zahlreiche Vogelarten. Dazu gehören die bodenbrütenden Wiesenvögel wie Wiesenpieper, Schafstelze, Kiebitz und Austernfischer. Sie können nur dort ihre Jungen aufziehen, wo die Landwirtschaft mit Rücksicht auf die Tierwelt betrieben wird und keine Störungen durch Menschen stattfinden. Deshalb ist das Betreten der Wiesen und das Angeln am Rheinufer auch verboten. Bei den Brutvögeln sind insbesondere regelmäßige Bruten des Wachtelkönigs und Rotschenkels zu erwähnen. Diese als gefährdet geltenden Arten besitzen in der Rheinaue einen Schwerpunkt ihrer Verbreitung im Rheinland und die Wachtelkönige stellen dabei noch eine besondere Attraktion dar, wenn mehrere Paare im Juni nachts zu hören sind. Im gesamten Deichvorland brüten rund 30 Vogelarten, wovon fast die Hälfte auf der roten Liste steht. Vielerorts kann der Besucher in der Aue zahlreiche Kopfbäume bewundern, die den gesamten Niederrhein prägen. Vor allem in den morschen höhlenreichen Bäumen brüten seltene Vogelarten wie Hohltaube und Steinkauz.

Durch die Lage direkt am Rhein befindet sich die Rheinaue aber auch an einer der wichtigsten Vogelzuglinien Mitteleuropas, denn der Fluss stellt für Zugvögel eine wichtige Orientierungshilfe dar. Im Winter sind rastende arktische Wildgänse und skandinavische Entenarten im Rheinvorland aus der Nähe zu beobachten. Besonders zahlreich sind die Schnatterenten, aber auch Zwerg- und Haubentaucher, Pfeif- und Krickenten und Zwergsäger. Eindrucksvoll sind auch die mehr als 100 Kormorane. Nicht umsonst ist die Rheinaue Walsum Bestandteil des EU-Vogelschutzgebietes "Unterer Niederrhein" und wurde wegen ihrer Bedeutung 1998 als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet in das europäische Schutzgebietsnetz aufgenommen.

(RP)