Duisburg Erfolgreicher Kampf gegen Abzocker

Duisburg · Die Duisburger Verbraucherzentrale hat 2017 fast 10.000 Duisburgern geholfen. Die größten Probleme gab es mit Schlüsseldiensten, Kabel- und Internetanbietern und sogenannten "Ping-Anrufen".

 Marina Steiner (r.), Leiterin der Duisburger Verbraucherzentrale, im Beratungsgespräch. In diesem Jahr beschäftigt sie sich vor allem mit einer Veränderung im Reiserecht.

Marina Steiner (r.), Leiterin der Duisburger Verbraucherzentrale, im Beratungsgespräch. In diesem Jahr beschäftigt sie sich vor allem mit einer Veränderung im Reiserecht.

Foto: Verbraucherzentrale

Ein Klingeln an der Haustüre, ein kurzes Gespräch, eine Unterschrift - keinen Monat später flatterte einer Duisburgerin im vergangenen Jahr eine Rechnung über 30.000 Euro ins Haus. Der nette Mann, der der älteren Dame angeblich nur eben ein Loch in ihrer Regenrinne stopfen wollte, hatte ihr eine Fassadendämmung für mehrere 10.000 Euro verkauft. "Das ist natürlich ein Extrembeispiel" , sagt Marina Steiner, Leiterin der Duisburger Verbraucherzentrale, "aber es illustriert ganz gut, wieso unsere Arbeit so wichtig ist."

Die Verbraucherschutzorganisation hat in ihrer Jahresbilanz gestern deutlich gemacht, dass den dreisten Abzockern die Ideen nicht ausgehen. "Es ist ein ständiges Katz'- und Mausspiel", sagt Steiner. "Aber wir halten dagegen. Und wir sind stolz darauf, was wir im vergangenen Jahr geleistet haben."

Fast 10.000 Duisburger haben 2017 bei der Duisburger Beratungsstelle der Verbraucherzentrale Hilfe gesucht. "In einigen Bereichen haben wir sogar deutlich mehr Leuten helfen können als in den vergangenen Jahren", sagt Steiner. Das sei beachtlich. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Beratungen derzeit immer aufwendiger würden. "2017 kamen besonders viele Geflüchtete zu uns", erzählt die Verbraucherschützerin. In den Gesprächen hapere es mittlerweile häufig an grundlegenden Dingen wie Deutschkenntnissen. Um dann für alle Beteiligten gute Lösungen zu finden, sei eine große Herausforderung.

Ein besonders großes Problem waren im vergangenen Jahr einmal mehr unverschämt hohe Rechnungen von Schlüsseldiensten. "Da wird häufig die sofortige Bezahlung an der Haustüre gefordert", berichtet Steiner. Und wer nicht zahlen wolle, werde häufig massiv unter Druck gesetzt. "Wir beobachten dieses Phänomen jetzt auch immer häufiger bei anderen Notdiensten - zum Beispiel bei Wasserschäden. Wichtig sei, dass die Leute sich nicht verrückt machen lassen dürften. Man habe immer das Recht, zumindest eine Rechnung zu verlangen. Horrende Summen direkt bezahlen, müsse niemand. Außerdem müsse sich auch niemand von Schlüsseldienstmitarbeitern zum Geldautomaten begleiten lassen.

Zweite große Baustelle für die Verbrauchezentrale war 2017 das Thema Telefon- und Kabelverträge. Im Duisburger Süden habe sich da vor allem Unitymedia fragwürdig verhalten, berichtet Steiner. "Da sind Mitarbeiter von Haustür zu Haustüre gezogen und haben Ängste im Hinblick auf die Einstellung des analogen TV-Programms geschürt."

Dadurch verunsichert, hätten viele Verbraucher überteuerte oder überflüssige Verträge abgeschlossen. "Die Werber haben dabei auf die Unwissenheit der Verbraucher gesetzt. Dass man sich nur einen neuen Receiver hätte anschaffen müssen, haben sie den Kunden natürlich nicht verraten."

Viel Arbeit hatten die Verbraucherschützer auch mit den sogenannten "Ping-Anrufen". 2017 gingen auf vielen Duisburger Telefonen Anrufe einer unbekannten Nummer ein. Wer zurückrief, landete nicht selten in Liberia. "Die Betrüger haben dann versucht, die Leute lange in der Leitung zu halten und verdienten an den Telefongebühren mit", erläutert die Chefin der Verbraucherzentrale.

Wichtigste Themen in diesem Jahr sind für die Verbraucherzentrale zum einen die Aufklärung hinsichtlich der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung und eine Veränderung im Reiserecht, die am 1. Juli in Kraft tritt. "Mit der veränderten Rechtslage geht eine Verschlechterung bei den Möglichkeiten einher, kostenlos von Buchungen zurückzutreten", sagt Steiner. "Reiseveranstalter haben künftig das Recht, den Preis vor Reiseantritt um bis zu 8 Prozent zu erhöhen. Früher hatte man schon bei über 5 Prozent die Möglichkeit, die Reise zu stornieren."

(th)
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